{"id":204151,"date":"2020-04-22T04:11:53","date_gmt":"2020-04-22T04:11:53","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/libyen-turkische-intervention-andert-kriegsverlauf\/"},"modified":"2020-04-22T04:11:53","modified_gmt":"2020-04-22T04:11:53","slug":"libyen-turkische-intervention-andert-kriegsverlauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/libyen-turkische-intervention-andert-kriegsverlauf\/","title":{"rendered":"Libyen: T\u00fcrkische Intervention \u00e4ndert Kriegsverlauf"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Die Truppen der Einheitsregierung sind mit t\u00fcrkischer Unterst\u00fctzung auf dem Vormarsch. General Haftar greift Tripolis deswegen um so heftiger an. Selbst in dem B\u00fcrgerkriegsland geht die Angst vor dem Coronavirus um.  <\/p>\n<p>Nachdem die Kampfger\u00e4usche verstummt und die Drohnen verschwunden waren, traute sich Mohamed Alalagi endlich aus seinem Haus in der libyschen K\u00fcstenstadt Sabratha. Mehr als zwei Wochen hatte er sich mit seiner Familie aus Angst vor dem Coronavirus eingeschlossen. Die Angst vor dem Virus war am vergangenen Mittwoch noch immer da, doch nun war die Freude gr\u00f6\u00dfer. Rund um den zentralen Kreisverkehr der f\u00fcr ihre r\u00f6mischen Ruinen bekannten Stadt jubelten mit ihm die Anh\u00e4nger der Einheitsregierung (GNA) aus Tripolis und die M\u00e4nner der bewaffneten Gruppen die f\u00fcr sie k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>&quot;In wenigen Stunden haben die K\u00e4mpfer aus Tripolis zusammen mit lokalen Gruppen Sabratha eingenommen, General Haftars Anh\u00e4nger lie\u00dfen alles stehen und liegen&quot;, sagt der 54-J\u00e4hrige, der fr\u00fcher hauptberuflich Touristengruppen begleitete. Wieder einmal hat die K\u00fcstenstadt die Befehlshaber gewechselt. Alle waren sie nach der Revolution von 2011 hier in Sabratha: Die Revolution\u00e4re, der IS, die GNA und mit ihr die Schmuggler, und zuletzt die Anh\u00e4nger des selbsternannten Feldmarschalls Haftar.<\/p>\n<p>Sabratha war ehemals der Hotspot des Menschenschmuggels. Unter Haftar kam das Gesch\u00e4ft hier zum Erliegen. Nach der Eroberung durch die Milizen der Einheitsregierung freuen sich zwar die Anh\u00e4nger von Ministerpr\u00e4sident Fayez Sarraj.<\/p>\n<p>Aber die Bewohner der Stadt bef\u00fcrchten, dass nun der Menschenschmuggel wieder aufbl\u00fchen wird. Wie so oft in Libyen scheint durch milit\u00e4rische Ver\u00e4nderung f\u00fcr die Menschen nichts gewonnen.<\/p>\n<h3>\u00dcberraschende Offensive<\/h3>\n<p>Der \u00dcberraschungsangriff kam selbst f\u00fcr Haftars Berater aus Russland, Frankreich und \u00c4gypten unerwartet. Innerhalb weniger Stunden hatten die Einheiten der libyschen Einheitsregierung in der vergangenen Woche vier westlibysche St\u00e4dte eingenommen.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst ist aus den vielen lokalen Konflikten in Afrikas \u00f6lreichstem Land ein weltweiter Stellvertreterkrieg geworden, an dem so viele Nationen beteiligt sind wie an keinem anderen Krieg derzeit.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfangelegte t\u00fcrkische Milit\u00e4rintervention in Libyen sorgt nun abermals daf\u00fcr, dass sich die Machtverh\u00e4ltnisse verschieben. Die Truppen der Einheitsregierung aus Tripolis, die mittlerweile haupts\u00e4chlich von der T\u00fcrkei unterst\u00fctzt werden, sind auf dem Vormarsch. Denn die T\u00fcrkei erh\u00f6ht ihr Engagement immer weiter.<\/p>\n<p>Seit Januar diesen Jahres verlegt die T\u00fcrkei syrische S\u00f6ldner nach Libyen. Bis zu 3000 sollen es mittlerweile sein. Seit Monaten werden Waffen und Munition in das Land gebracht. Am 30. M\u00e4rz wurde erstmals der Abschuss einer Rakete von einer t\u00fcrkischen Fregatte gefilmt.<\/p>\n<p>Die Verb\u00e4nde General Haftars, der immer noch weite Teile des Landes kontrolliert, sind auf dem R\u00fcckzug. Trotz Unterst\u00fctzung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Russland und \u00c4gypten. Und wohl zunehmend aus den USA.