{"id":203423,"date":"2020-04-17T19:21:59","date_gmt":"2020-04-17T19:21:59","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-krise-schulen-offnen-kitas-bleiben-geschlossen-das-ist-doch-wahnsinn\/"},"modified":"2020-04-17T19:21:59","modified_gmt":"2020-04-17T19:21:59","slug":"corona-krise-schulen-offnen-kitas-bleiben-geschlossen-das-ist-doch-wahnsinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-krise-schulen-offnen-kitas-bleiben-geschlossen-das-ist-doch-wahnsinn\/","title":{"rendered":"Corona-Krise: Schulen \u00f6ffnen, Kitas bleiben geschlossen &#8212; &#171;Das ist doch Wahnsinn&#187;"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">W\u00e4hrend die Schulen bald schrittweise wieder \u00f6ffnen, m\u00fcssen kleine Kinder weiterhin zu Hause bleiben - wahrscheinlich sogar f\u00fcr Monate. Viele Eltern f\u00fchlen sich von der Politik alleingelassen.  <\/p>\n<p>Alle paar Stunden feiert Leo ein bisschen Geburtstag. Dann steht der Dreij\u00e4hrige auf einem Hocker im heimischen Badezimmer, die kleinen H\u00e4nde \u00fcber den Rand des Waschbeckens in den Wasserstrahl gestreckt - und singt: &quot;Happy Birthday to you&quot;, nicht zu schnell nat\u00fcrlich, so hat es Leo gelernt.<\/p>\n<p>&quot;Die neuen Hygieneregeln hat er sehr schnell verinnerlicht&quot;, sagt seine Mutter Aiga Senftleben, die diese Anekdote am Telefon erz\u00e4hlt: Regelm\u00e4\u00dfiges H\u00e4ndewaschen, mindestens 20 Sekunden lang und immer mit Seife. &quot;Das haben sie in der Kita gelernt - vor mehr als vier Wochen.&quot;<\/p>\n<p>Seit dem 17. M\u00e4rz darf Leo seine Kita nicht mehr besuchen. Wie insgesamt 3,7 Millionen Kinder deutschlandweit - ausgenommen solche, die Anspruch auf Notbetreuung haben - muss er in diesen Tagen zu Hause bleiben, damit sich das neuartige Coronavirus nicht so schnell verbreiten kann.<\/p>\n<p>Die Tage verbringt Leo nun in einer Berliner Etagenwohnung, unterbrochen von t\u00e4glichen Spazierg\u00e4ngen um den Block mit seinen Eltern, die beide aus dem Homeoffice arbeiten und sich abwechselnd um den Dreij\u00e4hrigen k\u00fcmmern. &quot;Auch wenn er es toll findet, dass Mama und Papa nun immer da sind - er vermisst seine Freunde&quot;, sagt Aiga Senftleben. Erwachsene, auch wenn sie sich noch so viel M\u00fche geben, k\u00f6nnten das Herumtoben und Quatschmachen mit Gleichaltrigen nicht ersetzen.<\/p>\n<h3>Keine kreativen L\u00f6sungen f\u00fcr Kitas<\/h3>\n<p>So, wie es aktuell aussieht, wird das noch ziemlich lange so weitergehen. Ab dem 4. Mai, so haben es die Bundeskanzlerin und Ministerpr\u00e4sidenten in ihrer Telefonrunde entschieden, sollen die Schulen fl\u00e4chendeckend wieder \u00f6ffnen. Viele Bundesl\u00e4nder starten zum Teil sogar deutlich fr\u00fcher, um ihre Abschlussklassen durch die finalen Pr\u00fcfungen zu lotsen.<\/p>\n<p>Die Kitas hingegen sollen in den meisten L\u00e4ndern noch viele Wochen geschlossen bleiben. In Berlin, wo Aiga Senftleben mit ihrer Familie wohnt, soll der Regelbetrieb erst wieder am 1. August beginnen - also in mehr als drei Monaten. &quot;Das ist doch Wahnsinn&quot;, sagt Senftleben, Mitgr\u00fcnderin eines Fintech-Start-ups. Sie f\u00fchle sich von der Politik &quot;ver\u00e4ppelt&quot;, so dr\u00fcckt sie es aus. &quot;\u00dcberall werden kreative L\u00f6sungen gefunden, wie man die Lage f\u00fcr alle Beteiligten gut gestalten kann: F\u00fcr Schulen, f\u00fcr Buchl\u00e4den und Baum\u00e4rkte - aber die Kitas l\u00e4sst man einfach zu, ohne Kompromiss.&quot;<\/p>\n<h3>Eltern f\u00fchlen sich alleingelassen<\/h3>\n<p>Senftleben spricht aus, was viele Eltern in diesen Tagen denken. Sie f\u00fchlen sich alleingelassen mit dem Spagat zwischen Kinderbetreuung und Arbeit - und mit dem Gef\u00fchl, ihren Kindern etwas vorzuenthalten, das viele so sehr vermissen: den Kontakt zu Gleichaltrigen.