{"id":205078,"date":"2020-04-27T18:02:32","date_gmt":"2020-04-27T18:02:32","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-boris-johnson-kehrt-zuruck-ins-chaos\/"},"modified":"2020-04-27T18:02:32","modified_gmt":"2020-04-27T18:02:32","slug":"corona-boris-johnson-kehrt-zuruck-ins-chaos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-boris-johnson-kehrt-zuruck-ins-chaos\/","title":{"rendered":"Corona: Boris Johnson kehrt zur\u00fcck ins Chaos"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Boris Johnson \u00fcbernimmt wieder die Amtsgesch\u00e4fte. Wom\u00f6glich gerade noch zur rechten Zeit. Der \u00c4rger der Briten \u00fcber den Schlingerkurs ihrer Regierung wird von Tag zu Tag gr\u00f6\u00dfer.  <\/p>\n<p>Jetzt hat er die Hand also wieder am Steuer. Am Montagmorgen, gut vier Wochen nach Bekanntwerden seiner Covid-19-Infektion, trat Boris Johnson vor die schwarze T\u00fcr in 10 Downing Street, um sich pers\u00f6nlich an seine verunsicherte Nation zu wenden. Was er dabei sagte - man sei dabei, das Virus &quot;niederzuringen&quot;, aber f\u00fcr eine \u00d6ffnung des Landes sei es zu fr\u00fch \u2013, war dabei weniger wichtig als die Art seines Auftritts.<\/p>\n<p>Verwehte Haare, geballte F\u00e4uste, stakkatohafte Sprache. Es war der alte Johnson, den die Briten in diesen sechs Minuten zu Gesicht bekamen. Einer, dem die drei Tage auf der Intensivstation anscheinend nichts anhaben konnten, einer, der bereit und willens ist, in &quot;Phase zwei dieses Kampfes&quot; vorneweg zu marschieren. Johnson, so hatte sein Stellvertreter Dominic Raab schon am Sonntag verk\u00fcndet, sprudele \u00fcber vor Energie.<\/p>\n<p>Er wird sie gebrauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Mehr als 20.000 Tote<\/h3>\n<p>Denn die R\u00fcckkehr des britischen Premierministers f\u00e4llt in eine Zeit, in der sich nicht nur die Pandemie in einer &quot;Phase des maximalen Risikos&quot; befindet, wie er selbst sagt. Auch Johnson und seine Regierung sind zuletzt unter erheblichen politischen Druck geraten. Selbst konservative Parteifreunde und die Tory-nahe Presse des Vereinigten K\u00f6nigreichs fragen sich immer lauter, ob das Kabinett die Krise im Griff hat \u2013 oder umgekehrt.<\/p>\n<p>Eine Serie von Pannen und peinlichen Enth\u00fcllungen hat in den Wochen von Johnsons Abwesenheit offengelegt, wie kopf- und hilflos diese Regierung den Kampf gegen die Pandemie bisweilen f\u00fchrt. Seit die offizielle Zahl der Covid-19-Toten am Samstag auf 20.319 stieg, mehr als dreimal so viel wie in Deutschland, redet keiner mehr davon, dass es ein &quot;gutes Ergebnis&quot; w\u00e4re, sollte das Vereinigte K\u00f6nigreich unter der 20.000er-Marke bleiben.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens Ende April, so hatte es die Regierung versprochen, sollen pro Tag 100.000 Menschen auf das Virus getestet werden, aber drei Tage vor Ablauf der Frist ist gerade mal ein Drittel dieser Zahl erreicht.<\/p>\n<p>Johnson pers\u00f6nlich steht massiv in der Kritik, seit bekannt wurde, dass er zu Beginn der Krise mehrere Sitzungen des nationalen Sicherheitskabinetts schw\u00e4nzte, um lieber Urlaub auf dem Land zu machen. Zudem enth\u00fcllte der &quot;Guardian&quot; soeben, dass Johnsons Chefstratege mehrfach an Sitzungen des wissenschaftlichen Beratergremiums der Regierung zu Covid-19 teilnahm. Was \u00fcberaus ungew\u00f6hnlich ist und die Frage aufwirft, ob der &quot;wissenschaftliche Rat&quot;, auf den die Regierung sich gebetsm\u00fchlenhaft beruft, wom\u00f6glich fr\u00fch im Sinn von Downing Street beeinflusst wurde.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr sein, warum sich die Regierung seit Wochen beharrlich weigert, die Mitglieder des Gremiums zu nennen. Johnson, der sp\u00e4t und widerwillig auf den Kurs umschwenkte, sein Land unter Lockdown zu stellen, sieht sich nun Forderungen gegen\u00fcber, Cummings zu feuern.