{"id":203849,"date":"2020-04-20T10:02:01","date_gmt":"2020-04-20T10:02:01","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/wie-das-coronavirus-die-arbeit-von-hilfsorganisationen-bedroht\/"},"modified":"2020-04-20T10:02:01","modified_gmt":"2020-04-20T10:02:01","slug":"wie-das-coronavirus-die-arbeit-von-hilfsorganisationen-bedroht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/wie-das-coronavirus-die-arbeit-von-hilfsorganisationen-bedroht\/","title":{"rendered":"Wie das Coronavirus die Arbeit von Hilfsorganisationen bedroht"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Durch Reiseverbote und Quarant\u00e4nema\u00dfnahmen ist auch die Arbeit vieler Nichtregierungsorganisationen derzeit kaum m\u00f6glich. Dabei wird ihre Hilfe nun gebraucht wie nie zuvor.  <\/p>\n<p>Die Coronakrise ist nicht die einzige, mit der die Welt zu k\u00e4mpfen hat. Sie ist nicht einmal die schlimmste Krise, zumindest was die direkte Bedrohung der Menschen in vielen L\u00e4ndern weltweit betrifft. Mehr als das Virus f\u00fcrchten viele Menschen, dass sie an Hunger und Unterversorgung sterben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Auf einigen Kontinenten ist das bereits eine ernst zu nehmende Gefahr. Soziale Distanz ist vielerorts nicht m\u00f6glich. Viele Menschen leben von der Hand in den Mund. Gehen sie nicht zur Arbeit, verdienen sie auch kein Geld \u2013 und k\u00f6nnen sich keine Nahrung kaufen.<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung von Covid-19-Infektionen erschweren derzeit zudem auch die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die vor allem in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern versuchen, gefl\u00fcchteten, hungernden und kranken Menschen zu helfen.<\/p>\n<p>Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klagt derzeit \u00fcber Lieferengp\u00e4sse, und Mitarbeiter haben Schwierigkeiten, in afrikanische L\u00e4nder zu reisen. Auch das Fl\u00fcchtlingshilfswerk (UNHCR) und das Weltern\u00e4hrungsprogramm (WFP) suchen nach M\u00f6glichkeiten, den Reiserestriktionen und Mangel an Flugzeugen zum Trotz ihre Hilfsmitarbeiter und -g\u00fcter in Krisenherde zu transportieren. Viele weitere NGOs warnen vor Medikamenten- oder Lebensmittelknappheit.<\/p>\n<p>&quot;Die Ausbreitung des Coronavirus wird in vielen L\u00e4ndern weltweit, die heute im Fokus der humanit\u00e4ren Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit stehen, gravierende Auswirkungen haben&quot;, sagt Thomas Beckmann, Sprecher der Diakonie Katastrophenhilfe. &quot;Menschen in Fl\u00fcchtlingscamps, in den informellen Siedlungen der Megacitys oder in L\u00e4ndern mit unzureichender Gesundheitsversorgung sind den Folgen des Virus schutzlos ausgeliefert und ben\u00f6tigen dringend Unterst\u00fctzung.&quot;<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass viele internationale Mitarbeiter der NGOs ihre Einsatzl\u00e4nder im Zuge der Coronakrise verlassen mussten. Einige L\u00e4nder ben\u00f6tigen aber eher zus\u00e4tzliche Kapazit\u00e4ten, um gegen Fake News vorzugehen oder die n\u00f6tigste Versorgung ihrer Einwohner sicherzustellen. Au\u00dferdem ist ein weltweites Ringen um Masken und Desinfektionsmittel entstanden, mancherorts sollen bereits gekaufte und dringend ben\u00f6tigte Schutzmasken abgefangen worden sein, bevor sie ihr Zielland erreichten.