{"id":205107,"date":"2020-04-27T21:11:59","date_gmt":"2020-04-27T21:11:59","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-infektionen-sinken-langsamer-als-meldedaten-nahelegen\/"},"modified":"2020-04-27T21:11:59","modified_gmt":"2020-04-27T21:11:59","slug":"corona-infektionen-sinken-langsamer-als-meldedaten-nahelegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-infektionen-sinken-langsamer-als-meldedaten-nahelegen\/","title":{"rendered":"Corona: Infektionen sinken langsamer als Meldedaten nahelegen"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Wo steht Deutschland in der Corona-Pandemie? Ein Blick in die Statistiken vermittelt oft nur ein unvollst\u00e4ndiges Bild. Ein neues Verfahren soll das Problem zum Teil l\u00f6sen. Es liefert bereits spannende Erkenntnisse.  <\/p>\n<p>&quot;Wer wissen will, wie das Wetter ist, m\u00f6ge aus dem Fenster sehen&quot;, hat der Schriftsteller Max Goldt einmal gesagt. Und wer wissen wolle, wie morgen das Wetter sei? Der &quot;m\u00f6ge morgen aus dem Fenster sehen&quot;. F\u00fcr das Wetter mag das stimmen. Wer wissen will, wo genau Deutschland gerade in der Corona-Pandemie steht, hat es nicht so einfach. Ein Blick auf die Daten von heute spiegelt n\u00e4mlich keineswegs die aktuelle Situation wider. Stattdessen blickt man in die Vergangenheit \u2013 teils mehrere Wochen.<\/p>\n<p>Der Blick auf morgen ist mit noch mehr Unsicherheiten behaftet. F\u00fcr Politiker, die \u00fcber Lockerungen entscheiden m\u00fcssen, ist das ein Problem. Wie soll es weitergehen? Viele Einkaufsl\u00e4den haben inzwischen wieder ge\u00f6ffnet, der Betrieb in Schulen l\u00e4uft an, f\u00fcr Kitas werden zumindest Konzepte zur \u00d6ffnung erarbeitet. In anderen Bereichen, bei Gro\u00dfveranstaltungen oder bei Besuchsregelungen f\u00fcr Krankenh\u00e4user oder Pflegeheime etwa, werden Beschr\u00e4nkungen dagegen lange bestehen bleiben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>In der Diskussion darum, welche Ma\u00dfnahmen weiterhin gegen die Ausbreitung des Erregers Sars-CoV-2 aufrechterhalten werden m\u00fcssen, spielen verschiedene Kennzahlen eine Rolle. Eine davon ist die Zahl der Neuinfektionen (lesen Sie hier mehr auch zur Reproduktionszahl, dem Verh\u00e4ltnis von Genesenen und Erkrankten, sowie anderen Kenngr\u00f6\u00dfen). Das Problem dabei: Die Meldedaten des Robert Koch-Instituts (RKI) zu den Neuinfektionen sind \u00e4u\u00dferst l\u00fcckenhaft. Und das liegt nicht nur an der hohen Dunkelziffer von Infizierten, die wom\u00f6glich symptomfrei bleibt und deshalb nie auf das Coronavirus getestet wird.<\/p>\n<p>Auch die Erfassung der offiziell bekannten F\u00e4lle ist gar nicht so einfach. Die Gesundheitsbeh\u00f6rde am Wohnort einer erkrankten Person erf\u00e4hrt erst mit Versp\u00e4tung von dem Fall. Bis die lokal gesammelten Daten zentral am RKI-Hauptsitz in Berlin verarbeitet werden, geht noch einmal Zeit verloren. Mit einem Rechenmodell soll das Problem der Meldeverz\u00f6gerung nun gel\u00f6st werden.