{"id":203625,"date":"2020-04-18T23:52:18","date_gmt":"2020-04-18T23:52:18","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/griechenlands-tourismus-in-der-corona-krise-vier-hoteliers-berichten\/"},"modified":"2020-04-18T23:52:18","modified_gmt":"2020-04-18T23:52:18","slug":"griechenlands-tourismus-in-der-corona-krise-vier-hoteliers-berichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/griechenlands-tourismus-in-der-corona-krise-vier-hoteliers-berichten\/","title":{"rendered":"Griechenlands Tourismus in der Corona-Krise: Vier Hoteliers berichten"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Jeder Anruf ist eine weitere Absage: Griechische Hoteliers f\u00fcrchten die Katastrophe - f\u00fcr ihr Unternehmen und f\u00fcr ihr Land. Hier erz\u00e4hlen vier von ihnen, was die Coronakrise in ihrer Branche anrichtet.  <\/p>\n<p>Der Tourismus hat Griechenland aus seiner jahrzehntelangen Finanzkrise herausgeholt - jetzt steht er aufgrund der Coronakrise vor dem Abgrund. Sch\u00e4tzungsweise 3000 Hotels, also eines von drei im Land, werden in dieser Saison m\u00f6glicherweise nicht wieder er\u00f6ffnen. Die Einnahmen aus der Branche k\u00f6nnten im Vergleich zu 2019 auf ein Drittel schrumpfen.<\/p>\n<p>Die Urlaubsindustrie ist das Lebenselixier der griechischen Wirtschaft. Rund 34 Millionen Touristen, dreimal mehr als das Land Einwohner hat, besuchten Griechenland im Jahr 2019 - Rekord. Der Tourismus macht mehr als ein Viertel der Wirtschaft und Besch\u00e4ftigung des Landes aus - der h\u00f6chste Prozentsatz in der EU.<\/p>\n<p>2020 versprach, ein weiteres Wunderjahr zu werden. Jetzt k\u00f6nnte die Pandemie die Wirtschaft in eine Rezession zur\u00fcckdr\u00e4ngen und zu Arbeitslosenzahlen, die so hoch zuletzt auf dem H\u00f6hepunkt der Krise waren.<\/p>\n<p>Hier erz\u00e4hlen Hoteliers dem SPIEGEL, was sie zurzeit bewegt: von einem F\u00fcnf-Sterne-Hotel auf Kreta bis hin zu einem kleinen Familienbetrieb auf der Fl\u00fcchtlingsinsel Lesbos.<\/p>\n<h3>&quot;Wir m\u00fcssen arbeiten, um zu \u00fcberleben&quot;<\/h3>\n<p><em>Makis Sarafoglou, 60, ist Inhaber des Hotels Orfeas auf der Insel Lesbos. Das im Jahr 2012 er\u00f6ffnete Haus hat 40 Zimmer und befindet sich in der Inselhauptstadt Mitilini, sieben Kilometer vom Flughafen und 150 Meter vom Strand entfernt.<\/em><\/p>\n<p>&quot;Unser Hotel ist ein Familienbetrieb, den ich zusammen mit meiner Frau und meinem Sohn f\u00fchre. Die Vertr\u00e4ge unserer drei Angestellten musste ich aufl\u00f6sen, sie erhalten nun von der Regierung einen Zuschuss von 800 Euro. Schlie\u00dfen mussten wir unser Haus aufgrund der beh\u00f6rdlichen Anordnung am 22. M\u00e4rz. An dem Tag haben wir den letzten Besucher verabschiedet - ein schmerzhafter Moment.<\/p>\n<p>Seitdem hagelt es Stornierungen: aus Griechenland, Deutschland, Gro\u00dfbritannien, Italien und Frankreich. Nicht nur Urlauber, sondern auch Arch\u00e4ologen und Mitarbeiter von NGOs und internationalen Organisationen rufen an, um zu stornieren. Normalerweise freuen wir uns \u00fcber Anrufe. Aber seit der Schlie\u00dfung wissen wir: Immer, wenn an der Rezeption das Telefon klingelt, ist es eine weitere Absage.<\/p>\n<p>Viele Kunden haben uns versprochen, dass sie ihre Buchungen erneuern und uns besuchen werden, sobald sich die Dinge wieder normalisieren und sie reisen k\u00f6nnen. Ich danke ihnen daf\u00fcr, es ist ein gut gemeintes Versprechen. Aber darauf k\u00f6nnen wir uns nicht verlassen. Niemand wei\u00df, wann wir wieder \u00f6ffnen werden. Die Regierung sagt, vielleicht im Juli, aber wenn Sie mich fragen, ist die Saison bereits verloren. Und nicht nur das: Ich f\u00fcrchte, das ganze Jahr ist verloren. Das Spiel ist aus.