<\/p>\n<p>&quot;Es ist ein sehr reales Risiko, dass nicht genug f\u00fcr die \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt \u00fcbrig bleiben wird&quot;, sagt Gayle Smith. Die Pr\u00e4sidentin von ONE - einer internationalen Bewegung, die sich &quot;f\u00fcr das Ende extremer Armut und vermeidbarer Krankheiten bis zum Jahr 2030 einsetzt&quot; - arbeitete unter anderem als entwicklungspolitische Beraterin f\u00fcr den ehemaligen US-Pr\u00e4sidenten Barack Obama und war Leiterin der US-Beh\u00f6rde f\u00fcr internationale Entwicklung.<\/p>\n<p>&quot;Diese Krise wird ohne Frage sehr teuer. Wir m\u00fcssen aber investieren, und zwar nicht nur in unsere Wirtschaft, sondern zus\u00e4tzlich in alle Menschen und L\u00e4nder. Denn wenn uns eine globale Pandemie eines lehrt, dann dass keiner von uns sicher ist, solange es all die anderen auf dem Planeten nicht auch sind&quot;, so Smith.<\/p>\n<p>Vor Ort erfordert der Einsatz von NGOs derzeit aufgrund von Nahrungsengp\u00e4ssen, Mitarbeitermangel, Einschr\u00e4nkungen des Bewegungsradius und Schulschlie\u00dfungen Kreativit\u00e4t. <strong>Hier erz\u00e4hlen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in Indien, Sambia, dem Irak und El Salvador, ob und wie sie in der Coronakrise noch arbeiten k\u00f6nnen:<\/strong><\/p>\n<h3>&quot;Bei der Polizei nahm niemand ab. Also mieteten wir selbst 25 Laster, um die Menschen in ihre D\u00f6rfer zu fahren&quot;<\/h3>\n<p><em>Ransingh Parmar arbeitet mit dem Mahatma Gandhi Seva Ashram zusammen, einer indischen Hilfsorganisation, die von der deutschen Welthungerhilfe finanziell unterst\u00fctzt wird. Parmar lebt in Gwalior in Madhya Pradesh, einem Bundesstaat in Zentralindien. Sein B\u00fcro liegt an einer Schnellstra\u00dfe Richtung Mumbai. Bis Delhi sind es mehr als 300 Kilometer. Rund 13.500 Corona-F\u00e4lle sind bisher im Land bekannt, mehr als 450 Menschen sind gestorben.<\/em><\/p>\n<p>&quot;Ich habe erst gar nicht verstanden, was vor sich geht. Die Regierung hatte Ende M\u00e4rz eine Ausgangssperre verk\u00fcndet und pl\u00f6tzlich waren da Tausende Menschen auf der Stra\u00dfe. Wanderarbeiter, die in den St\u00e4dten von einem Tag auf den anderen ihre Arbeit und damit ihr Einkommen verloren hatten, wollten zu Fu\u00df in ihre D\u00f6rfer zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Ich wurde Zeuge, wie M\u00e4nner und Frauen Tag und Nacht unterwegs waren. Sie hatten kein Wasser und nichts zu essen bei sich, sie trugen ihr Gep\u00e4ck auf dem Kopf und kleine Kinder auf dem Arm.<\/p>\n<p>Wir hatten bis auf vier, f\u00fcnf Leute all unsere Freiwilligen wegen der Ausgangssperre nach Hause geschickt, aber jetzt trommelten wir sie zusammen, damit sie Essen f\u00fcr die Menschen kochen. Bei der Polizei nahm niemand ab. Also mieteten wir selbst 25 Laster, um die Menschen in ihre D\u00f6rfer zu fahren. Wer krank wirkte, kam in Quarant\u00e4ne. Das war unsere erste Woche.<\/p>\n<p>Dann h\u00f6rten wir, dass die Polizei die innerstaatlichen Grenz\u00fcberg\u00e4nge blockiert. Es gibt hier einen Fluss, der drei Bundesstaaten voneinander teilt. Im Wasser leben Krokodile. Aber die Menschen wateten einfach hindurch, um den Kontrollen aus dem Weg zu gehen. <\/p>\n<p>Mittlerweile hat die Regierung versprochen, den Armen zu helfen. Sie sollen Geld auf ihre Konten erhalten, aber wer soll das Geld \u00fcberweisen? Die Bankmitarbeiter erscheinen nicht zur Arbeit, weil sie Angst haben. F\u00fcr uns geht es deshalb jetzt vor allem darum, sicherzustellen, dass die Hilfe die Menschen auch erreicht.<\/p>\n<p>Das ist eine Herausforderung. Unsere Mitarbeiter haben einen Passierschein, aber sonst soll niemand das Haus verlassen. Es ist Au\u00dfenstehenden auch verboten, die D\u00f6rfer zu betreten. Die Frage war: Wie sch\u00fctzen wir uns selbst und andere? Wir m\u00fcssen die kostenlosen Essensrationen am Ortseingang ablegen.