<\/p>\n<h3>Infektionswelle verlief anders als am Anfang des Ausbruchs vermutet<\/h3>\n<p>In seinem t\u00e4glichen Lagebericht zeigt das RKI inzwischen neben den eingegangenen Meldungen \u00fcber Neuinfizierte dank dieses Modells auch noch einen anderen Verlauf der Pandemie. Er richtet sich nicht mehr nach dem Meldedatum, sondern nach dem mutma\u00dflichen Krankheitsbeginn. Schaut man nun auf diese Zahlen und ihre Entwicklung, zeigen sich einige interessante Effekte:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Die Zahl der t\u00e4glichen Neuinfektionen ist demnach in der ersten M\u00e4rzh\u00e4lfte schneller gestiegen als zun\u00e4chst bekannt.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Die Neuerkrankungen nahmen bereits wieder ab, als Bund und L\u00e4nder sich am 23. M\u00e4rz auf Kontaktbeschr\u00e4nkungen verst\u00e4ndigten. Anhand der Meldedaten hatte es dagegen so ausgesehen, dass die Trendwende erst zwei Wochen sp\u00e4ter kam. Darauf verweist auch ein Bericht des &quot;NDR&quot;, der das Thema aufgebracht hatte.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Seit Ende M\u00e4rz gibt es in Wahrheit weniger Neuinfizierte pro Tag als es die Meldezahlen nahelegen. Aber: Die Zahlen schrumpfen langsamer, als man mit Blick auf die Meldungen meinen k\u00f6nnte.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Den Krankheitsverlauf nach dem Meldedatum nachzuzeichnen, im Diagramm oben ist das die blaue Linie, bringt gleich mehrere Probleme mit sich. Man hinkt dem Infektionsgeschehen durch den Meldeverzug zwangsl\u00e4ufig hinterher. Insbesondere die j\u00fcngsten zur\u00fcckliegenden Tage in der Statistik basieren auf sehr unvollst\u00e4ndigem Datenmaterial. Und manche Gesundheits\u00e4mter \u00fcbermitteln an den Wochenenden gar keine F\u00e4lle, sodass samstags und sonntags die Zahl der Meldungen regelm\u00e4\u00dfig einbricht.<\/p>\n<h3>Keine Vorhersage der Zukunft, sondern der Gegenwart<\/h3>\n<p>Ein realistischeres Bild zeichnet der Zeitverlauf nach mutma\u00dflichem Krankheitsbeginn, im Diagramm oben durch die rote Linie dargestellt. Der Krankheitsbeginn ist f\u00fcr einen gro\u00dfen Teil der registrierten F\u00e4lle bekannt. F\u00fcr Patienten ohne bekannten Krankheitsbeginn wird der Zeitpunkt mithilfe von Erfahrungswerten statistisch berechnet. Auf diese Weise sind also F\u00e4lle, von denen das RKI vielleicht erst in der zweiten M\u00e4rzh\u00e4lfte erfuhr, bereits den mutma\u00dflichen Tagen des Krankheitsbeginns in der ersten Monatsh\u00e4lfte zugeordnet.<\/p>\n<p>Neben bekannten und berechneten Krankheitsbeginnen enth\u00e4lt der neue Zeitverlauf auch noch Prognosen \u00fcber Neuinfektionen, deren Meldungen noch gar nicht beim RKI eingegangen sind. Mit der sogenannten &quot;Nowcast&quot;-Methode, die ebenfalls auf Erfahrungswerten und statistischer Sch\u00e4tzung basiert, werden damit die Meldeverz\u00fcge ausgeglichen. Es ist keine Vorhersage der Zukunft, wie man sie beim Wetter nutzt, sondern eine der nicht besser zu beschreibenden Gegenwart. Politischen Entscheidungstr\u00e4gern kann das trotzdem helfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo steht Deutschland in der Corona-Pandemie? Ein Blick in die Statistiken vermittelt oft nur ein unvollst\u00e4ndiges Bild. Ein neues Verfahren soll das Problem zum Teil l\u00f6sen. 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