{"id":204515,"date":"2020-04-24T05:02:00","date_gmt":"2020-04-24T05:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-todesfalle-wie-viele-menschen-sind-wirklich-schon-an-covid-19-gestorben\/"},"modified":"2020-04-24T05:02:00","modified_gmt":"2020-04-24T05:02:00","slug":"corona-todesfalle-wie-viele-menschen-sind-wirklich-schon-an-covid-19-gestorben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-todesfalle-wie-viele-menschen-sind-wirklich-schon-an-covid-19-gestorben\/","title":{"rendered":"Corona-Todesf\u00e4lle: Wie viele Menschen sind wirklich schon an Covid-19 gestorben?"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Die offiziell erfasste Zahl der weltweiten Corona-Todesf\u00e4lle betr\u00e4gt rund 184.000. Statistische Auswertungen legen nun jedoch nahe, dass die tats\u00e4chliche Opferzahl deutlich h\u00f6her liegen k\u00f6nnte.  <\/p>\n<p>Die Corona-Statistiken fungieren derzeit als eine Art globales Fieberthermometer. Dass auch die offiziellen Todeszahlen nicht das vollst\u00e4ndige Ausma\u00df der Krise abbilden, verdeutlicht ein Blick in die besonders schwer betroffene Lombardei rund um Mailand:<\/p>\n<p>F\u00fcr die letzte Februarwoche und den gesamten M\u00e4rz hat die italienische Statistikbeh\u00f6rde Sterbedaten aus 622 Gemeinden ver\u00f6ffentlicht, auf die 72 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung der <strong>Lombardei <\/strong>entfallen. Laut der Statistik starben hier w\u00e4hrend sechs Wochen rund 21.300 Menschen -\u202fdas sind 13.000 Tote mehr, als in den vergangenen Jahren durchschnittlich im selben Zeitraum gemeldet wurden. Doch nur etwa die H\u00e4lfte dieser zus\u00e4tzlichen Todesf\u00e4lle ist durch die Zahl der offiziell erfassten Corona-Toten abgedeckt (im Diagramm dunkelrot). F\u00fcr die andere H\u00e4lfte (hellrot) bieten sich verschiedene Interpretationen an.  <\/p>\n<p>So k\u00f6nnten etwa w\u00e4hrend der Pandemie vermiedene Krankenhausbesuche, etwa bei Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Symptomen, f\u00fcr zus\u00e4tzliche Todesf\u00e4lle gesorgt haben. Gleichzeitig d\u00fcrfte der geringere Verkehr zu einer Verringerung der Unfalltoten gef\u00fchrt haben. Der gegen\u00fcber dem langj\u00e4hrigen Mittel enorme Anstieg der Todesf\u00e4lle legt eine weitere Schlussfolgerung nahe: Hinter der offiziellen Erfassung der Todesf\u00e4lle im Zusammenhang mit Covid-19-Erkrankungen verbirgt sich eine bedeutende Dunkelziffer. Die t\u00e4glich vermeldeten Zahlen der Gestorbenen zeichnen ein unvollst\u00e4ndiges Bild der Lage. <\/p>\n<p>In Italien werden nur Todesf\u00e4lle in der offiziellen Corona-Statistik erfasst, die in Krankenh\u00e4usern aufgetreten sind und bei denen auch ein positiver Test auf Covid-19 vorliegt. Fehlende Testkapazit\u00e4ten haben so auch Auswirkungen auf die Todeszahlen. Und Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen oder auch zu Hause sterben, finden keinen Eingang in die Statistik. <\/p>\n<p>Zur Absch\u00e4tzung der wahren Zahl der Pandemie-Toten bietet sich deshalb die Betrachtung der sogenannten <strong>\u00dcbersterblichkeit<\/strong> an. Der sperrige Begriff beschreibt eine zeitweise erh\u00f6hte Sterblichkeit, bei der die Zahl der Gestorbenen f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum \u00fcber der \u00fcblicherweise zu dieser Jahreszeit zu erwartenden Todeszahl liegt. Mit der \u00dcbersterblichkeit wird beispielsweise die Zahl der j\u00e4hrlichen Grippetoten gesch\u00e4tzt: Sterben w\u00e4hrend der Influenzasaison mehr Menschen als sonst, so gibt die Zahl der zus\u00e4tzlichen Todesf\u00e4lle Hinweise darauf, wie viele Menschen der Grippe erlegen sind.<\/p>\n<p>Am Diagramm f\u00fcr New York City l\u00e4sst sich sowohl der j\u00e4hrliche Anstieg der Todeszahlen zum Jahresanfang, als auch die abweichend hohe Sterblichkeit w\u00e4hrend der Grippesaison 2018 ablesen. Bereits erkennbar wird auch, welch extreme Sondersituation die Sterbezahlen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie darstellen. Verwendet wurde die \u00dcbersterblichkeit in der Vergangenheit beispielsweise auch zur Absch\u00e4tzung der Opferzahlen, nachdem der Hurrikan Maria 2017 \u00fcber Puerto Rico hinwegfegte. Die offizielle Opferzahl von zuerst 64 wurde so nachtr\u00e4glich auf etwa 3000 korrigiert. Und eines Tages wird man mit der \u00dcbersterblichkeit auch die finale Bilanz der Corona-Pandemie ziehen. <\/p>\n<p>Schon jetzt zeigt sich auch in weiteren L\u00e4ndern eine auff\u00e4llige \u00dcbersterblichkeit. In <strong>Spanien <\/strong>liegt die Zahl der Todesf\u00e4lle seit Mitte M\u00e4rz weit \u00fcber den statistisch zu erwartenden Werten. Sterben normalerweise landesweit zu dieser Zeit knapp \u00fcber eintausend Menschen t\u00e4glich, so waren es von Ende M\u00e4rz bis Anfang April 2020 durchgehend mehr als doppelt so viele. Rund zwei Drittel der \u00dcbersterblichkeit l\u00e4sst sich dabei durch die offiziell erfassten Covid-19-Todesf\u00e4lle erkl\u00e4ren. Die zus\u00e4tzlichen Abweichungen vom langj\u00e4hrigen Mittel legen nahe, dass circa 8000 weitere Todesf\u00e4lle im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen.<\/p>\n<p>Bei der landesweiten Betrachtung gilt es allerdings zu bedenken, dass die Pandemie je nach Region stark unterschiedlich gew\u00fctet hat. In immerhin sechs der 19 spanischen Regionen, allesamt K\u00fcsten- oder Inselregionen, betrug die \u00dcbersterblichkeit seit Mitte M\u00e4rz weniger als 25 Prozent. Am anderen Ende des Spektrums stehen vier Regionen mit einer um mindestens 100 Prozent erh\u00f6hten Sterblichkeit. Allen voran die Region Madrid, in der beinahe viermal so viele Menschen starben wie im selben Zeitraum eigentlich zu erwarten war, sowie das benachbarte Kastilien-La Mancha.<\/p>\n<p>New York gilt als einer der globalen Hotspots der Corona-Pandemie. Anfang April meldete die Stadt mehrere Tage in Folge \u00fcber 500 neue Todesf\u00e4lle. Der Blick auf die \u00dcbersterblichkeit relativiert dieses Bild allerdings etwas. Anders als in Italien oder Spanien ist die bislang erfasste \u00dcbersterblichkeit in New York City nahezu komplett durch die offizielle Corona-Statistik abgedeckt:<\/p>\n<p>Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung: In den USA wird anders gez\u00e4hlt. In die offizielle Statistik flie\u00dfen seit 14. April nicht nur positiv getestete Tote ein, sondern auch F\u00e4lle, bei denen eine Corona-Infektion als wahrscheinlich gilt. Die Beh\u00f6rden in New York City, wo die offizielle Statistik oft als unvollst\u00e4ndig kritisiert wurde, weil viele Infizierte auch zu Hause sterben, sind dazu bereits eine Woche fr\u00fcher \u00fcbergegangen.  <\/p>\n<p>Der &quot;Economist&quot; hat die Situation in weiteren L\u00e4ndern und Regionen untersucht.  <\/p>\n<p>Vergleicht man die offiziell erfassten Todesf\u00e4lle mit der \u00dcbersterblichkeit im selben Zeitraum, so ergibt sich, wie auch im obigen Beispiel, f\u00fcr New York City eine nahezu vollst\u00e4ndige \u00dcbereinstimmung. In Spanien und der Lombardei k\u00f6nnen 35 beziehungsweise 52 Prozent der \u00dcbersterblichkeit nicht durch die offiziellen Zahlen der Corona-Todesf\u00e4lle erkl\u00e4rt werden. Noch gr\u00f6\u00dfer sind die Abweichungen vor allem in Istanbul und Jakarta.<\/p>\n<p>Indonesien geh\u00f6rt zu den ersten Entwicklungsl\u00e4ndern aus denen Angaben zur \u00dcbersterblichkeit vorliegen. Genau betrachtet handelt es sich hier nicht um offizielle Sterbezahlen, sondern um die Zahl der Beerdigungen in der Hauptstadt <strong>Jakarta<\/strong>. Diese umfassen rund drei Viertel aller Sterbef\u00e4lle der Stadt und liegen relativ konstant bei monatlich knapp 3000. Dieses Jahr im M\u00e4rz stieg die Zahl auf 4400, woraus sich eine \u00dcbersterblichkeit von grob 1500 Personen ableiten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die offizielle Zahl der Corona-Todesf\u00e4lle hingegen lag in Indonesien im M\u00e4rz landesweit bei 84. Die Schwere der Corona-Pandemie wird durch die offizielle indonesische Statistik drastisch untererfasst. Erst die Betrachtung der \u00dcbersterblichkeit wird hier, wie auch in zahlreichen weiteren L\u00e4ndern, die \u00fcber geringe Testkapazit\u00e4ten und\/oder weniger verl\u00e4ssliche statistischen Erfassungsmethoden verf\u00fcgen, eine Einsch\u00e4tzung der Schwere der Pandemie erm\u00f6glichen.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die offiziell erfasste Zahl der weltweiten Corona-Todesf\u00e4lle betr\u00e4gt rund 184.000. Statistische Auswertungen legen nun jedoch nahe, dass die tats\u00e4chliche Opferzahl deutlich h\u00f6her liegen k\u00f6nnte. 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