{"id":204868,"date":"2020-04-26T08:11:59","date_gmt":"2020-04-26T08:11:59","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-container-stau-an-europas-hafen-zu-befurchten\/"},"modified":"2020-04-26T08:11:59","modified_gmt":"2020-04-26T08:11:59","slug":"corona-container-stau-an-europas-hafen-zu-befurchten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-container-stau-an-europas-hafen-zu-befurchten\/","title":{"rendered":"Corona: Container-Stau an Europas H\u00e4fen zu bef\u00fcrchten"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Wochenlang durften Gesch\u00e4fte in Europa nicht \u00f6ffnen - entsprechend voll sind die Lager. Nun kommen auch noch riesige Bestellungen aus Asien an. Wohin mit dem ganzen Zeug?  <\/p>\n<p>Die Aufs und Abs der Weltwirtschaft bekommt der Hamburger Hafen meist mit rund sechs Wochen Verz\u00f6gerung zu sp\u00fcren. Denn so lange dauert es nach einer Bestellung in Fernost, die Waren dort zu produzieren, zu verpacken - und per Containerfrachter nach Europa zu schippern. In den vergangenen Wochen lief das Gesch\u00e4ft in Hamburg mau: Schuld waren die Nachwirkungen von Phase eins der Corona-Pandemie im Januar und Februar. Damals standen Teile Chinas unter Massenquarant\u00e4ne, waren unz\u00e4hlige Fabriken in der Volksrepublik dicht, legten entsprechend wenige Frachter gen Westen ab.<\/p>\n<p>Aber das Bild in Hamburg k\u00f6nnte sich rapide \u00e4ndern: Experten bef\u00fcrchten, dass sich schon bald Container in Europas gro\u00dfen H\u00e4fen t\u00fcrmen werden. <\/p>\n<p>&quot;In den n\u00e4chsten drei, vier Wochen wird eine Menge Fracht in Europa ankommen - und kaum jemand kann sie gebrauchen&quot;, sagte Lars Jensen, Chef des Kopenhagener Analysehauses Sea Intelligence, dem SPIEGEL. &quot;In den Terminals wird die Zahl der Container rapide steigen, die gar nicht abgeholt werden.&quot; Jensen, einst ein hoher Manager beim d\u00e4nischen Reederkonzern M\u00f8ller-M\u00e6rsk, arbeitet seit zwei Jahrzehnten in dieser Branche; er kennt die Mechanismen des Gesch\u00e4fts. Und diese k\u00f6nnten einen Container-Stau in Europas H\u00e4fen verursachen.<\/p>\n<p>Denn von Ende Februar bis Anfang M\u00e4rz gab es ein Intermezzo in der Coronakrise: In China legten viele Betriebe wieder los. Und ihre europ\u00e4ischen Abnehmer, etwa gro\u00dfe Textil- und Handelsh\u00e4user, orderten noch in gro\u00dfem Stil Ware. Bis wenig sp\u00e4ter ihr eigenes Gesch\u00e4ft lahmgelegt wurde: durch Phase zwei der Pandemie mit den Lockdowns in Deutschland, Italien, Frankreich und anderen Staaten.<\/p>\n<p>&quot;Jetzt kommen die Bestellungen von Ende Februar hier an - aber die Importeure haben noch massenhaft Ware in ihren Lagerh\u00e4usern, die sie in den letzten Wochen nicht verkauft haben&quot;, sagt Jensen. &quot;Wenn die Lager voll sind, was mache ich dann mit weiteren 50 Containern? Wohin bringe ich das Zeug?&quot; Der Anreiz sei gro\u00df, die Lieferung nicht sofort aus dem Hafen abzuholen.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Hamburger Terminalbetreiber HHLA h\u00e4lt eine kurzzeitige Container-Flut f\u00fcr m\u00f6glich - und bereitet sich vor. &quot;Um ihren Versorgungsauftrag [\u2026] zu erf\u00fcllen, wenn es zu Staus bei der Abholung von Containern im Hamburger Hafen kommen sollte, begutachtet die HHLA derzeit Fl\u00e4chen au\u00dferhalb ihrer Anlagen&quot;, schreibt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage des SPIEGEL. Man strebe einen schnellen Durchlauf der Container an, durch die Auswirkungen der Pandemie seien die weltweiten Lieferketten jedoch stark unter Druck geraten. &quot;Um zu vermeiden, dass die Auslastung unserer Lager auf den Terminals die Kapazit\u00e4tsgrenze \u00fcbersteigt und es zu kilometerlangen Lkw-Staus auf den Hafenstra\u00dfen kommt, erarbeiten wir vorsorglich ein Fl\u00e4chenkonzept.