{"id":205028,"date":"2020-04-27T09:51:55","date_gmt":"2020-04-27T09:51:55","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-in-russland-wladimir-putins-letzte-reserven-studenten\/"},"modified":"2020-04-27T09:51:55","modified_gmt":"2020-04-27T09:51:55","slug":"corona-in-russland-wladimir-putins-letzte-reserven-studenten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-in-russland-wladimir-putins-letzte-reserven-studenten\/","title":{"rendered":"Corona in Russland: Wladimir Putins letzte Reserven &#8212; Studenten"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Pr\u00e4sident Putin hat das russische Gesundheitswesen zusammengek\u00fcrzt. Das r\u00e4cht sich in der Coronakrise: Es fehlen \u00c4rzte und Pfleger. In den Krankenh\u00e4usern springen Studenten ein.  <\/p>\n<p>Die Patienten husten, fiebern, die meisten sind bereits positiv auf Covid-19 getestet worden. Manche brauchen sofort \u00e4rztliche Hilfe, wenn die Atemnot gro\u00df ist. Dann hilft Nikita Skitschko dem Arzt, sie an das Sauerstoffger\u00e4t zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Skitschko ist 22 Jahre alt, studiert Zahnmedizin im f\u00fcnften Jahr. Mehrmals die Woche ist er jetzt auf einer Aufnahmestation eines Moskauer Krankenhauses im Corona-Einsatz - freiwillig, wie Tausende Medizinstudentinnen und -studenten im Land. Hunderte helfen allein in Moskau in den Kliniken.<\/p>\n<p>Die Zahl der Coronakranken w\u00e4chst weiter, liegt bei offiziell rund 86.000, die Dunkelzimmer d\u00fcrfte um einiges h\u00f6her sein. In Russland gibt es inzwischen mehr aktive Krankheitsf\u00e4lle als in Deutschland. In der Hauptstadt, dem Hotspot mit \u00fcber der H\u00e4lfte aller Infizierten, stieg die Zahl zuletzt etwas langsamer. Allerdings meldeten die Krankenh\u00e4user mehr Covid-19-Patienten: Waren es vergangene Woche noch 1300 Menschen durchschnittlich am Tag, sprachen die Beh\u00f6rden Ende dieser Woche von schon 2000.<\/p>\n<p>Skitschko, Student an der Universit\u00e4t der V\u00f6lkerfreundschaft Russlands, unterst\u00fctzt \u00c4rzte und Schwestern in der Kommunarka, jenem neuen Vorzeigekrankenhaus im S\u00fcdwesten von Moskau, spezialisiert auf Corona-Kranke. Wladimir Putin besuchte dort im gelben Schutzanzug Infizierte.<\/p>\n<p>Kurz danach meldete sich der Pr\u00e4sident erstmals Ende M\u00e4rz zu Corona zu Wort, von einer Epidemie wollte man da im Kreml noch nichts wissen. Dabei stiegen die Fallzahlen stark an, es war klar, dass Betten und medizinisches Personal in Russland nicht ausreichen w\u00fcrden. Schon damals forderte Putin die Beh\u00f6rden dazu auf, auch Medizinstudenten bei der Behandlung von Patienten einzusetzen.<\/p>\n<h3>Hunderttausende Stellen gek\u00fcrzt<\/h3>\n<p>Putin, der nicht von der Macht l\u00e4sst und der sich den Russinnen und Russen als der einzig wahre Stabilit\u00e4tsgarant zu verkaufen versucht, betonte zuletzt zu Ostern in einer Video-Ansprache vor dem Kamin: &quot;Die Situation ist unter vollst\u00e4ndiger Kontrolle.