{"id":205097,"date":"2020-04-27T20:11:56","date_gmt":"2020-04-27T20:11:56","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-lockerungen-forderungen-werden-lauter-doch-strategie-birgt-groses-risiko\/"},"modified":"2020-04-27T20:11:56","modified_gmt":"2020-04-27T20:11:56","slug":"corona-lockerungen-forderungen-werden-lauter-doch-strategie-birgt-groses-risiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-lockerungen-forderungen-werden-lauter-doch-strategie-birgt-groses-risiko\/","title":{"rendered":"Corona-Lockerungen: Forderungen werden lauter, doch Strategie birgt gro\u00dfes Risiko"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Die Warnungen der Kanzlerin verhallen ungeh\u00f6rt, die Rufe nach weiteren Lockerungen der Corona-Regeln werden immer lauter. Der schnelle Kurs in Richtung Normalit\u00e4t birgt ein gro\u00dfes Risiko.  <\/p>\n<p>Jetzt also die Kirchen. Bundesweit k\u00f6nnten in der Coronakrise Gottesdienste und Andachten bald wieder erlaubt sein. &quot;Wir sind einen gro\u00dfen Schritt weitergekommen&quot;, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministers am Montag. Entscheidend soll die Runde von Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpr\u00e4sidenten kommenden Donnerstag sein.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung strebt eine einheitliche Regelung an, wie auch in Kirchen nach den wochenlangen Kontaktverboten und Ausgangsbeschr\u00e4nkungen wieder ein wenig Normalit\u00e4t einkehren k\u00f6nnte. Doch Gottesdienste sind L\u00e4ndersache, einige L\u00e4nder haben bereits entschieden, sie im Mai wieder zu erlauben. <\/p>\n<p>Unter anderem Nordrhein-Westfalen. Von Freitag an sind im bev\u00f6lkerungsreichsten deutschen Bundesland Gottesdienste wieder m\u00f6glich - wenn Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. NRW-Ministerpr\u00e4sident Armin Laschet (CDU) hat sich zuletzt einen Ruf als oberster Lockerungsf\u00fcrsprecher erarbeitet. Er ist damit zum Gegenpol der Kanzlerin geworden, die am Donnerstag in einer Regierungserkl\u00e4rung warnte, einige L\u00e4nder gingen ihr bei derzeit beim gesellschaftlichen Neustart &quot;zu forsch&quot; vor.<\/p>\n<p>Merkels Worte, so scheint es, verhallen weitgehend ungeh\u00f6rt. Lange herrschte staatstragende Einigkeit im Kampf gegen das Virus. Doch seit die epidemiologischen Eckdaten Grund zur Hoffnung geben, wird auch der Ruf nach einer m\u00f6glichst raschen R\u00fcckkehr in den Alltag lauter. Gottesdienste, Schulen, Kitas, Gesch\u00e4fte, Gastronomie, Tourismus - \u00fcberall wird geklagt und gedr\u00e4ngelt: Wann geht es endlich wieder los?<\/p>\n<p>Mehr noch: W\u00e4hrend die Bremser noch vor einem R\u00fcckfall warnen, fordern andere bereits, man d\u00fcrfe sich nicht l\u00e4nger &quot;unter das Joch der t\u00e4glich wechselnden Fallzahlen stellen&quot;, der Lockdown sei im Begriff, &quot;unser soziales, kulturelles und wirtschaftliches Leben zu ruinieren&quot;. So schreibt es eine Gruppe prominenter Autoren aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft in einem Gastbeitrag f\u00fcr den SPIEGEL. Am Wochenende schien auch Bundestagspr\u00e4sident Wolfgang Sch\u00e4uble (CDU) eine Grundsatzdebatte ansto\u00dfen zu wollen, im &quot;Tagesspiegel&quot; sprach er sich dagegen aus, in der Coronakrise jede Entscheidung dem Schutz von Leben unterzuordnen.<\/p>\n<p>Laschet sieht es genauso. Die Politik m\u00fcsse &quot;viel umfassender diskutieren und &quot;nicht jeden Tag nur auf die Infektionszahlen gucken&quot;, sagte er in der ARD. Auch die Kosten im Gesundheitssystem m\u00fcssten in den Blick genommen werden: Wenn das System nicht mehr finanzierbar sei, weil der Staat sich \u00fcbernehme, gef\u00e4hrde das auch Leben, so Laschet.