&quot;<\/p>\n<h3>Container, deren Inhalte keiner braucht<\/h3>\n<p>Parkpl\u00e4tze f\u00fcr Tausende Container in Hafenn\u00e4he zu finden, wird nicht einfach. Die Fl\u00e4che muss vermutlich gr\u00f6\u00dfer sein als ein Fu\u00dfballfeld sowie einen stabilen, festen Untergrund haben, auf dem die tonnenschweren Beh\u00e4lter nicht bei Regen im Schlamm absacken. Der Zugriff auf einzelne Container muss jederzeit m\u00f6glich sein - und der Ort gut erreichbar f\u00fcr die Lkw, die sie abholen sollen.<\/p>\n<p>Auch in den Zwischenlagern der Spediteure ist kaum noch Platz. &quot;Die Lagerkapazit\u00e4ten laufen bei vielen unserer Mitglieder am Anschlag, der Handel nutzt alle verf\u00fcgbaren Fl\u00e4chen f\u00fcr Ware, f\u00fcr die es keine Verwendung gibt&quot;, sagt Frank Huster, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Bundesverbands Spedition und Logistik. &quot;Erst bleiben die Warenstr\u00f6me aus Asien aus, jetzt kriegen wir zu viel&quot;, sagt Huster. &quot;Da kommen in den H\u00e4fen Container mit Inhalten an, von denen man wei\u00df, dass man sie nicht braucht.&quot; Entsprechend gering ist der Anreiz, sie abzuholen.<\/p>\n<p>Besonders gro\u00df ist der \u00dcberfluss offenbar bei Kleidung und Schuhen. &quot;Der textile Einzelhandel ist zusammengebrochen, auch online funktioniert er nicht gut&quot;, sagt Michael Reink, Bereichsleiter Standort und Verkehrspolitik beim Handelsverband Deutschland (HDE). &quot;Die Warenlager sind voll, die Gesch\u00e4fte sind voll.&quot; Um den Nachschub unterzubringen, sucht der HDE nun f\u00fcr seine Mitglieder nach Zwischenlagern in Industrieunternehmen.<\/p>\n<p>Doch Modeprodukte verlieren rasant an Wert. Die Ware wird schnell unverk\u00e4uflich, vor allem &quot;Fast Fashion&quot; hat mit seinem Gesch\u00e4ftsmodell der im Wochenrhythmus wechselnden Kollektionen ein Problem: Diese m\u00fcssen st\u00e4ndig massenhaft abverkauft werden, was im wochenlangen Lockdown nicht m\u00f6glich war. Die Folge: Klamottenstapel im Hafen, in den Spediteurshallen, in den Lagern und L\u00e4den der Marken.<\/p>\n<p>So weit wie am US-\u00d6lmarkt - wo Verk\u00e4ufer am vergangenen Montag mangels Lagerraum den K\u00e4ufern kurzzeitig sogar Geld daf\u00fcr zahlten, dass sie den \u00fcberfl\u00fcssigen Stoff abnahmen - wird es in der Textilbranche wohl nicht kommen. &quot;Es ist davon auszugehen, dass viele H\u00e4ndler Rabatte anbieten werden&quot;, sagt Reink vom HDE. Dass wahrscheinlich auch Ware im gro\u00dfen Stil vernichtet wird, sagt er nicht. Doch das war schon in den Zeiten vor Corona durchaus \u00fcblich. Wie hoch die Verluste sein werden, wie viele Betriebe aufgeben m\u00fcssen, wagt niemand vorherzusagen.<\/p>\n<p>Deutsche Modeh\u00e4ndler beteuern jedenfalls, das Problem der angestauten Waren zu l\u00f6sen. &quot;Wir vereinnahmen alle Textilien in unserem Lager und schaffen daf\u00fcr aktuell den notwendigen Platz&quot;, hei\u00dft es auf Anfrage etwa beim Textildiscounter Kik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wochenlang durften Gesch\u00e4fte in Europa nicht \u00f6ffnen - entsprechend voll sind die Lager. Nun kommen auch noch riesige Bestellungen aus Asien an. Wohin mit dem ganzen Zeug? 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