<\/p>\n<p>Die Betreiber der ItalMilRadar-Webseite registrierten am Mittwoch der vergangenen Woche erstmals den Direktflug einer Maschine der US-Luftwaffe aus den USA nach Bengasi, vor dessen Toren Haftars Kommandozentrum liegt. In den vergangenen Monaten waren immer wieder Fl\u00fcge von der US-Luftwaffenbasis in Ramstein nach Bengasi registriert worden.<\/p>\n<p>Noch am 26. M\u00e4rz war Haftar ein strategisch wichtiger Vorsto\u00df gelungen. Seine K\u00e4mpfer r\u00fcckten in drei St\u00e4dte an der tunesischen Grenze ein. Viele Libyer glaubten, dass Haftar nach gut einem Jahr Krieg um die libysche Hauptstadt Tripolis daraufhin zum finalen Sturmangriff auf die Stadt ansetzen w\u00fcrde. Doch stattdessen scheint nun sogar sein R\u00fcckzug Haftars m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Den Unterschied macht das t\u00fcrkische Milit\u00e4rger\u00e4t. Sarraj kann sich nach einem Abkommen mit dem t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Erdogan auf Korkut-Flugabwehrysteme und vor allem Bayraktar-TB2-Drohnen verlassen, die per Schiff von Izmir oder Mersin nach Tripolis geliefert werden.<\/p>\n<h3>Verb\u00fcndete werden Haftar nicht fallenlassen<\/h3>\n<p>Wie ernst die Lage f\u00fcr Haftar ist, zeigen zwei Fl\u00fcge russischer Milit\u00e4rmaschinen in das benachbarte Tunesien. Eigentlich sind die Flugh\u00e4fen von Djerba und Tunis wegen des auch in Tunesien grassierenden Coronavirus gesperrt. Doch die von der Webseite ItalMilRadar erfassten Iljuschin-Milit\u00e4rtransporter holten nach Einsch\u00e4tzung von Milit\u00e4rexperten S\u00f6ldner mit ihrer Ausr\u00fcstung ab, die in letzter Minute evakuiert wurden.<\/p>\n<p>Noch am Wochenende antworteten Haftars K\u00e4mpfer mit den schwersten Bombardements der s\u00fcdlichen Wohngebiete von Tripolis seit Beginn der Offensive am 4. April letzten Jahres.<\/p>\n<p>Es gilt als unwahrscheinlich, dass Haftars Unterst\u00fctzer ihn fallenlassen werden. Zu viel steht auf dem Spiel, als dass sie eine Niederlage des Feldmarschalls, der die wichtigsten \u00d6leinrichtungen des Landes kontrolliert, zulassen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>&quot;Haftar und seine Unterst\u00fctzer sind auf dem R\u00fcckzug&quot;, sagte Emadeddin Badi, ein Libyen-Experte und Mitarbeiter des Atlantic Council. Aber er sagt auch: &quot;Ich glaube nicht, dass sie ihn verlieren lassen werden.&quot;<\/p>\n<h3>Eskalation trifft auf Coronavirus<\/h3>\n<p>Die Eskalation der K\u00e4mpfe kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Denn das Coronavirus ist ebenfalls in Libyen angekommen. \u00c4hnlich wie im benachbarten Tunesien gelten in Bengasi und Tripolis Ausgangssperren. Aber die K\u00e4mpfe werden deswegen nicht weniger. Im Gegenteil. Das Leiden nimmt zu.<\/p>\n<p>Nach der Schlie\u00dfung der Grenzen sind die wenigen staatlichen Kliniken mit der Behandlung von Schwerkranken und Kriegsverwundeten schon jetzt \u00fcberfordert. Und die Menschen in Tripolis fragen sich, was schlimmer ist: Im Granathagel zu sterben oder durch Covid-19.<\/p>\n<p>&quot;Wir haben kaum noch Kapazit\u00e4ten f\u00fcr unsere Verwundeten&quot;, sagt Mansour Aborgba, der eine Feldklinik an der Front im S\u00fcden von Tripolis betreut. Und trotz des Krieges und der Pandemie bringen die Schlepper immer neue Menschen auf den Ladefl\u00e4chen von Pick-ups nach Misrata und Tripolis. &quot;Sollte das Virus in den Migrantenlagern ankommen, wird sich die Krankheit wie ein Lauffeuer ausbreiten. Dann werden viele Kliniken sich weigern, Kranke aufzunehmen, da Kriegsverletzte, das Klinikpersonal und chronisch Kranke wegen fehlender Schutzkleidung infiziert werden k\u00f6nnten.&quot;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Truppen der Einheitsregierung sind mit t\u00fcrkischer Unterst\u00fctzung auf dem Vormarsch. General Haftar greift Tripolis deswegen um so heftiger an. 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