{"id":203384,"date":"2020-04-17T14:01:54","date_gmt":"2020-04-17T14:01:54","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/apps-mit-pepp-pt-die-anti-corona-technik-hat-noch-tucken\/"},"modified":"2020-04-17T14:01:54","modified_gmt":"2020-04-17T14:01:54","slug":"apps-mit-pepp-pt-die-anti-corona-technik-hat-noch-tucken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/apps-mit-pepp-pt-die-anti-corona-technik-hat-noch-tucken\/","title":{"rendered":"Apps mit Pepp-PT: Die Anti-Corona-Technik hat noch T\u00fccken"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Die deutsche &quot;Anti-Corona-App&quot; zum Erkennen von Infektionsketten wird sp\u00e4ter kommen als urspr\u00fcnglich angek\u00fcndigt. In den Tests der zugrunde liegenden Technik Pepp-PT fehlte ein entscheidender Faktor: iPhones.  <\/p>\n<p>Am Mittwoch erhielten die Macher hinter der europ\u00e4ischen Corona-Tech-Initiative Pepp-PT eine Art offiziellen Ritterschlag: Die Regierungschefs von Bund und L\u00e4ndern beschlossen neben dem Lockerungs-Stichtag Anfang Mai auch, dass es flankierend den Versuch einer technologischen Seuchenbek\u00e4mpfung geben solle. Sie entschieden sich nicht f\u00fcr eine der vielen existierenden Apps, die in Singapur, S\u00fcdkorea oder \u00d6sterreich eingesetzt werden. Sondern sie unterst\u00fctzen die Basistechnologie des &quot;Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing&quot;, kurz Pepp-PT. Tracing funktioniert anders als klassisches Tracking ohne Standortdaten: verfolgt werden nur Kontakte, nicht aber, wo die stattfinden.<\/p>\n<p>Auf Grundlage dieses Softwareger\u00fcsts, das die Privatsph\u00e4re der Nutzer laut dem Versprechen der Macher sch\u00fctzt, sollen dereinst unterschiedliche nationale Apps entstehen, oder sogar mehrere Apps im selben Land. Man kann sich das vorstellen wie die gemeinsamen Fahrgestell-Plattformen von Autokonzernen, auf denen dann unterschiedliche Modelle gebaut werden k\u00f6nnen. Um Wildwuchs und Trittbrettfahrer zu verhindern, soll allerdings jede der neuen Pepp-PT-Apps vom Gr\u00fcndungskonsortium zertifiziert werden.<\/p>\n<p>In Deutschland arbeitet unter anderem das Robert Koch-Institut (RKI) an einer solchen Corona-App. Sie soll in der Zeit nach dem Shutdown dabei helfen, neue Infektionsherde schneller als bislang zu erkennen und Infektionsketten m\u00f6glichst fr\u00fch zu unterbrechen.<\/p>\n<p>Anders als Apps in S\u00fcdkorea oder China sollen Smartphone-Anwendungen auf Basis von Pepp-PT, die mit dem Datenfunk Bluetooth Low Energy (BLE) arbeiten, mit den vergleichsweise strengen europ\u00e4ischen Datenschutzregeln vereinbar sein. Zudem sollen die B\u00fcrger freiwillig entscheiden k\u00f6nnen, ob sie die App herunterladen - und nicht dazu gezwungen werden.<\/p>\n<h3>Die deutsche App kommt fr\u00fchestens Ende April<\/h3>\n<p>Zu den Machern z\u00e4hlen \u00fcber 130 Wissenschaftler, neben dem RKI ist dabei auch das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Nachrichtentechnik (Heinrich-Hertz-Institut, HHI) vertreten. &quot;Mehr als 40 Regierungen haben sich bei uns gemeldet und angek\u00fcndigt mitzumachen&quot;, sagte der Projektsprecher Chris Boos dem SPIEGEL, in sieben L\u00e4ndern wie Frankreich, Spanien, Italien, der Schweiz und zuletzt auch \u00d6sterreich gebe es bereits die entsprechenden Regierungsbeschl\u00fcsse. &quot;Viele wollen nicht nur aufspringen, sondern aktiv mitarbeiten&quot;, so Boos. Diese internationale Zusammenarbeit und die M\u00f6glichkeit des &quot;Roaming&quot; \u00fcber Grenzen hinweg sei wichtig f\u00fcr den n\u00e4chsten Schritt nach den innerdeutschen Lockerungen: &quot;Die paneurop\u00e4ische Kollaboration kann eine wichtige Rolle bei der \u00d6ffnung der L\u00e4ndergrenzen spielen.