<\/p>\n<p>Besonders bitter: F\u00fcr die Sommermonate waren wir gut gebucht, die Auslastung lag bereits bei 60 Prozent. Man muss bedenken, dass wir uns auf einer Insel befinden, die bereits von der Fl\u00fcchtlingskrise betroffen ist. Schon vor der Coronavirus-Pandemie war der Tourismus stark angeschlagen. Fr\u00fcher hatten wir Dutzende Kreuzfahrtschiffe pro Tag, jetzt haben wir gar keine mehr. Fr\u00fcher gab es 20 bis 25 Charterfl\u00fcge am Tag, dann gingen sie auf vier zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Wir hoffen jetzt, unser Finanzierungs- und Liquidit\u00e4tsproblem zu \u00fcberleben. Wir m\u00fcssen die laufenden Rechnungen bezahlen, das Hotel muss gewartet werden - und unsere Mittel reichen nicht, um das alles zu bew\u00e4ltigen. Vielleicht schafft das die eine oder andere gro\u00dfe Hotelkette. Wir k\u00f6nnen es nicht. Wir m\u00fcssen arbeiten, um zu \u00fcberleben.&quot;<\/p>\n<h3>&quot;Hotels wurden nicht einmal im Zweiten Weltkrieg geschlossen&quot;<\/h3>\n<p><em>Yiannis Aslanis ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Grand Hotel Palace, eines F\u00fcnf-Sterne-Hotels in Thessaloniki, Griechenlands zweitgr\u00f6\u00dfter Hafenstadt. 100 Festangestellte und viele Saisonkr\u00e4fte arbeiten normalerweise in dem Haus, das 2004 er\u00f6ffnet wurde und 265 Zimmer hat. <\/em><\/p>\n<p>&quot;Unser Hotel ist seit dem 19. M\u00e4rz leerger\u00e4umt, drei Tage sp\u00e4ter haben wir unsere T\u00fcren geschlossen. Dabei deutete noch kurz vorher alles auf ein sehr gutes Jahr hin. Wir waren bis einschlie\u00dflich Oktober ausgebucht, unsere Einnahmen waren im Februar h\u00f6her als im Vorjahr.<\/p>\n<p>Doch wegen der Coronakrise wurden gro\u00dfe Veranstaltungen abgesagt, auch Konferenzen, die zu unserem Kerngesch\u00e4ft geh\u00f6ren. Erst gab es es kurzfristige Absagen von Kunden, doch dann weiteten sie sich aus auf April, Mai und zuletzt gab es auch Absagen f\u00fcr den Juni. All unsere Kunden sind beunruhigt. Wir haben versucht, Veranstaltungen auf die Zeit nach August zu verschieben - aber daf\u00fcr m\u00fcsste die Krise bis dahin vorbei sein.<\/p>\n<p>Auch unser gesamtes Investitionsprogramm liegt nun auf Eis. Wir hatten eigentlich Renovierungen f\u00fcr die n\u00e4chsten Monate geplant. Sie sind abgesagt. Der Tourismus ist am Nullpunkt angelangt. Das ist beispiellos. Hotels wurden in der Geschichte Griechenlands nie geschlossen, nicht einmal w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs.<\/p>\n<p>Viele Hotelbetriebe sind durch Kredite und andere Verpflichtungen \u00fcberlastet. Auch Deutschland und Gro\u00dfbritannien, unsere gr\u00f6\u00dften M\u00e4rkte, befinden sich in einer d\u00fcsteren Lage. Wir haben keine Ahnung, wann die Grenzen wieder ge\u00f6ffnet werden und wie es dann um die Psyche der Menschen und ihre finanzielle Situation bestellt sein wird. Wenn wir das Hotel wieder f\u00fcr Besucher \u00f6ffnen, werden wir uns mit ganz praktischen Problemen konfrontiert sehen. Wie weit auseinander m\u00fcssen die Fr\u00fchst\u00fcckstische stehen? Was muss alles desinfiziert werden? Was ist bei der Organisation von Konferenzen k\u00fcnftig zu beachten?<\/p>\n<p>Ich gehe jeden zweiten Tag ins Hotel, um mich zu vergewissern, dass alles noch steht. Es gibt Videokonferenzen mit den Mitarbeitern der Reservierung und anderer Abteilungen. Wir versuchen, f\u00fcr die Zukunft zu planen. Eine Zukunft, die nicht wie die Vergangenheit sein wird. Meine Hoffnung: eine R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t im Jahr 2021. Vielleicht mit niedrigeren Buchungen, Einnahmen und Preisen, aber zumindest werden wir wieder ins Gesch\u00e4ft kommen.