{"id":205057,"date":"2020-04-27T14:32:17","date_gmt":"2020-04-27T14:32:17","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-in-washington-der-tod-vor-donald-trumps-haustur\/"},"modified":"2020-04-27T14:32:17","modified_gmt":"2020-04-27T14:32:17","slug":"corona-in-washington-der-tod-vor-donald-trumps-haustur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-in-washington-der-tod-vor-donald-trumps-haustur\/","title":{"rendered":"Corona in Washington: Der Tod vor Donald Trumps Haust\u00fcr"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Die Coronakrise hat die USA weiter fest im Griff. In der Hauptstadt Washington l\u00e4sst sich im Detail studieren, wie das Virus vor allem die schwarze Bev\u00f6lkerung trifft.  <\/p>\n<p>Jeden Tag das gleiche Ritual: US-Pr\u00e4sident Donald Trump h\u00e4lt im Wei\u00dfen Haus seine Pressekonferenzen zur Coronakrise. Er versucht, Optimismus zu verbreiten: &quot;Es gibt Licht am Ende des Tunnels&quot;, sagt er zum Beispiel. Dabei steigt die Zahl der Infektionen in Teilen des Landes weiter an.<\/p>\n<p>Wenn der Pr\u00e4sident herausfinden wollte, wie es wirklich zugeht in der Krise, br\u00e4uchte er sich nur ins Auto zu setzen und \u00fcber den Anacostia River auf die andere Seite der Stadt zu fahren, nach Southeast Washington.<\/p>\n<p>Wenige Meilen vom Wei\u00dfen Haus entfernt steht dort ein gigantischer Klotz aus Glas, das United Medical Center. Es ist Washingtons Armenkrankenhaus und das Epizentrum der Coronakrise in der amerikanischen Hauptstadt.<\/p>\n<p>Die Szenerie vor der Klinik erinnert an einen Science-Fiction-Film. Auf einem Parkplatz k\u00f6nnen sich die Menschen aus den \u00e4rmeren Vierteln auf das Virus testen lassen. Soldaten der Nationalgarde in Tarnanz\u00fcgen und mit kugelsicheren Westen bewachen die Einfahrt, im hinteren Teil des Gel\u00e4ndes stehen mehrere gepanzerte Humvee-Milit\u00e4rtransporter, die die US-Armee \u00fcblicherweise in Kriegsgebieten wie Afghanistan oder dem Irak einsetzt. Sie sollen hier offenkundig f\u00fcr Ordnung sorgen und ein m\u00f6gliches Chaos verhindern. Die Menschen kommen in Autos oder zu Fu\u00df, um sich testen zu lassen. Die schweren F\u00e4lle werden sofort in die Klinik eingewiesen.<\/p>\n<h3>Eine geteilte Stadt<\/h3>\n<p>Bislang war die Hauptstadt noch nicht besonders stark betroffen, doch w\u00e4hrend manche andere Regionen in den USA den H\u00f6hepunkt der Krise wohl bereits \u00fcberschritten haben, steigt die Zahl der Neuinfektionen in Washington weiter kontinuierlich an, der H\u00f6hepunkt wird von Experten im Juni erwartet.<\/p>\n<p>Washington war schon immer eine Stadt, in der Amerikas Gegens\u00e4tze besonders sichtbar werden: Arme, Reiche, Wei\u00dfe, Schwarze leben hier in klar getrennten Wohnvierteln - und in unterschiedlichen Welten. In der Coronakrise wird dieser Kontrast auf drastische Weise erneut offengelegt. In Washington l\u00e4sst sich wie unter einem Mikroskop studieren, auf welche Weise das Virus in Teilen der USA vor allem \u00e4rmere, schwarze Menschen trifft, w\u00e4hrend wohlhabende Wei\u00dfe oft glimpflich davonzukommen scheinen.<\/p>\n<p>Insgesamt gibt es in der Hauptstadtregion, zu der auch Teile von Maryland und Virginia geh\u00f6ren, aktuell gut 35.000 Infizierte. In der Stadt Washington direkt sind es nun etwas \u00fcber 3500 Infizierte, mehr als die H\u00e4lfte davon sind schwarz. Von den 153 Toten, die bis Ende vergangener Woche in der 700.000-Einwohner-Stadt zu beklagen waren, waren gut 80 Prozent Afroamerikaner oder Afroamerikanerinnen. \u00c4hnliche Trends mit weit gr\u00f6\u00dferen Zahlen waren in den vergangenen Wochen bereits in anderen US-St\u00e4dten wie Chicago oder Detroit zu beobachten.