&quot;<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich hatten die Initiatoren eine erste deutsche Version der App bis Mitte April angek\u00fcndigt. Das war zu optimistisch \u2013 nun soll sie offenbar fr\u00fchestens Ende des Monats ver\u00f6ffentlicht werden. Das liege an der aufwendigen Einbettung weiterer Akteure wie etwa den Testlabors, sagt Boos, und dem Anspruch, die Daten und die Privatsph\u00e4re aller Nutzer zu jedem Zeitpunkt zu sch\u00fctzen. Offenbar sorgen auch die Pr\u00fcfungen in Sachen Sicherheit und Datenschutz f\u00fcr weitere Verz\u00f6gerungen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte im ARD-Morgenmagazin, die App werde &quot;mit Hochdruck&quot; entwickelt: &quot;Aber die Wahrheit ist auch: Damit&#039;s wirklich gut ist, braucht es halt eher noch drei bis vier Wochen als noch zwei Wochen.&quot;<\/p>\n<p>Mitinitiator Boos erkl\u00e4rt, mit dem sp\u00e4teren Start folge man auch den Empfehlungen von beteiligten Gesundheitspsychologen. Sie spr\u00e4chen sich daf\u00fcr aus, die App m\u00f6glichst nahe am Lockerungstermin zu ver\u00f6ffentlichen, da dies die zu erwartende Nutzungsbereitschaft bei den Anwendern erh\u00f6he. Von deren Unterst\u00fctzung und Kooperation h\u00e4ngt der freiwillige Ansatz ab. Laut beteiligten Epidemiologen m\u00fcssten rund 60 Prozent der B\u00fcrger die App downloaden und daf\u00fcr wiederum mindestens 60 Prozent sie korrekt und konsequent anwenden, um die Seuchenverbreitung effektiv eind\u00e4mmen zu helfen. <\/p>\n<p>Seit der ersten Vorstellung des Konzepts werden mehrere m\u00f6gliche Schwachpunkte der Pepp-PT-L\u00f6sung kritisiert: Viele bezweifeln, dass eine App wirksam sein wird, die auf Freiwilligkeit beruht. Erste Untersuchungen zur Bereitschaft der B\u00fcrger, sich eine solche Anwendung herunterzuladen, f\u00fchrten zu unterschiedlichen Ergebnissen. In einer Umfrage des Bayerischen Rundfunks gaben nur 56 Prozent der Befragten an, dies tun zu wollen. Manche Politiker denken schon \u00fcber Anreizsysteme nach, um die B\u00fcrger zu motivieren - etwa Steuergutschriften. Aus der Union gibt es Stimmen, die sich auch eine Nutzungspflicht vorstellen k\u00f6nnen. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) verwies hingegen darauf, die App werde nur die notwendige Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung finden, wenn es bei der geplanten freiwilligen Nutzung bleibe.<\/p>\n<p>Andere f\u00fcrchten, dass die &quot;Freiwilligkeit&quot; ausgeh\u00f6hlt werden k\u00f6nnte \u2013 durch sozialen Druck der Mitmenschen oder Entscheidungen von Unternehmen: Wie freiwillig w\u00e4re eine App beispielsweise noch, wenn nur noch Menschen mit aktivierter Corona-App den \u00f6ffentlichen Nahverkehr nutzen d\u00fcrften? Oder Arbeitgeber sie als Zutrittsbedingung f\u00fcr den Arbeitsplatz verlangten? Die Installation w\u00e4re dann bestenfalls &quot;scheinfreiwillig&quot;, sagen Kritiker.<\/p>\n<p>Ebenfalls umstritten ist die Frage, wie zuverl\u00e4ssig die Abstandsmessung mit Bluetooth funktioniert. Schlie\u00dflich k\u00f6nnte es vorkommen, dass ein Handy sogar durch eine d\u00fcnne Wand eine N\u00e4he zu einem Handy in der Nachbarwohnung misst, wie es teils auch bei fremden Lautsprecherboxen vorkommt. In einem solchen Szenario w\u00fcrde der Nutzer als infektionsgef\u00e4hrdet gelten k\u00f6nnen, obwohl ihn doch eine Wand von einem Angesteckten getrennt hat. Zudem ist Bluetooth nicht gleich Bluetooth \u2013 die St\u00e4rke des Funksignals variiert bei unterschiedlichen Endger\u00e4ten.<\/p>\n<p>Die Pepp-PT Macher haben die Bundeswehr f\u00fcr Messungen gewonnen, um &quot;Wirksamkeit und Fehlerquote des Systems zu bestimmen&quot;, wie es in einem internen Vermerk des Verteidigungsministeriums hei\u00dft. In der Berliner Julius-Leber-Kaserne absolvieren 48 Soldaten gerade entsprechende Messreihen. F\u00fcnf Testl\u00e4ufe seien bereits absolviert, acht weitere geplant, hei\u00dft es in dem Papier, zudem plane das Fraunhofer-Institut eine Pr\u00fcfung &quot;an mobilen Orten wie U-Bahnen&quot;.<\/p>\n<p>Nach Ansicht von Boos sind die bisherigen Tests ermutigend verlaufen. Die Trefferquoten lagen demnach im Mittel zwischen 70 und 80 Prozent. &quot;Wir sind sicher, das ist genau genug&quot;, sagte er in einer Videoschalte am Freitag. Allerdings sind die Bedingungen in der Kaserne bislang nicht besonders realistisch - bislang wurde mit 28 Smartphones von Samsung (A40) sowie 20 weiteren Android-Smartphone-Typen verschiedener Hersteller getestet, nicht aber mit iPhones. Die hier absehbaren Kompatibilit\u00e4tsprobleme werden m\u00f6glicherweise erst l\u00f6sbar sein, wenn Google und Apple ihr gemeinsames Projekt an den Start gebracht haben - und wenn Pepp-PT-Apps darauf aufsetzen.