&quot;<\/p>\n<p>Doch ist sie das? In Moskau fehlt in den Corona-Krankenh\u00e4usern \u00fcberall Personal. Premier Michail Mischustin will nun auf Bitten von B\u00fcrgermeister Sergej Sobjanin per Erlass Medizin-Studierende des vierten und f\u00fcnften Studienjahres zum Arbeitseinsatz in die Kliniken schicken. Dort sollen sie in der Praxis erfahren, &quot;was echte Medizin ist&quot;, wie es Sobjanin ausdr\u00fcckte, Putins Corona-Krisenmanager.<\/p>\n<p>Putin wirkt in diesen Wochen seltsam entr\u00fcckt und z\u00f6gerlich. Was auch damit zusammenh\u00e4ngen d\u00fcrfte, dass das Coronavirus allzu deutlich offenlegt, was unter seiner F\u00fchrung vom Gesundheitssystem \u00fcbrig geblieben ist. &quot;Es wurde mehr oder weniger zerst\u00f6rt&quot;, sagt Semjon Galperin, der Vorsitzende der &quot;Liga zum Schutz der \u00c4rzte&quot;.<\/p>\n<h3>Am Limit<\/h3>\n<p>Seit 2012 lie\u00df Putin das Gesundheitswesen einer sogenannten Optimierung unterziehen. Ziel war es, das aus Sowjetzeiten vererbte System zu modernisieren. Milliarden Rubel flossen - doch verbessert hat sich wenig. Die Reformen fielen kaum effektiv aus, Korruption grassierte, die B\u00fcrokratie ist immens. Nun fehlen nicht nur Zehntausende Betten. Auch gibt es viel zu wenige Mediziner, Schwestern und Pfleger. Allein 6200 Stellen von Infektions\u00e4rzten fielen seit 2013 weg, Hunderttausende beim Pflegepersonal.<\/p>\n<p>Das System ist &quot;sehr anf\u00e4llig f\u00fcr solch einen starken Anstieg der Belastung&quot;, sagt Andrej Klepatsch, Chef\u00f6konom des WEB.RF, einer staatlichen Entwicklungsgesellschaft. &quot;Reserven gibt es nicht&quot;, sagt Galperin. Alle arbeiteten an der Belastungsgrenze. Bilder von Schlangen von Krankenwagen mit Patienten vor einem Moskauer Krankenhaus machten die Runde. &quot;Die F\u00fchrung mobilisiert jetzt jeden, der m\u00f6glich - auch Studenten.&quot;<\/p>\n<p>&quot;Die Krankenh\u00e4user brauchen uns. Ich kann in solch einer Situation nicht zu Hause sitzen&quot;, sagt Skitschko im f\u00fcnften Studienjahr, er meldete sich bei der Organisation Freiwillige-Mediziner. Seit mehr als drei Wochen ist er im Einsatz, macht neben dem Studium Schichten von sechs oder zw\u00f6lf Stunden. Nimmt Abstriche von Nasen und Rachen der Corona-Kranken, \u00fcberpr\u00fcft Herzfunktionen der Erkrankten.<\/p>\n<h3>&quot;Vor Ersch\u00f6pfung in Tr\u00e4nen ausgebrochen&quot;<\/h3>\n<p>Fast vier Wochen hilft Darja Zudina, Studentin im vierten Jahr an der Pirogowki-Universit\u00e4t, Krankenschwestern. Sie schlie\u00dft Infusionen an, versorgt Patienten mit Antibiotika und Malaria-Mittel, das gegen Covid19 eingesetzt wird. &quot;Als ich anfing, gab es viel zu wenig Personal, gerade einmal eine Krankenschwester f\u00fcr 20 Patienten.&quot;<\/p>\n<p>Die ersten beiden Wochen arbeitete sie praktisch durch, t\u00e4glich, zw\u00f6lf Stunden lang. Inzwischen legt sie Pausentage ein: &quot;Ich wurde m\u00fcde, habe verstanden, dass das noch lange mit Corona gehen wird und ich meine Kr\u00e4fte einteilen muss. Ich studiere ja auch noch.&quot; Manchmal bleibe einfach keine Zeit f\u00fcr Pausen: &quot;Du rennst und rennst&quot;, sagt Zudina: &quot;Es lohnt es sich oft nicht, die Schutzkleidung auszuziehen, um zu essen und wieder neue anzulegen.