<\/p>\n<p>Es gibt keine Masken zu kaufen, auch die Beh\u00f6rden haben keine. Wir mussten uns etwas einfallen lassen. Wir haben ein Projekt, in dem wir Frauen zu Schneiderinnen ausbilden. 50 von ihnen haben bislang 15.000 Masken hergestellt. 5000 haben wir den Beh\u00f6rden gegeben, die anderen Zehntausend sind f\u00fcr unsere Freiwilligen. Und wir haben jetzt schon Nachfragen f\u00fcr Tausende mehr.<\/p>\n<p>Es gibt viele Probleme. Jetzt ist die Zeit gekommen, f\u00fcreinander da zu sein. Nicht nur wir als Inder, sondern die ganze Welt.&quot;<\/p>\n<p><em>Protokoll: Laura H\u00f6flinger<\/em><\/p>\n<h3>&quot;Wir fahren mit Autos durch entlegenere Orte und sprechen \u00fcber ein Megafon. Es ist besser als nichts&quot;<\/h3>\n<p><em>Malama Mwila, 32, arbeitet seit zwei Jahren f\u00fcr Save the Children in <\/em><em>Sambia<\/em><em>. In dem Land im s\u00fcdlichen Afrika konzentriert sich die <\/em><em>internationale Hilfsorganisation seit 1983<\/em><em> darauf, Kindern den Zugang zu Bildung zu erm\u00f6glichen und sie mit Nahrung zu versorgen. Mehr als die H\u00e4lfte der 16 Millionen Einwohner ist j\u00fcnger als 18 Jahre und lebt in Armut. Vor allem auf dem Land. Wie in vielen afrikanischen L\u00e4ndern sind die Menschen hier auch durch <\/em><em>Vorerkrankungen<\/em><em> und mangelhafte medizinische Versorgung vom Coronavirus besonders bedroht.<\/em><\/p>\n<p><em>Mwila lebt in der Hauptstadt Lusaka. Normalerweise reist er f\u00fcr seine Arbeit in viele der l\u00e4ndlichen Regionen und betreut Menschen vor Ort. Derzeit organisiert er haupts\u00e4chlich Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen, die landesweit zu einer Eind\u00e4mmung des Virus beitragen sollen. Sambia hat bislang 48 registrierte Corona-F\u00e4lle. <\/em><\/p>\n<p>&quot;Ein Gro\u00dfteil meiner Arbeit besteht normalerweise darin, in pers\u00f6nlichem Kontakt mit Menschen zu sein. Ich besuche zum Beispiel Schulen, an denen wir Essen ausgeben. Dort rede ich viel mit den Kindern. Das ist wichtig, damit ich wei\u00df, was sie ben\u00f6tigen und wie es ihnen geht. Momentan ist das nicht m\u00f6glich, denn wir wollen ja eine Ausbreitung des Coronavirus verhindern.<\/p>\n<p>Manchmal fahren wir mit Autos durch entlegenere Orte, um auch dort \u00fcber Covid-19 aufzukl\u00e4ren und grundlegende Vorbeugungsma\u00dfnahmen wie H\u00e4ndewaschen und Abstandhalten zu vermitteln. Viele Menschen wissen noch gar nicht, was \u00fcberhaupt los ist. Wir steigen nicht aus dem Auto aus, sondern sprechen \u00fcber ein Megafon.<\/p>\n<p>Es ist besser als nichts, aber am besten w\u00e4re es nat\u00fcrlich, wir k\u00f6nnten direkt mit den Menschen reden. Gerade jetzt, wo es in vielen Haushalten auch zu mehr Gewalt und sexuellen \u00dcbergriffen gegen\u00fcber Kindern kommen wird. Sie schreiben uns ja keine SMS, wenn etwas passiert. Davon erfahren wir sonst im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Als eine der ersten Ma\u00dfnahmen hat die Regierung die Schulen und Universit\u00e4ten geschlossen. Das ist ein gro\u00dfes Problem. Zum einen, weil deshalb f\u00fcr viele der Unterricht entf\u00e4llt. Wir versuchen zwar, ihn mittels neuer Programme aufrechtzuerhalten, doch das stellt uns ebenfalls vor gro\u00dfe Herausforderungen. Online zu lernen ist f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Kinder keine Option. Sie haben keine eigenen Computer und von zu Hause auch nur selten Zugang zum Internet.