<\/p>\n<p>Der Ministerpr\u00e4sident ist nicht allein in seinem Lockerungseifer. Auch andere L\u00e4nderchefs mildern die geltenden Beschr\u00e4nkungen schneller, als es der Bundesregierung lieb ist. Alle zusammen gehen damit die riskante Wette ein, dass die Pandemie auch mit diesem Kurs beherrschbar bleibt.<\/p>\n<h3>Kramp-Karrenbauer warnt vor Lockerungen<\/h3>\n<p>Doch was ist, wenn nicht? CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer warnte am Montag deutlich vor den Konsequenzen. Die Zahl der Neuinfektionen sei mit derzeit 2000 pro Tag nach wie vor hoch. Bei diesen Zahlen sei es eine &quot;sehr riskante Wette&quot;, \u00fcber massive Lockerungen zu reden.<\/p>\n<p>Auch Virologen sind sich nahezu einig: Wird jetzt zu schnell gelockert, besteht die Gefahr einer zweiten Welle, k\u00f6nnten die Infektionen erneut exponentiell ansteigen. Und dann k\u00f6nnte auch in Deutschland die Zahl der Intensivbetten und Beatmungsger\u00e4te nicht ausreichen, warnt Christian Drosten von der Berliner Charit\u00e9. Die Folge: viele Tote.<\/p>\n<p>Bisher sind solch dramatische Bilder, wie sie aus Italien oder Spanien um die Welt gingen, hierzulande ausgeblieben. Tausende Klinikbetten werden freigehalten f\u00fcr Patienten, die - bislang - nicht gekommen sind. Auch dieser Umstand befeuert nun die politische Debatte.<\/p>\n<h3>Politik hat zur Verunsicherung beigetragen<\/h3>\n<p>Waren die Ma\u00dfnahmen am Ende \u00fcbertrieben? Oder haben gerade sie daf\u00fcr gesorgt, dass Deutschland bisher so glimpflich davongekommen ist? Und steht uns wom\u00f6glich das Schlimmste erst noch bevor?<\/p>\n<p>Die Verunsicherung ist gro\u00df. Und die Politik hat ihren Teil dazu beigetragen. So schlitterten die Ministerpr\u00e4sidenten in den Lockdown mehr oder weniger hinein. Nach koordiniertem, einhelligem Vorgehen sahen die ersten Ma\u00dfnahmen Mitte M\u00e4rz nicht aus. Auch wenn sich das in den vergangenen Wochen gebessert hat, die eine oder andere Kehrtwende ist schwer zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Beispiel Maskenpflicht: Vor zwei Wochen noch sprachen sich die Ministerpr\u00e4sidenten, flankiert von der Wissenschaft, gegen eine Maskenpflicht aus \u2013 um sie dann einer nach dem anderen doch einzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Beispiel Tracing App: Zun\u00e4chst hatten Gesundheitsministerium und Kanzleramt auf einer Speicherung der Nutzerdaten bestanden, nun soll es doch einen dezentralen Ansatz geben.<\/p>\n<p>Auch den Virologen wird vorgeworfen, ihre Empfehlungen in den vergangenen Wochen immer mal wieder ver\u00e4ndert zu haben. Laschet griff die Experten daf\u00fcr in der ARD-Sendung &quot;Anne Will&quot; scharf an. Erst sei das Ziel gewesen, keine Zust\u00e4nde wie in Norditalien zu bekommen, dann habe es gehei\u00dfen, die Verdoppelungszahl der Infektionen m\u00fcsse auf einen Wert von nur zehn bis zw\u00f6lf Tagen steigen. Und dann sei schlie\u00dflich die Reproduktionszahl ins Spiel gekommen.<\/p>\n<h3>&quot;Das kann wirklich sch\u00e4dlich sein&quot;<\/h3>\n<p>In der Gro\u00dfen Koalition st\u00f6\u00dft Laschet damit auf deutlichen Widerspruch. Teilnehmern zufolge kritisierte etwa CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt den CDU-Politiker in einer Videoschalte des Parteivorstands. Politik m\u00fcsse die Stimmen der Wissenschaft ber\u00fccksichtigen, sagte Dobrindt demnach: &quot;Unsere Linie ist, Verl\u00e4sslichkeit und Vertrauen durch wissenschaftliche Beratung zu schaffen. Deshalb d\u00fcrfen wir keinen Zweifel lassen, dass wir unsere Entscheidungen auf Basis wissenschaftlicher Beratung treffen.&quot;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Warnungen der Kanzlerin verhallen ungeh\u00f6rt, die Rufe nach weiteren Lockerungen der Corona-Regeln werden immer lauter. Der schnelle Kurs in Richtung Normalit\u00e4t birgt ein gro\u00dfes Risiko. 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