<\/p>\n<h3>Streit \u00fcber Datenspeicherung<\/h3>\n<p>Aktuell sorgt zudem ein Streit unter IT-Sicherheitsfachleuten f\u00fcr Unruhe rund um das Projekt: Sollen die anfallenden Daten dezentral gespeichert werden oder auf einem zentralen Server? Derzeit setzt das Pepp-PT-Konsortium eher auf eine zentrale L\u00f6sung, das m\u00fcsse aber nicht immer so bleiben. Es gebe viele unterschiedliche Ans\u00e4tze, auf denen Apps aufgebaut werden k\u00f6nnen, sagt Boos. Die Macher von Pepp-PT st\u00fcnden diesen offen gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Zuletzt hatten sie allerdings Passagen \u00fcber den schon weit gediehenen dezentralen Ansatz (DP3T) aus ihren Ver\u00f6ffentlichungen genommen. Diesen scheinbar stillschweigenden Abschied von einem dezentralen Modell kritisieren einige Beteiligte scharf: &quot;Wir k\u00f6nnen nicht einsch\u00e4tzen, was Pepp-PT entwickelt&quot;, kritisiert zum Beispiel Kenneth Paterson, ein Kryptografie-Experte an der ETH Z\u00fcrich die mangelnde Transparenz: &quot;Diese Gruppe ist abgeschottet und ihr System kann von externen Experten nicht \u00fcberpr\u00fcft werden. Es gibt kein Dokument mit den genauen Spezifikationen. Wir d\u00fcrfen auch den Programmcode nicht untersuchen.&quot; Auf Twitter sprechen manche Beobachter von einem &quot;R\u00fcckschritt&quot;. Am Freitagvormittag eskalierte der Streit - via Twitter verk\u00fcndete Pepp-PT-Mitinitiator Marcel Salath\u00e9 von der EPFL in Lausanne seinen Ausstieg aus dem Projekt, er werde nun alle seine Energie in den dezentralen Ansatz stecken. <\/p>\n<p>Sein bisheriger Mitstreiter Boos bedauerte den Schritt und mahnte, das &quot;gro\u00dfe Vorhaben der Pandemiebek\u00e4mpfung&quot; wieder in den Vordergrund zu r\u00fccken. Es handele sich um eine Fachdebatte, beide Modelle garantierten die Privatsph\u00e4re, und es gebe f\u00fcr beide Argumente. &quot;Wir m\u00fcssen aufpassen, dass wir die \u00d6ffentlichkeit nicht verunsichern und sollten unser gemeinsames Ziel nicht aus den Augen verlieren.&quot; <\/p>\n<p>Doch angenommen, die neuen Corona-Apps w\u00fcrden von weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung installiert und liefen trotz aller Bluetooth-Schw\u00e4chen einigerma\u00dfen zuverl\u00e4ssig: W\u00fcrden die Handys einen frustrierenden Run auf die ohnehin \u00fcberlasteten Testlabore ausl\u00f6sen, wenn Nutzer zwar eine Infektionswarnung bekommen, dann aber doch vergeblich warten, bis sie durch einen Test Klarheit bekommen?<\/p>\n<p>Die Testkapazit\u00e4ten in Deutschland w\u00fcrden stetig ausgebaut, so Boos, zum anderen sei &quot;hier Kreativit\u00e4t gefragt&quot;. &quot;Wir sind im Kontakt mit vielen Start-ups, die sich mit dem Epidemie-Management befassen, und die f\u00fcr all diese Fragen elegante L\u00f6sungen entwickeln k\u00f6nnen&quot;. Pepp-PT selbst solle lediglich das funktionierende Infektions-Tracing erm\u00f6glichen, nicht mehr und nicht weniger.<\/p>\n<p>Allerdings k\u00f6nnte das RKI dem Infektionstracking-Projekt selbst im Wege stehen. Denn vor zehn Tagen stellte das Institut seine Datenspende-App vor, die jedoch \u00fcberhaupt nichts zu tun hat mit Pepp-PT. Die Datenspende-App fordert Nutzer dazu auf, Gesundheitsdaten wie Ruhepuls und Schlafqualit\u00e4t von ihren Fitnesstrackern zur Analyse zur Verf\u00fcgung zu stellen. Die pseudonymisierten Fitnessdaten sollen die Nutzer dabei nicht vor m\u00f6glichen Infektionsrisiken warnen, sondern Forschern erm\u00f6glichen, zum Beispiel am erh\u00f6hten Ruhepuls in einem Landkreis zu erkennen, dass dort eine Infektionswelle rollt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche &quot;Anti-Corona-App&quot; zum Erkennen von Infektionsketten wird sp\u00e4ter kommen als urspr\u00fcnglich angek\u00fcndigt. 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