{"id":204106,"date":"2020-04-21T22:22:24","date_gmt":"2020-04-21T22:22:24","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/oktoberfest-absage-wegen-corona-schon-vor-der-seuche-die-pest\/"},"modified":"2020-04-21T22:22:24","modified_gmt":"2020-04-21T22:22:24","slug":"oktoberfest-absage-wegen-corona-schon-vor-der-seuche-die-pest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/oktoberfest-absage-wegen-corona-schon-vor-der-seuche-die-pest\/","title":{"rendered":"Oktoberfest-Absage wegen Corona: Schon vor der Seuche die Pest"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Verstehen Sie mich nicht falsch: Nichts gegen eine frische Ma\u00df Bier und dazu eine resche Brezn, nichts gegen eine Fahrt mit dem Riesenrad, gebrannte Mandeln und ein Lebkuchenherz.<\/p>\n<p>Aber wenn es etwas gibt, auf das sich vor, w\u00e4hrend und nach Corona bestens verzichten l\u00e4sst, dann ist es das M\u00fcnchner Oktoberfest in seiner aktuellen Auspr\u00e4gung. Es war schon Jahre vor der Seuche nur noch die Pest.<\/p>\n<p>Denn vorbei mit der festlichen Gem\u00fctlichkeit war es schon l\u00e4ngst. Abscheulich die affige Mode, sich nur noch in sogenannter Tracht auf die Wiesn begeben zu k\u00f6nnen und damit vollkommen losgel\u00f6st von Tradition oder Geschmack als verkleidete Kurzzeitbajuwaren den Blick auf den Biertisch zu verstellen. Absto\u00dfend die hergelaufenen Geldschmei\u00dfer mit ihren boxenweise f\u00fcr internationale Vertragsopfer reservierten Bierzeltarealen, wo nach genau vorgeschriebenem Mindestverzehr und festgelegter Sitzzeit die G\u00e4ste von professionellen Rausschmei\u00dfern vor die T\u00fcr gekehrt werden.<\/p>\n<p>Jedes Jahr immer mehr Millionen Liter Bier f\u00fcr noch mehr Millionen Euro f\u00fcr immer neue Rekordbesucherzahlen. Sogar die als Zufluchtsort f\u00fcr einen ruhigeren Rausch suchende Biertrinker eingerichtete &quot;Alte Wiesn&quot; geriet im Lauf der vergangenen Jahre zur zunehmend unertr\u00e4glichen Druckkammer.<\/p>\n<p>Warum ist er dann hin, musste er doch nicht, der Depp, h\u00f6re ich die Kritik bereits, aber auch die kann mir gestohlen bleiben. Denn vor dem Oktoberfest war kein Entkommen. Der \u00f6ffentliche Personennahverkehr im gesamten M\u00fcnchner Gro\u00dfraum war zu Wiesnzeiten regelm\u00e4\u00dfig praktisch unbenutzbar, wollte man nicht bei der Hineinfahrt auf schlecht sitzende Discounter-Dirndl starren und bei der Hinausfahrt in die glasigen Augen der Besoffenen. Auf jedem Bahnsteig die st\u00e4ndige Gefahr, in den Auswurf eines allzu Gierigen zu treten oder, meist noch schlimmer, in ein Gespr\u00e4ch mit Alkoholisierten hineingezogen zu werden. Schlimm auch die Suffberichte aus dem Bekanntenkreis, die Ausfall- und Kopfschmerzgeschichten, die Schieberei mit Hendl- und Biergutscheinen.<\/p>\n<p>Nichts gegen einen angenehmen Rausch in der sp\u00e4tsommerlichen Nachmittagssonne, wirklich nicht. Aber das Oktoberfest war lange kein Rausch mehr, es war ein zunehmend absto\u00dfender Exzess. Wenn jetzt der Sprecher der Wiesnwirte sagt, bei der Absage gehe es &quot;keineswegs nur um die finanzielle Seite&quot;, sondern &quot;die Wiesn ist eine Herzensangelegenheit&quot;, dann kann man daraus eigentlich nur schlie\u00dfen, dass er ein Herz aus Geld besitzt. Denn w\u00e4re es anders, dann w\u00e4re die Wiesn schon lange vor der diesj\u00e4hrigen Absage nicht mehr als j\u00e4hrlich schneller drehende Gelddruckmaschine organisiert worden.<\/p>\n<p>Zu bedauern sind kleine Schausteller und prek\u00e4r Besch\u00e4ftigte, die sich durch die zweiw\u00f6chige Schwerstarbeit auf dem Oktoberfest das Jahreseinkommen reichlich aufbessern konnten - dieses Zusatzeinkommen ist dieses Jahr weg. Mein pers\u00f6nliches Mitleid mit preistreibenden Kartellwirten und Vermietern von mondpreisigen Oktoberfestunterk\u00fcnften h\u00e4lt sich allerdings in sehr engen Grenzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verstehen Sie mich nicht falsch: Nichts gegen eine frische Ma\u00df Bier und dazu eine resche Brezn, nichts gegen eine Fahrt mit dem Riesenrad, gebrannte Mandeln und ein Lebkuchenherz. 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