<\/p>\n<p>&quot;Das geht an der Lebenswirklichkeit junger Familien vorbei&quot;, sagt Ulrike Gro\u00dfe-R\u00f6thig, Rechtsanw\u00e4ltin und Bundeselternsprecherin der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege. &quot;Und es st\u00fcrzt auch Arbeitgeber in ein Dilemma, die nicht bis in den Sp\u00e4tsommer oder fr\u00fchen Herbst hinein auf ihre Mitarbeiter verzichten k\u00f6nnen.&quot;<\/p>\n<p>Wenn das \u00f6ffentliche Leben sukzessive wieder belebter w\u00fcrde und Gesch\u00e4fte \u00f6ffneten, k\u00f6nnten die Angestellten nicht einfach zu Hause bleiben. Besonders Alleinerziehende h\u00e4tten damit schwer zu k\u00e4mpfen, weil sie sich die Kinderbetreuung nicht mit einem Partner teilen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Wissenschaftler fordern Corona-Elterngeld<\/h3>\n<p>Die Regelung treffe zudem insbesondere Menschen Mitte 20 bis Mitte 40 - &quot;die also in den meisten F\u00e4llen nicht zur Risikogruppe geh\u00f6ren und an ihren Arbeitsst\u00e4tten gebraucht werden&quot;. Gleichzeitig k\u00f6nnten viele aber auch keinen unbezahlten Urlaub nehmen. &quot;Weniger zu arbeiten, um Kinder zu betreuen, muss man sich leisten k\u00f6nnen.&quot;<\/p>\n<p>Wissenschaftler des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW) fordern deshalb eine Art Corona-Elterngeld. In einer Mitteilung sprachen sich die Forscher daf\u00fcr aus, dass &quot;Alleinerziehende sowie Familien, in denen beide Eltern gemeinsam mehr als 40 Stunden arbeiten, jeweils eine Reduzierung der individuellen Arbeitszeit zur Kinderbetreuung beim Arbeitgeber beantragen und daf\u00fcr einen staatlichen Einkommensersatz erhalten&quot; k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Kita als Bildungsort<\/h3>\n<p>Elternsprecherin Gro\u00dfe-R\u00f6thig \u00e4rgert sich dar\u00fcber, dass die Verantwortlichen sich offenbar nicht einmal die M\u00fche machten, \u00fcber Alternativen zur konsequenten Schlie\u00dfung zu beraten: Etwa kleine Bezugsgruppen von einer Handvoll Kinder, die streng getrennt voneinander spielen k\u00f6nnten. Oder eine Art &quot;Schichtsystem&quot;, wie Experten es auch f\u00fcr Schulen vorgeschlagen hatten und viele Firmen praktizieren.<\/p>\n<p>Zudem h\u00e4tten Wissenschaftler und Politik auch darauf schauen m\u00fcssen, dass Kinder die Kita als Bildungsort dringend ben\u00f6tigten, vor allem wenn sie aus bildungsbenachteiligten Haushalten stammen - weil Eltern zu Hause oft nicht ausreichend gut f\u00f6rdern k\u00f6nnten. &quot;Die Kita dient ja nicht nur der Aufbewahrung.&quot;<\/p>\n<p>Fachleute fordern deshalb, auch Kinder aus Familien in schwierigen Situationen wenigstens in die Notbetreuung aufzunehmen. &quot;Ich denke zum Beispiel an Kinder mit einem psychisch kranken Elternteil oder mit Behinderung&quot;, sagt  Bj\u00f6rn K\u00f6hler vom Vorstand der Gewerkschaft f\u00fcr Erziehung und Wissenschaft (GEW).<\/p>\n<h3>Ausweitung der Notbetreuung<\/h3>\n<p>In einer Telefonschalte mit Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) einigten sich an diesem Freitag die Familienminister der L\u00e4nder nun darauf, die Notbetreuung bis zum 3. Mai auszuweiten. Wie das jedoch im Detail aussehen soll, regelt jedes Land f\u00fcr sich - obwohl Giffey im Vorfeld auf eine einheitliche Regel gedr\u00e4ngt hatte.<\/p>\n<p>Bisher gilt das Angebot in der Regel f\u00fcr Kinder ab dem Kita-Alter bis zur sechsten Klasse, wenn die Eltern dringend an ihrem Arbeitsplatz gebraucht werden - etwa in der Pflege, in Krankenh\u00e4usern aber auch in der Produktion bestimmter G\u00fcter oder bei der Polizei.<\/p>\n<p>Viele Landesregierungen haben schon vor Wochen angek\u00fcndigt, weitere Berufsgruppen und Alleinerziehende einzubeziehen oder die Regeln so zu lockern, dass es reicht, wenn ein Elternteil in einem sogenannten systemrelevanten Beruf arbeitet.<\/p>\n<h3>Leopoldina: Kleine Kinder halten sich nicht an Hygieneregeln<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend die Schulen bald schrittweise wieder \u00f6ffnen, m\u00fcssen kleine Kinder weiterhin zu Hause bleiben - wahrscheinlich sogar f\u00fcr Monate. 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