<\/p>\n<h3>Ist der Brexit wichtiger als die Gesundheit?<\/h3>\n<p>Noch brisanter f\u00fcr die Regierung k\u00f6nnte jedoch eine Aff\u00e4re werden, die seit Wochen k\u00f6chelt und sich von Tag zu Tag mehr zum Politkrimi entwickelt. Sie betrifft vordergr\u00fcndig den eklatanten Mangel an Schutzkleidung und -ausr\u00fcstung f\u00fcr medizinisches Personal, mit dem sich auch die meisten anderen europ\u00e4ischen L\u00e4nder herumschlagen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Im Fall von Gro\u00dfbritannien aber kommt etwas hinzu: Der Verdacht steht im Raum, dass die Regierung den Notstand verschlimmert haben k\u00f6nnte, weil ihr der Brexit wichtiger war als der Schutz von \u00c4rzten und Krankenpflegern. Die britische \u00c4rztevereinigung hat bereits eine \u00f6ffentliche Untersuchung der Vorf\u00e4lle verlangt.<\/p>\n<p>Die Aff\u00e4re dreht sich um die Frage, warum London es \u00fcber viele Wochen vers\u00e4umte, sich an einem Gemeinschaftsprojekt der EU zur Beschaffung medizinischer Schutzausr\u00fcstung zu beteiligen. Das Health Security Committee der EU-Kommission beschloss und organisierte seit Ende Januar in etlichen Sitzungen den Gro\u00dfeinkauf von Atemschutzmasken, wasserfesten Kitteln und anderem Equipment f\u00fcr die Krankenh\u00e4user des Kontinents.<\/p>\n<p>Da Gro\u00dfbritannien noch mindestens bis Ablauf der Brexit-\u00dcbergangsperiode Ende Dezember faktisch EU-Mitglied ist, nahmen britische Offizielle dem Vernehmen nach auch an mehreren dieser Sitzungen teil. Sie waren ausdr\u00fccklich eingeladen, sich an dem Projekt zu beteiligen. Auch sonst, hei\u00dft es in der EU-Kommission, habe man London &quot;reichlich Gelegenheiten&quot; gegeben mitzuziehen, warum das nicht geschehen sei, &quot;k\u00f6nnen wir nicht kommentieren&quot;.<\/p>\n<h3>Widerspr\u00fcchliche Ausreden<\/h3>\n<p>Sprecher von Johnsons Regierung kommentierten Fragen dazu dagegen mehrfach \u2013 und vollkommen widerspr\u00fcchlich. Mitte M\u00e4rz verlautete aus Downing Street, man sei nicht mehr Teil der EU und k\u00f6nne die Beschaffung daher auch allein erledigen. Kurz darauf hie\u00df es, Mails aus Br\u00fcssel mit dem Angebot zur Teilnahme seien an eine veraltete Adresse geschickt worden; dann wiederum, sie seien angekommen, aber nicht an die Zust\u00e4ndigen weitergeleitet worden.<\/p>\n<p>Am Dienstag vergangener Woche schlie\u00dflich sprach Simon McDonald, Topdiplomat des Au\u00dfenministeriums, vor einem Parlamentsgremium davon, es sei doch eine &quot;politische Entscheidung&quot; gewesen, sich nicht an der EU-Gemeinschaftsanstrengung zu beteiligen. Seltsam jedoch: Knapp zwei Stunden nach der Sitzung lie\u00df McDonald die Parlamentarier per Mail wissen, das sei ein &quot;Missverst\u00e4ndnis&quot; gewesen, von einer politischen Entscheidung k\u00f6nne keine Rede sein. Inzwischen, Wochen nach dem Start, ist Gro\u00dfbritannien der EU-Initiative beigetreten.<\/p>\n<p>Wieso hat das so lange gedauert? Die Frage hat tats\u00e4chlich existenzielle Bedeutung. Denn inzwischen sollen mehr als 100 \u00c4rzte und Krankenpfleger an Sars-CoV-19 gestorben sein \u2013 wom\u00f6glich auch deshalb, weil sie dem Virus schutzlos ausgeliefert waren. Aus Kliniken in ganz Gro\u00dfbritannien h\u00e4ufen sich Berichte \u00fcber NHS-Bedienstete, die sich als &quot;Kanonenfutter&quot; verheizt f\u00fchlen und bisweilen aus Schnorchelausr\u00fcstung oder M\u00fcllt\u00fcten selbst Schutzkleidung basteln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Boris Johnson \u00fcbernimmt wieder die Amtsgesch\u00e4fte. Wom\u00f6glich gerade noch zur rechten Zeit. Der \u00c4rger der Briten \u00fcber den Schlingerkurs ihrer Regierung wird von Tag zu Tag gr\u00f6\u00dfer. 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