{"id":204071,"date":"2020-04-21T18:11:59","date_gmt":"2020-04-21T18:11:59","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/olpreis-erstmals-negativ-globaler-nervenkrieg\/"},"modified":"2020-04-21T18:11:59","modified_gmt":"2020-04-21T18:11:59","slug":"olpreis-erstmals-negativ-globaler-nervenkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/olpreis-erstmals-negativ-globaler-nervenkrieg\/","title":{"rendered":"\u00d6lpreis erstmals negativ: Globaler Nervenkrieg"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Der Preis f\u00fcr eine \u00d6lsorte ist erstmals unter null Dollar gefallen. Das ist spektakul\u00e4r - vor allem aber Ausdruck eines kurzfristigen Pokerspiels von H\u00e4ndlern und \u00d6lm\u00e4chten. Der wahre Schock kommt erst noch.  <\/p>\n<p>Minus 40 Dollar. Ein negativer Preis. Wer \u00d6l loswerden will, muss noch Geld drauflegen. Der Preis f\u00fcr ein Barrel Leicht\u00f6l der US-Sorte WTI, lieferbar im Mai, ist Montagnacht auf diesen spektakul\u00e4ren Tiefpunkt gefallen. Der Negativrekord war vor allem einer Spekulationsblase geschuldet: An diesem Dienstag l\u00e4uft die Frist f\u00fcr \u00d6llieferungen im Mai aus.<\/p>\n<p>Es ist der Punkt, an dem sich Papier\u00f6l in echtes \u00d6l verwandelt. H\u00e4ndler sind nach Ende der Frist verpflichtet, das \u00d6l, das sie auf dem Papier gebucht haben, auch wirklich anzunehmen. Angesichts der weltweiten Lockdowns stehen aber viele Autos, Flugzeuge und Fabriken still. Also wird viel weniger \u00d6l gebraucht als sonst. Das f\u00fchrte Montagnacht dazu, dass H\u00e4ndler versuchten, ihre \u00d6lkontrakte auf den letzten Dr\u00fccker loszuwerden. Was schlie\u00dflich den Preis auf sein absurdes Tief dr\u00fcckte. Derzeit notiert er noch immer bei minus vier Dollar.<\/p>\n<p>Der Preissturz bei den \u00d6lpapieren kommt nicht von ungef\u00e4hr. Er deutet auf einen Systemschock in der realen \u00d6lwelt hin, der sich grob in zwei Phasen einteilen l\u00e4sst. Momentan l\u00e4uft Phase eins, die man <em>mexican standoff<\/em> nennen kann: Eine Situation wie im Western, in der mehrere Cowboys ihre Colts an den Kopf eines anderen Kontrahenten halten - sodass letztlich alle verlieren w\u00fcrden, wenn einer abdr\u00fcckt.<\/p>\n<h3><strong>Der Durchhaltewettbewerb<\/strong><\/h3>\n<p>Am globalen \u00d6lmarkt ist die Lage momentan \u00e4hnlich. \u00d6lbosse m\u00fcssen zwar nicht um ihr physisches \u00dcberleben bangen, aber um ihre wirtschaftliche Existenz. Es herrscht ein globaler Nervenkrieg: Firmen f\u00f6rdern mehr \u00d6l als wirtschaftlich sinnvoll ist, in der Hoffnung, dass Konkurrenten zuerst die Produktion drosseln. Sie hoffen auf steigende Marktanteile. Oder zumindest darauf, dass sie l\u00e4nger an ihrer \u00d6lf\u00f6rderung etwas verdienen k\u00f6nnen als die Konkurrenz.<\/p>\n<p>Neben solch offensiven Motiven gibt es noch defensive Beweggr\u00fcnde, den eigenen \u00d6lhahn nicht zuzudrehen. &quot;Gerade bei \u00e4lteren \u00d6lfeldern kann der \u00d6lfluss nur mit viel Aufwand stabilisiert werden&quot;, sagt Steffen Bukold vom Hamburger Beratungsb\u00fcro EnergyComment. &quot;Es k\u00f6nnte sogar geschehen, dass man die F\u00f6rderung sp\u00e4ter \u00fcberhaupt nicht wieder zum Laufen bekommt, weil der Kontakt zum \u00d6lvorkommen unterbrochen ist und der Druck in der Lagerst\u00e4tte zu weit abf\u00e4llt.&quot;<\/p>\n<p>Laut Bukold gibt es auf der ganzen Welt \u00d6lfelder, die von diesem Problem betroffen sind. Dazu geh\u00f6ren auch \u00e4ltere Vorkommen in der Nordsee, in Russland oder in Mexiko. &quot;Unternehmen, die solche Felder betreiben, z\u00f6gern den Produktionsstopp m\u00f6glichst lange hinaus&quot;, sagt Bukold. &quot;Sie werden selbst dann noch eine Zeit lang f\u00f6rdern, wenn die Kosten h\u00f6her sind als die Erl\u00f6se.&quot;<\/p>\n<p>Die nordamerikanische Schiefer\u00f6lindustrie hat es da besser. Sie nutzt die sogenannte Fracking-Technologie, bei der \u00d6l unter anderem mit Quarzsand und Wasser unter Hochdruck aus dem Boden gepresst wird, unter anderem in den USA, in Kanada, in Brasilien oder im Kongo. Solche Unternehmen k\u00f6nnten den \u00d6lhahn wohl flexibler zu- und wieder aufdrehen. Theoretisch.