{"id":203546,"date":"2020-04-18T11:42:18","date_gmt":"2020-04-18T11:42:18","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-in-belgien-hohe-todeszahlen-das-belgische-corona-ratsel\/"},"modified":"2020-04-18T11:42:18","modified_gmt":"2020-04-18T11:42:18","slug":"corona-in-belgien-hohe-todeszahlen-das-belgische-corona-ratsel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-in-belgien-hohe-todeszahlen-das-belgische-corona-ratsel\/","title":{"rendered":"Corona in Belgien: Hohe Todeszahlen &#8212; Das belgische Corona-R\u00e4tsel"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">In keinem Fl\u00e4chenstaat auf der Welt ist die Zahl der Corona-Toten im Verh\u00e4ltnis zur Einwohnerzahl h\u00f6her als in Belgien. Die F\u00f6deralregierung ger\u00e4t unter Druck. Hat sie die Pandemie untersch\u00e4tzt?  <\/p>\n<p>Als Premierministerin Sophie Wilm\u00e8s diesen Mittwoch verk\u00fcndete, dass die Ausgangssperren bis 3. Mai verl\u00e4ngert werden, hatte sie zumindest einen kleinen Lichtblick f\u00fcr die elf Millionen Belgier: Gartencenter und Baum\u00e4rkte d\u00fcrfen wieder \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Die Coronakrise hat das kleine K\u00f6nigreich fest im Griff. Es gibt viele Tote: Mehr als 5000 sind es mittlerweile schon - und damit mehr als in Deutschland. Im Verh\u00e4ltnis zur Einwohnerzahl rangiert Belgien unter den Fl\u00e4chenstaaten sogar auf Rang eins. Am Donnerstag hat man Spanien \u00fcberholt, Italien schon vor Tagen.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend in den beiden gro\u00dfen s\u00fcdeurop\u00e4ischen Staaten die t\u00e4glichen Todeszahlen sinken, hat Belgien am Donnerstag einen neuen traurigen Rekord vermeldet: 417 Tote binnen 24 Stunden. Fast 70 Prozent der Sterbef\u00e4lle wurden in Altenheimen registriert.<\/p>\n<p>Dabei herrschen seit 17. M\u00e4rz strenge Bestimmungen dar\u00fcber, wer \u00fcberhaupt noch auf die Stra\u00dfe darf. Die Stimmung, wenn man die Hauptstadt Br\u00fcssel als Beispiel nimmt, ist dennoch bislang nicht sonderlich angespannt.<\/p>\n<p>Das mag an dem guten Wetter liegen, das die Belgier, seit Beginn des Lockdowns genie\u00dfen \u2013 und der Tatsache, dass die chronisch verstauten Stra\u00dfen und Autobahnen nun, f\u00fcr die, die doch mal wohin m\u00fcssen, ungewohnt leer sind. Allein: Es bleibt die hohe Zahl der Toten. Das belgische Corona-R\u00e4tsel.<\/p>\n<p>Die Corona-Welle begann Anfang M\u00e4rz nach den allj\u00e4hrlichen Krokusferien. Viele Urlauber brachten die Infektion aus dem Skiurlaub mit, aus Norditalien, Tirol oder Frankreich. In den ersten M\u00e4rztagen begannen sich die F\u00e4lle zu h\u00e4ufen. <\/p>\n<p>Wer nach weiteren Ursachen forscht, bekommt viele Gr\u00fcnde aufgetischt. Manche klingen nachvollziehbar, andere weniger:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Belgien liege in der Mitte Europas, hei\u00dft es, der Durchgangsverkehr sei vor der Krise viel h\u00f6her gewesen als in anderen L\u00e4ndern. London, Paris, Amsterdam, K\u00f6ln \u2013 mit dem Zug ist man von Belgien aus \u00fcberall in deutlich weniger als drei Stunden.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Ein Faktor k\u00f6nnte auch die Luftverschmutzung sein. Die ist in Belgien hoch \u2013 wie auch in anderen Corona-Hotspots, ob Lombardei, Madrid oder New York.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Dazu kommt die hohe Bev\u00f6lkerungsdichte in dem Elf-Millionen-Einwohnerland.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>All das macht Sinn, trifft aber beispielsweise auch auf das benachbarte Nordrhein-Westfalen zu, das noch dichter besiedelt ist - und nur einen Bruchteil der Toten zu vermelden hat.<\/p>\n<p>Der Virologe Steven Van Gucht hat vor allem die Situation in den Pflegeheimen im Visier. Er ist Vorsitzender des nationalen wissenschaftlichen Corona-Ausschusses und in der Krise alles andere als unumstritten.<\/p>\n<p>&quot;Die Todesf\u00e4lle in den Krankenh\u00e4usern sind in den letzten zwei Wochen stabil geblieben&quot;, sagte er am vergangenen Freitag, &quot;aber in den Seniorenheimen verzeichnen wir seit April einen stetigen Anstieg&quot;. Der Grund: Belgien z\u00e4hlt Sterbef\u00e4lle in Altenheimen offenbar oft auch zu den Corona-Toten; auch dann, wenn die Todesursache nicht klar ist. <\/p>\n<p>Von den 289 Toten in Altenheimen, die am Donnerstag gemeldet wurden, konnten nur 91 eindeutig als Corona-Tote klassifiziert werden \u2013 und die \u00fcbrigen gut zwei Drittel nur als m\u00f6gliche Covid-19-F\u00e4lle. Es sei m\u00f6glich, dass Belgien dadurch seine Todeszahlen \u00fcbersch\u00e4tze, so Van Gucht.<\/p>\n<p>So oder so sind die Zahlen erschreckend. Haben die Politik und die staatlichen Gesundheitsexperten das Virus anfangs auf die leichte Schulter genommen?