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns in der NGO ist das auch schwierig. Momentan d\u00fcrfen nur zehn der sonst 40 Mitarbeiter in unserem B\u00fcro sein. Zu Hause aber haben wir oft Stromausfall von sieben Uhr fr\u00fch bis neun Uhr abends, da kann man keinen Laptop laden. Wir arbeiten nun mit Radio- und TV-Sendern zusammen, die Generatoren haben und Lernsendungen ausstrahlen k\u00f6nnen, um so wenigstens etwas Unterricht f\u00fcr alle zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Der andere Teil des Problems ist, dass die Kinder nun oft hungern. 4,2 Millionen Kinder gehen nicht mehr in die Schule, wo sie sonst jeden Tag eine Mahlzeit erhalten. Ihre Familien k\u00f6nnen diese wichtige Mahlzeit zu Hause meistens nicht ersetzen. Sie haben selbst nicht genug Nahrung. Wir geben derzeit Grundnahrungsmittel wie Bohnen und Mais, die sich noch in den Lagerr\u00e4umen der Schulen befinden, in Rationen an die Eltern aus.<\/p>\n<p>Das ist allerdings auch ein Risiko, weil wir so nicht sicherstellen k\u00f6nnen, dass die Kinder wirklich das Essen bekommen. Es wird vermutlich von allen im Haushalt gegessen und dann bleibt f\u00fcr sie kaum etwas \u00fcbrig. Aber was sollen wir machen? Wir haben keine Wahl.<\/p>\n<p>Langfristig werden wir noch viel mehr Lebensmittel brauchen, weil nun ja auch kaum noch jemand arbeiten kann und alles, was die Menschen zum \u00dcberleben ben\u00f6tigen, immer teurer wird. Ich habe gro\u00dfe Angst, dass wir nicht genug Ressourcen haben werden, um all die Menschen zu erreichen, die dringend unsere Hilfe ben\u00f6tigen.&quot;<\/p>\n<p><em>Protokoll: Anne Backhaus<\/em><\/p>\n<h3>&quot;Viele Patienten, die es dringend n\u00f6tig h\u00e4tten, k\u00f6nnen wir derzeit nicht sehen. Wir versuchen, per Telefon ihren Zustand einzusch\u00e4tzen&quot;<\/h3>\n<p><em>Dr. Htet Aung Kyi ist Arzt aus Myanmar, im irakischen Mossul koordiniert er die Eins\u00e4tze von M\u00e9decines sans fronti\u00e9res. Die Organisation leistet weltweit in Krisengebieten chirurgische Hilfe, bek\u00e4mpft Epidemien, f\u00fchrt Impfkampagnen durch, betreibt Ern\u00e4hrungszentren f\u00fcr Mangelern\u00e4hrte, k\u00fcmmert sich um Schwangere und Neugeborene.<\/em><\/p>\n<p><em>Die \u00c4rzte ohne Grenzen sind auch im schwer von Krieg gesch\u00e4digten Irak t\u00e4tig. Besonders Mossul, die Hochburg des &quot;Islamischen Staates&quot; war schwer umk\u00e4mpft. Zur\u00fcckgeblieben sind Ruinen und traumatisierte Menschen.<\/em><\/p>\n<p>&quot;Seit einem Monat herrscht im Irak ein strikter Lockdown mit Ausgangssperre. Man darf nur noch f\u00fcr das Allern\u00f6tigste auf die Stra\u00dfe gehen. In Mossul betreiben wir ein chirurgisches Center f\u00fcr Menschen mit Kriegsverletzungen. Wir versorgen Verletzungen an den Beinen und Armen. Wir bek\u00e4mpfen Entz\u00fcndungen. Normalerweise sehen wir 15 bis 20 Patienten am Tag. Die meisten k\u00f6nnen derzeit gar nicht zu uns gelangen, dabei h\u00e4tten einige es dringend n\u00f6tig. Wir versuchen jetzt per Telefon ihren Zustand einzusch\u00e4tzen. Wir fragen sie etwa, ob sie Fieber haben, Schmerzen oder Schwellungen. Einige mussten wir schon notfallm\u00e4\u00dfig einbestellen.<\/p>\n<p>Wir betreiben auch zwei Kliniken f\u00fcr Schwangere und Neugeborenen. Die Frauen kommen aus der Region. Unseren Zentren werden pro Monat bis zu 500 Babys geboren. Und allm\u00e4hlich wird das medizinische Material, Schutzanz\u00fcge, Masken, knapp. Wir haben Vorr\u00e4te, die noch ein- bis eineinhalb Monate reichen. Schon jetzt bem\u00fchen wir uns um Ersatz, das ist aber schwieriger geworden auf dem internationalen Markt. Dazu sind die Einfuhrbestimmungen in den Irak sehr kompliziert.