&quot;<\/p>\n<h3>&quot;Die Situation ist dramatisch&quot;<\/h3>\n<p><em>Magda Valasaki, ist Eigent\u00fcmerin der Villa Madeleine, einer Ferienanlage auf der westlichen Landzunge von Chalkidiki, der beliebten Urlauberhalbinsel im Norden Griechenlands. Die Studios mit einer Kapazit\u00e4t von 30 Betten liegen in einem Garten mit Blumenbeeten und Oleanderstr\u00e4uchern, in der N\u00e4he gibt es Sandstr\u00e4nde. <\/em><\/p>\n<p>&quot;Normalerweise sind wir von Ostern an bis Juli ausgebucht und erhalten auch schon Reservierungen f\u00fcr die Zeit danach. Aber jetzt? Keine neuen Buchungen und die ersten Stornierungen f\u00fcr August. Reden wir nicht lange um den hei\u00dfen Brei herum: Die Situation ist dramatisch. Einige Kollegen f\u00fcrchten, dass sie nicht wieder \u00f6ffnen werden.<\/p>\n<p>Wegen der Ausgangssperre k\u00f6nnen wir noch nicht mal in die Ferienapartments, um notwendige Wartungsarbeiten durchzuf\u00fchren - und das steht unserem Investitionsplan im Weg. Wir haben viel Geld f\u00fcr Renovierungen bezahlt, weil wir auf eine Fortsetzung des Tourismusbooms gewettet hatten. Doch jetzt r\u00e4t auch noch EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen den Leuten, keine Urlaubspl\u00e4ne f\u00fcr den Sommer zu schmieden.<\/p>\n<p>Und was, wenn die Hotels irgendwann wieder im Gesch\u00e4ft sind? Wer wird dann kommen? Wird es sicher sein, Touristen aus den betroffenen L\u00e4ndern aufzunehmen? Viele kleine Hotels sind Familienbetriebe, die von \u00e4lteren Menschen gef\u00fchrt werden, die es nicht gewohnt sind, G\u00e4ste aus dem Ausland zu empfangen.<\/p>\n<p>Ich bin dankbar f\u00fcr die zahlreichen E-Mails und Nachrichten, die ich von Kunden erhalte. Eine Frau, die seit f\u00fcnf Jahren zu uns kommt, schrieb mir, sie k\u00f6nne diesen Sommer nicht anreisen. Sie sagte aber: &#039;Hey, h\u00f6r zu, wir werden kommen! Wir werden im September kommen!&#039; Ich hoffe, wir werden dann hier sein, um sie willkommen zu hei\u00dfen. Aber ich habe aufgeh\u00f6rt, \u00fcber den n\u00e4chsten Tag nachzudenken. Zuerst hab ich das gemacht, aber es brachte mich an den Rand einer Depression. Was ich jetzt also sage, ist: Lasst uns gesund bleiben. Wie hei\u00dft es in dem ber\u00fchmten Lied? &#039;Que sera, sera&#039; - Was immer sein wird, wird sein.&quot;<\/p>\n<h3>&quot;Die Saison ist verloren&quot;<\/h3>\n<p><em>Nikos Chalkiadakis, 54, ist Besitzer der Cactus Beach Hotels auf Kreta. Das Resort mit Bungalows inmitten von Kakteen und \u00fcppigen G\u00e4rten liegt in der N\u00e4he der Inselhauptstadt Heraklion. 30 feste Mitarbeiter sind hier besch\u00e4ftigt, Deutsche sind die Hauptkunden.<\/em><\/p>\n<p>&quot;Wir waren zu 90 Prozent ausgelastet, doch jetzt ist alles storniert. Selbst wenn wir im Juli wiederer\u00f6ffnen w\u00fcrden, w\u00fcrden die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 70 Prozent einbrechen. Ausgegangen war ich urspr\u00fcnglich von Einnahmen in H\u00f6he von 1,8 Millionen Euro. Jetzt werde ich nichts bekommen.<\/p>\n<p>Das Problem: Griechenlands Wirtschaft h\u00e4ngt zu 25 Prozent vom Tourismus ab, doch bei uns auf Kreta reden wir eher von 50 Prozent, auf den Kykladen \u2013 Mykonos, Santorin und so \u2013 sind es sogar 75 Prozent. Auf Kreta arbeiten 125.000 Menschen als Saisonkr\u00e4fte im Tourismus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder Anruf ist eine weitere Absage: Griechische Hoteliers f\u00fcrchten die Katastrophe - f\u00fcr ihr Unternehmen und f\u00fcr ihr Land. 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