{"id":203696,"date":"2020-04-19T10:32:59","date_gmt":"2020-04-19T10:32:59","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/saisonarbeiter-in-deutschland-wer-die-spargel-und-erdbeerernte-rettet\/"},"modified":"2020-04-19T10:32:59","modified_gmt":"2020-04-19T10:32:59","slug":"saisonarbeiter-in-deutschland-wer-die-spargel-und-erdbeerernte-rettet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/saisonarbeiter-in-deutschland-wer-die-spargel-und-erdbeerernte-rettet\/","title":{"rendered":"Saisonarbeiter in Deutschland: Wer die Spargel- und Erdbeerernte rettet"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Die deutsche Landwirtschaft ist auf Saisonarbeiter aus dem Ausland angewiesen. Woher kommen die Menschen, die trotz Corona unsere Ernte retten sollen? Und was verdienen sie?  <\/p>\n<p>Im M\u00e4rz ging es los mit den Hamsterk\u00e4ufen. Davon betroffen war nicht nur das inzwischen medial \u00fcberpr\u00e4sente Klopapier; schnell leerten sich t\u00e4glich auch die Regale mit Mehl, Nudeln, \u00d6l, H\u00fclsenfr\u00fcchten und anderen landl\u00e4ufig als Grundnahrungsmittel bezeichneten Produkten - ein Zustand, der vielerorts bis heute anh\u00e4lt. Der Nachschub an frischem Obst oder Gem\u00fcse (auch diese z\u00e4hlen zu den Grundnahrungsmitteln) lief bisher reibungsloser ab,  doch f\u00fcr einige heimische Produkte k\u00f6nnte sich das nun \u00e4ndern - darunter sind auch saisonale Lieblinge wie Erdbeeren und Spargel. <\/p>\n<p>Im Gegensatz zur Getreideernte, die gro\u00dffl\u00e4chig maschinell durchgef\u00fchrt werden kann, kommt es bei vielen Feldfr\u00fcchten auf manuelle Vorsicht an, denn die Konsumenten sch\u00e4tzen m\u00f6glichst makellose Produkte ohne Erntesch\u00e4den; nur f\u00fcr die h\u00f6chste G\u00fcteklasse k\u00f6nnen auch die h\u00f6chsten Preise verlangt werden. Viele landwirtschaftliche Betriebe heuern daher f\u00fcr diese anstrengende Handarbeit kurzzeitig besch\u00e4ftigte Erntehelfer an, um auf ver\u00e4nderliche Umst\u00e4nde wie Wetter- und Marktbedingungen flexibel reagieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Schon f\u00fcr den M\u00e4rz bezifferte Landwirtschaftsministerin Julia Kl\u00f6ckner (CDU) den Bedarf an Saisonkr\u00e4ften auf mindestens 30.000 externe Helfer und sagte eine Steigerung der Nachfrage auf etwa 85.000 zus\u00e4tzliche Arbeiterinnen und Arbeiter bis Mai voraus.  <\/p>\n<p>Per Sondergenehmigung sorgten Kl\u00f6ckner und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) daf\u00fcr, dass im April und Mai jeweils 40.000 Erntehelfer in Deutschland stechen, pfl\u00fccken und sammeln d\u00fcrfen. Die meisten kommen aus Osteuropa und werden mit Sonderfl\u00fcgen der Lufthansa-Tochterfirmen Eurowings und Sunexpress nach Deutschland gebracht. <br \/>Gr\u00f6\u00dfere Effekte f\u00fcr die kriselnde Fluglinie d\u00fcrfen bezweifelt werden; deutschen Landwirten aber wird es zumindest helfen, den lohnenden Abschluss der sogenannten Vegetationsperiode auch im weltweiten Lockdown-Modus m\u00f6glichst lukrativ zu gestalten. <\/p>\n<p>Das Vorgehen ist umstritten: Kritiker monieren mangelnden Schutz der Arbeiter vor dem Coronavirus. Im baden-w\u00fcrttembergischen Bad Krozingen s\u00fcdwestlich von Freiburg starb vor einer Woche ein rum\u00e4nischer Erntehelfer nach einer Corona-Infektion. <\/p>\n<p>Das Statistische Bundesamt sammelt die Zahlen \u00fcber den Einsatz von Arbeitskr\u00e4ften in der Landwirtschaft immer \u00fcber einen Zeitraum von vier Jahren; der Zensus f\u00fcr den Zeitraum von 2017 bis 2020 wird daher erst im kommenden Jahr ver\u00f6ffentlicht. Normalerweise greift die deutsche Landwirtschaft auf knapp 300.000 Saisonarbeiter pro Jahr zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Viele Erntehelfer konnten diesmal bis zum Beginn der Ausnahmeregelung schlicht nicht anreisen, weil in Deutschland und  den Heimatl\u00e4ndern der Saisonarbeiter Reisen und Grenz\u00fcbertritte strengen Regeln unterworfen waren. In den Niederlanden fiel die kurze, aber lukrative Tulpensaison fast vollst\u00e4ndig aus. Schon im M\u00e4rz wurden im Nachbarland rund 400 Millionen Blumen geschreddert. Der Grund: geschlossene Blumengesch\u00e4fte, geschlossene Grenzen. Nicht nur die deutschen Landwirte, auch viele ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte kalkulieren mit dem Ertrag der Saison.<\/p>\n<p>Seit Jahren wird um die Saisonarbeiter in der Landwirtschaft gestritten. Zun\u00e4chst ging es um Dumpingpreise, Arbeitspl\u00e4tze und einen Mindestlohn. Seit dem 1. Januar 2018 muss allen Besch\u00e4ftigten in der Land- und Forstwirtschaft der gesetzliche Mindestlohn gezahlt werden; im Jahr 2019 betrug der festgesetzte Mindestlohn noch 9,19 \u20ac, seit 2020 sind es 9,35 Euro pro Zeitstunde. <\/p>\n<p>Hinsichtlich ausl\u00e4ndischer Spargelstecher und Erntehelfer reagierte die Bundesregierung Ende M\u00e4rz zun\u00e4chst mit einer Lockerung der Arbeitsbedingungen: Inzwischen d\u00fcrfen die Saisonkr\u00e4fte in einem kurzfristigen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis 115 Arbeitstage sozialversicherungsfrei arbeiten statt der bisher vorgeschriebenen Obergrenze von 70 Tagen; die Regelung gilt bis Oktober. Au\u00dferdem ist in der Coronakrise die Arbeitnehmer\u00fcberlassung ohne Erlaubnis m\u00f6glich - wichtig, damit die Erntehelfer kurzfristig auch bei anderen <br \/>Arbeitgebern einspringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Insgesamt werden in Deutschland 10,7 Millionen Hektar Bodenfl\u00e4che landwirtschaftlich genutzt. Obst wird auf gut 66.000 Hektar kultiviert, Gem\u00fcse auf etwa 31.000 Hektar. Es verbl\u00fcfft etwas, dass der Anbau jener Produkte, zu deren Ernte jedes Jahr zus\u00e4tzliche Arbeitskr\u00e4fte importiert werden, einen so geringen Anteil an der in ganz Deutschland bewirtschafteten Bodenfl\u00e4che einnimmt. Aber es handelt sich ja auch um Saisonprodukte, deren kurze Verweildauer in den Gesch\u00e4ften viele Deutsche jedes Jahr herbeisehnen.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Landwirtschaft ist auf Saisonarbeiter aus dem Ausland angewiesen. Woher kommen die Menschen, die trotz Corona unsere Ernte retten sollen? Und was verdienen sie? 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