<\/p>\n<p>In den Washingtoner Stadtvierteln in Southeast, im Umkreis des United Medical Center, gibt es fast doppelt so viele Infektionen wie in den besseren nordwestlichen Stadtteilen. Bei der Todesrate ist der Kontrast noch auff\u00e4lliger: Im sogenannten Ward 8 im S\u00fcdosten der Stadt starben bis Ende vergangener Woche 33 Menschen. Im Ward 2 sind bisher erst vier Menschen gestorben. In diesem besseren Stadtteil liegen das Wei\u00dfe Haus und das noble Georgetown, hier haben Prominente wie Trump-Tochter Ivanka oder Amazon-Boss Jeff Bezos ihre Residenzen.<\/p>\n<p>Die Ursachen f\u00fcr die ungleiche Verteilung sind vielf\u00e4ltig. Nach Ansicht von Washingtons B\u00fcrgermeisterin Muriel Bowser, einer Demokratin, zeigt diese Krise einmal mehr auf, mit welchen gesundheitlichen und sozialen Problemen viele Afroamerikaner infolge von jahrzehntelanger Benachteiligung in der Gesellschaft nach wie vor zu k\u00e4mpfen h\u00e4tten. &quot;Rassismus und die Sklaverei&quot; seien Wurzeln dieser Ungleichheiten, so Bowser.<\/p>\n<h3>Die Wei\u00dfen sitzen im Homeoffice<\/h3>\n<p>Corona-Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes sind bei Afroamerikanern besonders h\u00e4ufig vertreten. Hinzu kommt, dass viele Schwarze jetzt in der Krise weiterhin zur Arbeit gehen m\u00fcssen, weil ihre Existenz davon abh\u00e4ngt und weil sie zum Beispiel in den ge\u00f6ffneten Superm\u00e4rkten arbeiten. W\u00e4hrend die wei\u00dfe Mittel- und Oberschicht in den Vororten der Hauptstadt im Homeoffice sitzt, halten die Schwarzen die Grundversorgung der Stadt am Laufen - und stecken sich dabei an.<\/p>\n<p>Eine schlechtere Gesundheitsversorgung in mehrheitlich schwarzen Stadtteilen tut das \u00dcbrige. Der Kontrast k\u00f6nnte hier kaum gr\u00f6\u00dfer sein: Die zahlreichen Krankenh\u00e4user im wohlhabenden Westen der Stadt, wie das Sibley Memorial Hospital oder die Klinik der Georgetown-Universit\u00e4t, genie\u00dfen einen tadellosen Ruf, hier wurden schon Pr\u00e4sidenten behandelt.<\/p>\n<p>Das United Medical Center ist dagegen das einzige Klinikum im Osten der Stadt jenseits des Anacostia River. Seit Jahren ger\u00e4t die Klinik wegen Verst\u00f6\u00dfen gegen Hygieneregeln oder sonstige beh\u00f6rdliche Auflagen in die Schlagzeilen. Zwischenzeitlich war auch die Schlie\u00dfung im Gespr\u00e4ch, diese wurde bislang verhindert, weil es in den \u00e4rmeren Stadtteilen sonst wom\u00f6glich gar kein Krankenhaus mehr geben w\u00fcrde.<\/p>\n<h3>Angst vor dem Kollaps der Wirtschaft<\/h3>\n<p>Der Riss, der in dieser Krise durch die Stadt geht, entspricht auch den sonst \u00fcblichen Ungleichheiten. Zwischen dem Westen der Stadt und dem S\u00fcdosten herrscht in fast jeder Disziplin ein gro\u00dfes Gef\u00e4lle. W\u00e4hrend im Westen (Ward 2 und 3) das durchschnittliche Haushaltseinkommen bei \u00fcber 100.000 Dollar liegt, sind es im Ward 8 im Osten nur etwa 30.000 Dollar. Im Osten sterben Jahr f\u00fcr Jahr mehr Menschen durch Schusswaffen, es gibt insgesamt eine h\u00f6here Kriminalit\u00e4tsrate, und die Bildungschancen sind schlechter.<\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Krise, die der Pandemie folgt, d\u00fcrfte diese sozialen Ungleichgewichte erneut vertiefen. Das w\u00e4re doppelt bitter. Denn eigentlich hat sich die Hauptstadt gerade erst einigerma\u00dfen von den Folgen der Finanzkrise 2008 erholt. Die Stadtverwaltung konnte unter B\u00fcrgermeisterin Bowser einige soziale Verbesserungen durchsetzen, viel Geld wurde zum Beispiel in Schulen investiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Coronakrise hat die USA weiter fest im Griff. In der Hauptstadt Washington l\u00e4sst sich im Detail studieren, wie das Virus vor allem die schwarze Bev\u00f6lkerung trifft. 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