{"id":204385,"date":"2020-04-23T11:11:58","date_gmt":"2020-04-23T11:11:58","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/giuseppe-conte-vor-dem-eu-gipfel-sein-name-bond-corona-bond\/"},"modified":"2020-04-23T11:11:58","modified_gmt":"2020-04-23T11:11:58","slug":"giuseppe-conte-vor-dem-eu-gipfel-sein-name-bond-corona-bond","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/giuseppe-conte-vor-dem-eu-gipfel-sein-name-bond-corona-bond\/","title":{"rendered":"Giuseppe Conte vor dem EU-Gipfel: Sein Name &#8212; Bond, Corona-Bond"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Die Zinsen f\u00fcr italienische Staatsanleihen steigen wieder, auch weil Ministerpr\u00e4sident Conte Teile des EU-Hilfspakets ablehnt, um andere Ziele zu erreichen. Vor dem EU-Gipfel steigt der Druck, Finanzm\u00e4rkte und EZB werden nerv\u00f6s.  <\/p>\n<p>Eigentlich h\u00e4tte das Pandemie-Notprogramm der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) alle Sorgen wegwischen sollen. Gerade f\u00fcnf Wochen ist es her, Italiens Gl\u00e4ubiger wurden immer nerv\u00f6ser, da z\u00fcckte Christine Lagarde die sogenannte Bazooka. &quot;Es gibt keine Grenzen f\u00fcr unseren Einsatz f\u00fcr den Euro&quot;, erkl\u00e4rte die EZB-Chefin nach einer n\u00e4chtlichen Krisensitzung. Gerade hatten die Notenbanker beschlossen, f\u00fcr 750 Milliarden Euro staatliche und Unternehmensanleihen aufzukaufen, um eine neue Euro-Schuldenkrise im Keim zu ersticken.<\/p>\n<p>In den Tagen davor waren die sogenannten Spreads f\u00fcr italienische Staatsanleihen hochgeschossen - jene Zinsaufschl\u00e4ge, die Investoren daf\u00fcr verlangen, dass sie Schuldpapiere des hoch verschuldeten, von der Pandemie schwer getroffenen Landes kaufen - anstelle der als sicher geltenden Bundesanleihen aus Deutschland. Bis auf 2,91 Prozentpunkt war diese Risikopr\u00e4mie gestiegen.<\/p>\n<p>Nach Lagardes Ank\u00fcndigung beruhigte sich die Lage wieder. Aber mit dieser Ruhe scheint es mittlerweile, kurz vor dem EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs an diesem Donnerstag, wieder vorbei.<\/p>\n<p>Am Mittwoch kletterte der Italien-Spread schon wieder bis auf 2,71 Prozentpunkte. Die Spanien- und Portugal-Spreads erreichten sogar neue Coronakrisen-H\u00f6chstst\u00e4nde.<\/p>\n<p>Noch ist es l\u00e4ngst nicht so weit wie in den dunkelsten Tagen der Euro-Schuldenkrise im Jahr 2012, als der der Italien-Spread zeitweise bei \u00fcber 5,5 Prozent lag. Bei seiner j\u00fcngsten Anleiheemission wurde Italien seine Schuldenpapiere noch sehr gut los. Die Nachfrage lag um ein Vielfaches h\u00f6her als das Angebot.<\/p>\n<p>Doch der Trend ist zumindest gef\u00e4hrlich. Denn je h\u00f6her die Risikoaufschl\u00e4ge sind, desto teurer wird es mittelfristig f\u00fcr Staaten, Schulden aufzunehmen. Und wenn nicht einmal das neue 750-Milliarden-Programm der EZB reicht, um \u00c4ngste vor einer Neuauflage der Eurokrise zu zerstreuen, muss man sich fragen, was denn noch kommen soll. Und vor allem von wem.<\/p>\n<p>Die EU-Mitgliedstaaten scheinen derzeit zu zerstritten f\u00fcr den ganz gro\u00dfen Wurf. Beim Gipfel an diesem Donnerstag werden die Regierungschefs Italiens, Spaniens, Portugals und Frankreichs mal wieder Corona-Bonds fordern - also gemeinsame Anleihen aller Eurol\u00e4nder zur Bew\u00e4ltigung der Krise. Und die von Deutschland, \u00d6sterreich, Finnland und den Niederlanden werden sie mal wieder ablehnen. Sie wollen keine gemeinsame Haftung f\u00fcr Schulden.<\/p>\n<p>Die Nordeurop\u00e4er werden die S\u00fcdeurop\u00e4er auf das vor zwei Wochen vereinbarte Rettungspaket \u00fcber mehr als 500 Milliarden Euro verweisen: mit einem Kurzarbeiterprogramm der EU-Kommission, einem Garantiefonds der Europ\u00e4ischen Investitionsbank \u2013 und vor allem zus\u00e4tzliche Kreditlinien durch den Euro-Rettungsschirm ESM in H\u00f6he von 240 Milliarden Euro. Und die S\u00fcdeurop\u00e4er werden vortragen, warum ihnen das nicht gen\u00fcgt.<\/p>\n<p>Italiens Regierung meutert sogar gegen die Rettungsschirm-Hilfen. &quot;Italien braucht den ESM nicht&quot;, sagte Premierminister Giuseppe Conte am Mittwoch vergangener Woche. In einer Krisensitzung des Kabinetts soll die populistische F\u00fcnf-Sterne-Bewegung Medienberichten zufolge gedroht haben, die Koalition platzen zu lassen, falls Conte die angebotenen 39 Milliarden Euro aus Br\u00fcssel annehme.