<\/p>\n<p>Praktisch dr\u00fccken solche Firmen oft hohe Kreditlasten. Denn in der noch recht jungen Fracking-Branche bedeutet Wachstum oft Geschwindigkeit und wird auf Pump finanziert. Vielen Schiefer\u00f6lfirmen droht rasch die Pleite, wenn sie die F\u00f6rderung drosseln und Eink\u00fcnfte wegbrechen. Entsprechend hartn\u00e4ckig fracken sie weiter - trotz des gewaltigen \u00dcberangebots am Weltmarkt und wohl auch in der Hoffnung, bald Staatshilfe zu erhalten. US-Pr\u00e4sident Donald Trump k\u00fcndigte am Dienstag an, er werde die US-\u00d6lindustrie niemals im Stich lassen.<\/p>\n<h3>Die gro\u00dfe \u00d6lflut<\/h3>\n<p>Am 12. April wirkten Vertreter der \u00d6lindustrie f\u00fcr kurze Zeit optimistisch. Die globalen \u00d6lm\u00e4chte hatten sich auf eine weitreichende K\u00fcrzung der \u00d6lproduktion geeinigt. Das Opec-Kartell, Russland und US-Unternehmen versprachen, ihre Produktion um rund zehn Millionen Barrel pro Tag senken.<\/p>\n<p>Die Weltproduktion soll so um rund zehn Prozent gedrosselt werden. Es ist die gr\u00f6\u00dfte gemeinschaftlich vereinbarte F\u00f6rderk\u00fcrzung in der Geschichte der Branche. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie reicht selbst dieses rekordverd\u00e4chtige Man\u00f6ver nicht. Nach Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) wird der globale Verbrauch im April um 29 Millionen Fass pro Tag niedriger sein als im Vorjahr. Das ist fast dreimal so viel \u00d6l, wie die Opec wegk\u00fcrzen will.<\/p>\n<p>Vertreter der \u00d6lindustrie hoffen, dass die Nachfrage rasch wieder anzieht, wenn mehr und mehr Staaten ihre Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung des Coronavirus lockern und in der Folge die Weltwirtschaft wieder anspringt. Doch diese Hoffnung k\u00f6nnte sich als tr\u00fcgerisch erweisen.<\/p>\n<p>Denn das Virus breitet sich dank der Lockdowns vieler Staaten momentan zwar langsamer aus, verteilt sich daf\u00fcr aber immer gleichm\u00e4\u00dfiger an immer mehr Orten. Sobald die Kontaktverbote gelockert werden, droht es, in viel mehr Regionen gleichzeitig durchzuschlagen als bisher. Es k\u00f6nnte zu neuen, immer heftigeren Infektionswellen kommen, warnt der Virologe Christian Drosten.<\/p>\n<p>Mit Blick auf die Weltwirtschaft bedeutet das: Es d\u00fcrfte noch lange mindestens moderate Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung des Virus geben. Unternehmen und Staaten werden es wom\u00f6glich schaffen, sich allm\u00e4hlich besser auf den &quot;Tanz&quot; mit dem Virus einzustellen. Die Wirtschaft d\u00fcrfte trotzdem noch l\u00e4nger beeintr\u00e4chtigt sein - und die Nachfrage nach \u00d6l entsprechend niedriger bleiben. Ewig aber kann das <em>mexican standoff<\/em> der \u00d6lkonzerne nicht weitergehen. Denn:<\/p>\n<h3><strong>Die \u00d6lspeicher laufen voll<\/strong><\/h3>\n<p>Nach Sch\u00e4tzungen der IEA gibt es weltweit \u00d6lspeicher mit einer Kapazit\u00e4t von 6,8 Milliarden Barrel, wobei ein Barrel 159 Litern entspricht. 60 Prozent dieser Kapazit\u00e4ten sind inzwischen belegt, Tendenz stark steigend: Laut IEA sind wom\u00f6glich schon Mitte des Jahres alle verf\u00fcgbaren Speicher voll.<\/p>\n<p>Regional scheint das l\u00e4ngst der Fall zu sein. In S\u00fcdafrika, Angola, Nigeria, Brasilien sowie in der Karibik drohten die \u00d6llager schon in wenigen Tagen vollzulaufen, berichtet die &quot;New York Times&quot;.<\/p>\n<p>&quot;Manche Tanklager, etwa weit im Landesinneren, stehen dem Weltmarkt nur eingeschr\u00e4nkt zur Verf\u00fcgung&quot;, sagt Branchenexperte Bukold. &quot;Andere befinden sich technisch in einem schlechten Zustand oder k\u00f6nnen nur zum Teil genutzt werden.&quot; Hinzu komme, dass das \u00d6l ja erst einmal zu den Tanklagern transportiert werden m\u00fcsse. Die freie Kapazit\u00e4t auf Tankern aber werde ebenfalls schon knapp - zumal viele Tankschiffe bereits zu schwimmenden \u00d6llagern umfunktioniert worden seien.<\/p>\n<p>Nach und nach werden also immer mehr Firmen gezwungen sein, ihre Produktion doch zu drosseln. Dann beginnt die zweite Phase des Systemschocks: die Neuordnung des globalen \u00d6lmarkts.<\/p>\n<h3><strong>Die Stunde von Big Oil<\/strong><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Preis f\u00fcr eine \u00d6lsorte ist erstmals unter null Dollar gefallen. Das ist spektakul\u00e4r - vor allem aber Ausdruck eines kurzfristigen Pokerspiels von H\u00e4ndlern und \u00d6lm\u00e4chten. 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