<\/p>\n<p>Den H\u00f6hepunkt der Infektionswelle haben wir hier noch nicht erreicht. \u00c4rzte ohne Grenzen hilft jetzt der Stadt Bagdad, Krankenh\u00e4user auf die Krise vorzubereiten. Auch in unseren Zentren in Mossul k\u00f6nnen wir bis zu 70 Betten zur Verf\u00fcgung stellen. Die Zahlen steigen, wir m\u00fcssen mit dem Schlimmsten rechnen.&quot;  <\/p>\n<p><em>Protokoll: Jan Puhl<\/em><\/p>\n<h3>&quot;Mehrere unserer Teams waren in L\u00e4ndern wie Mexiko oder Guatemala unterwegs, als die Ausgangssperre in El Salvador begann \u2013 es war schwierig, sie zur\u00fcckzuholen&quot;<\/h3>\n<p><em>Celina de Sola, die Gr\u00fcnderin der NGO Glasswing International, bek\u00e4mpft mit Bildungs- und Gesundheitsprojekten in El Salvador und anderen lateinamerikanischen L\u00e4ndern seit 2007 Ursachen und Folgen von Armut und <\/em><em>Gewalt<\/em><em>. Mentorenprogramme an Schulen und Jobtraining sollen Jugendlichen etwa Chancen abseits von Gangkriminalit\u00e4t erm\u00f6glichen. Jetzt muss die NGO die gesellschaftlichen Auswirkungen der Anti-Corona-Ma\u00dfnahmen abfedern.<\/em><\/p>\n<p><em>El Salvador besitzt eine der h\u00f6chsten Mordraten weltweit, die <\/em><em>soziale Ungleichheit ist extrem<\/em><em> \u2013 und das Coronavirus versch\u00e4rft die Probleme. Das Sieben-Millionen-Einwohner-Land versucht, die drohende Gesundheitskrise mit drastischen Ma\u00dfnahmen wie einer landesweiten Ausgangssperre zu verhindern. 177 Corona-F\u00e4lle sind bisher bekannt, f\u00fcnf Menschen gestorben.<\/em><\/p>\n<p>&quot;Mehrere unserer Teams waren in L\u00e4ndern wie Mexiko oder Guatemala unterwegs, als die Ausgangssperre in El Salvador begann \u2013 es war schwierig, sie zur\u00fcckzuholen, mehrere Teammitglieder mussten 30 Tage lang in Quarant\u00e4ne, weil die Regierung das so vorschreibt.<\/p>\n<p>Niemand darf sein Haus verlassen und die Schulen sind geschlossen, deswegen k\u00f6nnen unsere Freiwilligen dort nicht mehr mit den Sch\u00fclern arbeiten. Wir versuchen Bildungsangebote digital bereitzustellen, aber nicht alle haben Internet. Die Mentoren schicken den Sch\u00fclern regelm\u00e4\u00dfig eine Textnachricht oder rufen sie an. Selbst, wenn sie nur per SMS oder WhatsApp nachfragen, wie es den Sch\u00fclern geht oder bei Hausaufgaben helfen, haben die das Gef\u00fchl, dass sie Unterst\u00fctzung bekommen.<\/p>\n<p>Es ist f\u00fcr alle eine neue Situation, der Stress und die Angst sind gro\u00df und zwischenmenschliche Verbindungen sind extrem wichtig. Man f\u00fchlt sich weniger allein, wenn jemand regelm\u00e4\u00dfig nachhakt: Wie kommst du klar? Wie geht es dir?<\/p>\n<p>Was mich gerade am meisten beunruhigt, sind die wirtschaftlichen Folgen und eine m\u00f6gliche Zunahme h\u00e4uslicher Gewalt. Menschen, die im informellen Sektor arbeiten und schon vorher arm waren, verdienen gar nichts mehr. Dazu leben oft viele Leute zusammen in einem Haus \u2013 die Coronakrise verst\u00e4rkt den Stress.<\/p>\n<p>Die Angst ist gro\u00df, auch weil sie nicht wissen, wie sie ihre Familien ern\u00e4hren sollen. Wir machen viel Trauma-Arbeit, damit Menschen ihre Gef\u00fchle verstehen und besser mit ihnen umgehen k\u00f6nnen, und versuchen, Instrumente zur Stressbew\u00e4ltigung zur Verf\u00fcgung stellen \u2013 zum Beispiel einen digitalen Leitfaden, der Eltern zeigt, wie sie ihre Kinder den ganzen Tag besch\u00e4ftigen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch Reiseverbote und Quarant\u00e4nema\u00dfnahmen ist auch die Arbeit vieler Nichtregierungsorganisationen derzeit kaum m\u00f6glich. Dabei wird ihre Hilfe nun gebraucht wie nie zuvor. 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