&quot;<\/p>\n<p>Meri Tschobanjan, 23 Jahre, unterst\u00fctzt \u00c4rzte und Schwestern im Filatowa Krankenhaus in Moskau. &quot;Du bist zw\u00f6lf Stunden auf den Beinen, kannst dich nicht mal hinsetzen&quot;, best\u00e4tigt die Studentin von der Ersten Moskauer Medizinischen Universit\u00e4t Setschenow. &quot;Nach der zweiten Schicht konnte ich einfach nicht mehr, bin vor Ersch\u00f6pfung in Tr\u00e4nen ausgebrochen. Die Schutzbrille hatte sich auf meinem Nasenr\u00fccken bis zum Knochen durchgedr\u00fcckt.&quot; Jeder Patient, der gesund entlassen werde, sei ein &quot;Sieg des ganzen Teams&quot;, sagt sie. Drei seien es im Schnitt immerhin pro Schicht, bei mehr als 60 Patienten auf der Station.<\/p>\n<h3>Einsatz in den roten Zonen<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend in den meisten Regionen Medizinstudenten nicht direkt mit Coronakranken arbeiten, werden sie in Krankenh\u00e4usern von Moskau, Sankt Petersburg und Krasnojarsk auch in den sogenannten roten Zonen eingesetzt.<\/p>\n<p>Allerdings war ihr Einsatz gesetzlich nicht geregelt, Anfang April verbot das Gesundheitsministerium pl\u00f6tzlich die Arbeit der Freiwilligen mit Covid-19-Patienten. Medizinstudenten mussten f\u00fcr einen Tag die Stationen verlassen - Kliniken intervenierten. Nun geben die Krankenh\u00e4user den Freiwilligen Vertr\u00e4ge, sie erhalten symbolische 700 Rubel, rund neun Euro, im Monat. &quot;Das wichtigste ist, dass die Studierenden jetzt wie alle Mitarbeiter abgesichert sind, falls sie etwa erkranken&quot;, sagt Daria Belimowa, Koordinator bei der Gruppe Freiwillige-Mediziner. Bisher sei das zum Gl\u00fcck nicht passiert.<\/p>\n<h3>Keine Tests<\/h3>\n<p>Schutzkleidung gebe es ausreichend, berichteten alle Freiwilligen. Mit sechs von ihnen sprach der SPIEGEL in Sankt Petersburg und Moskau ausf\u00fchrlich, die j\u00fcngste 18 Jahre alt. Die wenigsten wurden aber seit ihren Krankenhaus-Eins\u00e4tzen auf Corona getestet: gerade einmal eine Freiwillige.<\/p>\n<p>Dabei steigt die Zahl der infizierten Mediziner stark. &quot;Das Risiko ist gro\u00df&quot;, warnt Galperin von der &quot;Liga zum der Schutz der \u00c4rzte&quot;.<\/p>\n<p>Im Veteranenkrankenhaus Nummer 3 in Moskau erkrankten einem Medienbericht zufolge Dutzende Mitarbeiter. Ein Arzt ist gestorben. Nikoaj Zolotow, 22 Jahre von der Ersten Moskauer Medizinischen Universit\u00e4t Setschenow, arbeitet auch nachts in der Klinik, hilft \u00c4rzten und Pflegern ihre Schutzkleidung an- und auszuziehen. &quot;Ich bin allein, ein, zwei Freiwillige mehr, w\u00fcrden die Arbeit leichter machen.&quot; Angst, sich mit Covid-19 anzustecken, habe er nicht, sagt Zolotow, er sei ja noch jung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pr\u00e4sident Putin hat das russische Gesundheitswesen zusammengek\u00fcrzt. Das r\u00e4cht sich in der Coronakrise: Es fehlen \u00c4rzte und Pfleger. In den Krankenh\u00e4usern springen Studenten ein. 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