<\/p>\n<p>In den ersten Wochen der Pandemie wurde in Belgien wenig getestet \u2013 auch, weil es kaum Kapazit\u00e4ten gab. Am 1. M\u00e4rz entdeckte der Infektologe Herman Goossens im Krankenhaus Antwerpen den zweiten belgischen Fall: eine Frau, die vorher in Frankreich gewesen war.<\/p>\n<p>&quot;Wenn wir die strikten Richtlinien der Beh\u00f6rden befolgt h\u00e4tten, h\u00e4tten wir die zweite Patientin nicht gefunden&quot;, sagte Goossens. Zu dieser Zeit sollten nur Personen getestet werden, die aus bestimmten Hochrisikol\u00e4ndern kamen.<\/p>\n<p>Die Verantwortlichen predigten zun\u00e4chst Gelassenheit. Im schlimmsten Fall werde es 13.000 Infektionen und 700 Patienten auf Intensivstationen geben, prophezeite beispielsweise Virologe Van Gucht noch am 3. M\u00e4rz. &quot;Das liegt im Bereich einer schweren saisonalen Grippe&quot;, sagte er.<\/p>\n<p>Als bei einem Lehrer aus dem St\u00e4dtchen Wevelgem das Virus diagnostiziert wurde, riet die Gesundheits- und Pflegebeh\u00f6rde der Region Flandern, nicht die Schule zu schlie\u00dfen. Inzwischen muss sich auch die Regierung Nachfragen gefallen lassen.<\/p>\n<p>15 Monate nach der letzten Wahl hat das in den fl\u00e4mischen Norden und wallonischen S\u00fcden gespaltene und daher chronisch unregierbare Land mit Sophie Wilm\u00e8s eine n\u00fcchtern auftretende Premierministerin.<\/p>\n<p>Bislang vermittelt sie den Eindruck, als wisse sie, was sie tut. Die Frage nach den hohen Totenzahlen kontert sie mit einem Verweis darauf, dass Belgien &quot;mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Transparenz&quot; arbeite und einfach mehr F\u00e4lle melde, &quot;einschlie\u00dflich der Verdachtsf\u00e4lle und ohne Ausschluss von Patienten, die an weiteren Krankheiten litten&quot;, wie sie sagt.<\/p>\n<p>Als Schwachstelle haben viele Gesundheitsministerin Maggie de Block ausgemacht, eine Frau ohne viele Selbstzweifel. Zu Beginn der Lockdown-Ma\u00dfnahmen k\u00fcndigte die Medizinerin an, die beliebten Pommesbuden blieben selbstverst\u00e4ndlich ge\u00f6ffnet. Wenig sp\u00e4ter schlossen die meisten dann genauso wie die anderen Restaurants.<\/p>\n<p>In de Blocks Verantwortungsbereich f\u00e4llt auch eine folgenschwere Entscheidung aus dem vergangenen Jahr, die Belgiens Politik in diesen Tagen einholt:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Ende M\u00e4rz wurde bekannt, dass unl\u00e4ngst sechs Millionen FFP2-Atemschutzmasken vernichtet wurden.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Sie waren vor Jahren zum Schutz vor der Schweinegrippe angeschafft worden.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Nun wurden sie gebraucht, das Verfallsdatum war aber \u00fcberschritten.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Aus Kostengr\u00fcnden wurde auch kein Ersatz beschafft.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Viele Krankenh\u00e4user sind schlecht ausgestattet. Immerhin herrscht vergleichsweise viel Platz: Anders als in Bergamo, Madrid oder im Elsass gab es bislang keine gro\u00dfen Engp\u00e4sse bei Intensivbetten oder Beatmungsger\u00e4ten.<\/p>\n<p>In einigen Altenheimen hingegen ist die Lage au\u00dfer Kontrolle. Wie weit sich hier das Virus verbreitet hat, zeigt der erste gro\u00dfangelegte Corona-Test in 85 Einrichtungen, der am Mittwoch ver\u00f6ffentlicht wurde. Jeder f\u00fcnfte Test unter den Senioren war positiv. Entsprechend harsch ist mittlerweile die Kritik.<\/p>\n<p>&quot;Die Politik hat das Coronavirus zun\u00e4chst untersch\u00e4tzt und relativ lange mit Gegenma\u00dfnahmen gewartet&quot;, sagt Dirk Rochtus, Politikwissenschaftler an der katholischen Universit\u00e4t L\u00f6wen. Ein Grund hierf\u00fcr ist die bis vor Kurzem schwache Stellung von Premierministerin Wilm\u00e8s:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Nach den Wahlen im Mai 2019 hatten sich die Parteien auf keine mehrheitsf\u00e4hige Koalition einigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Die liberale Politikerin kam schlie\u00dflich im Oktober als Interimsregierungschefin einer kommissarischen Regierung ins Amt.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Die drei Fraktionen hinter Wilm\u00e8s verf\u00fcgen aber zusammen nur \u00fcber gut ein Viertel der Parlamentssitze.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Erst vor wenigen Wochen \u00e4nderte sich das. Sechs weitere Fraktionen stellten sich hinter Wilm\u00e8s \u2013 und gaben ihr Sondervollmachten zur Eind\u00e4mmung der Pandemie. Damit hatte die Regierungschefin erstmals eine Mehrheit im Parlament hinter sich. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In keinem Fl\u00e4chenstaat auf der Welt ist die Zahl der Corona-Toten im Verh\u00e4ltnis zur Einwohnerzahl h\u00f6her als in Belgien. 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