<\/p>\n<h3>Druck auf den Norden<\/h3>\n<p>Seit Contes Nein steigt der Italien-Spread wieder rapide. &quot;Italiens Regierung geht auf Krawallkurs&quot;, kritisiert J\u00f6rg Kr\u00e4mer, Chef\u00f6konom der Commerzbank. Sie schlage die beschlossenen Hilfen aus, um stattdessen auf einen Freifahrtschein in Form von Corona-Bonds zu hoffen. &quot;Wenn Rom mit dieser Alles-oder-Nichts-Strategie einen neuen Konflikt entfacht, ist es doch klar, dass die Risikoaufschl\u00e4ge hochgehen.&quot; Dies habe Contes Regierung wom\u00f6glich sogar bewusst einkalkuliert, um den Druck auf die Corona-Bonds-Gegner zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Am Anleihemarkt sei Italien wieder &quot;ein gro\u00dfes Thema&quot;, berichtet ein Insider, der schon die Euro-Schuldenkrise mitgemacht hat. &quot;Wenn der Spread \u00fcber 2,5 Prozentpunkte steigt, werden viele Investoren nerv\u00f6s \u2013 und die EZB auch. Dass Italien so sehr darauf pocht, einen Teil seiner Neuschulden \u00fcber Corona-Bonds zu vergemeinschaften, spricht f\u00fcr sehr angespannte Staatsfinanzen.&quot;<\/p>\n<p>Schon vor der Coronakrise hatte das Land die zweith\u00f6chste Schuldenquote aller Eurostaaten - fast 135 Prozent der Wirtschaftsleistung. Bald k\u00f6nnten es 160, 170, 180 Prozent werden. Deswegen drohen Italien nun auch noch Herabstufungen durch die Ratingagenturen, die die Kreditw\u00fcrdigkeit von Staaten bewerten und entsprechende Noten vergeben, an denen sich Investoren orientieren k\u00f6nnen. Schw\u00e4chere Bonit\u00e4tsnoten k\u00f6nnten dazu f\u00fchren, dass Investoren ihre Schuldpapiere absto\u00dfen und der Spread weiter steigt. Die Agentur Moody&#039;s stuft Italiens Kreditw\u00fcrdigkeit nur noch eine Stufe \u00fcber &quot;Ramschniveau&quot; ein, bei S&amp;P und Fitch liegt die Bonit\u00e4tsnote geringf\u00fcgig h\u00f6her.<\/p>\n<h3>Die EZB in Bedr\u00e4ngnis<\/h3>\n<p>Auch f\u00fcr die EZB w\u00e4ren Downgrades ein Problem. Nach ihren eigenen Regeln m\u00fcsste die Notenbank Italiens Schuldpapiere von ihrem Anleihekaufprogramm ausschlie\u00dfen, sobald alle gro\u00dfen Ratingagenturen dem Land Ramschstatus attestieren. Dieses Szenario, so glauben sie bei der EZB, werde derzeit an den M\u00e4rkten gespielt \u2013 ein weiterer Grund, warum die Zinsen auf italienische Staatsanleihen steigen.<\/p>\n<p>Am Mittwochabend disktutierten die Notenbankchefs der Eurozone per Videoschalte, ob sie Italiens Staatsanleihen auch dann noch als Sicherheit akzeptieren werden, wenn das Rating des Landes auf Ramschstatus f\u00e4llt. Im Anschluss an ihre au\u00dferordentliche Sitzung gab die EZB dann gr\u00fcnes Licht f\u00fcr Italien: Sie wird k\u00fcnftig auch Schuldpapiere mit Ramsch-Charakter akzeptieren, die Gesch\u00e4ftsbanken bei ihr als Sicherheit hinterlegen, sobald sie sich Geld leihen wollen. Erst vor zwei Wochen hatte die EZB mitgeteilt, griechische Ramsch-Schulden zu akzeptieren. Nun gilt diese Regel, zun\u00e4chst befristet bis September 2021, auch f\u00fcr die Anleihen anderer Euro-Mitgliedstaaten - und ebenso f\u00fcr Unternehmensanleihen mit Ramschniveau. <\/p>\n<p>Gerade letzteres ist fast genauso bemerkenswert wie die Ausnahmegenehmigung f\u00fcr Staatsanleihen: Denn seit 2011, so die Schweizer Bank UBS, ist das Volumen europ\u00e4ischer Unternehmensanleihen, die gerade noch eine Stufe \u00fcber Ramsch bewertet werden, von 330 Milliarden Euro auf 1,14 Billionen Euro explodiert. Mit anderen Worten: W\u00fcrden diese Papiere von den Ratingagenturen auch nur eine Stufe schlechter bewertet, h\u00e4tte die EZB sie schon nicht mehr als Sicherheit akzeptieren k\u00f6nnen und viele Gesch\u00e4ftsbanken in Schwierigkeiten gebracht, die sich Geld bei der Notenbank leihen wollen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zinsen f\u00fcr italienische Staatsanleihen steigen wieder, auch weil Ministerpr\u00e4sident Conte Teile des EU-Hilfspakets ablehnt, um andere Ziele zu erreichen. 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