{"id":203358,"date":"2020-04-17T10:31:58","date_gmt":"2020-04-17T10:31:58","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/coronavirus-wie-antikorpertests-dabei-helfen-die-pandemie-zu-verstehen\/"},"modified":"2020-04-17T10:31:58","modified_gmt":"2020-04-17T10:31:58","slug":"coronavirus-wie-antikorpertests-dabei-helfen-die-pandemie-zu-verstehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/coronavirus-wie-antikorpertests-dabei-helfen-die-pandemie-zu-verstehen\/","title":{"rendered":"Coronavirus: Wie Antik\u00f6rpertests dabei helfen, die Pandemie zu verstehen"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Eine Durchseuchung der Bev\u00f6lkerung w\u00fcrde die Covid-19-Pandemie beenden. Doch davon ist Deutschland noch weit entfernt, das zeigen auch erste Antik\u00f6rpertests.  <\/p>\n<p>Wann d\u00fcrfen wir endlich wieder unbeschwert raus? Auf Konzerte gehen, reisen, Freunde treffen? Die Antwort auf diese Frage ist gleicherma\u00dfen simpel wie ern\u00fcchternd: Wenn die Pandemie zum Stillstand gekommen ist.<\/p>\n<p>Bundeskanzlerin Angela Merkel d\u00e4mpfte bei ihrer Pressekonferenz zu den ersten Schritten aus dem Corona-Lockdown die Erwartungen auf eine rasche R\u00fcckkehr in den Alltag - die Situation sei &quot;zerbrechlich&quot;. Um die Pandemie zu bew\u00e4ltigen, m\u00fcsse nun unter anderem ein Schwerpunkt auf die Bestimmung der Immunit\u00e4t gegen\u00fcber Sars-CoV-2 in der Gesamtbev\u00f6lkerung gelegt werden, hei\u00dft es in dem j\u00fcngsten Beschluss von Bund und L\u00e4ndern. Diese Informationen seien wichtig f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung des weiteren Pandemieverlaufs in Deutschland.<\/p>\n<p>Denn der Covid-19-Ausbruch gilt erst als \u00fcberwunden, wenn ein Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung immun gegen das Coronavirus ist - entweder weil ein wirksamer Impfstoff gefunden wurde oder weil 60 bis 70 Prozent der Bev\u00f6lkerung eine Infektion durchgemacht und daraufhin Antik\u00f6rper gegen das Virus gebildet haben. Dann, so nennen es Experten, gibt es eine Herdenimmunit\u00e4t.<\/p>\n<p>Doch davon ist Deutschland momentan noch weit entfernt: Mit einem zugelassenen Impfstoff wird fr\u00fchestens im kommenden Jahr gerechnet. Und erste Ergebnisse von Antik\u00f6rpertests zeigen, dass auch eine Herdenimmunit\u00e4t offenbar noch lange nicht erreicht ist. &quot;Wir sehen in den Ergebnissen unserer Antik\u00f6rpertests bisher, dass etwa 3,4 Prozent der Blutproben positiv oder grenzwertig auf Antik\u00f6rper gegen Covid-19 getestet wurden&quot;, sagt Thomas Fenner, Leiter des Labors Dr. Fenner &amp; Kollegen in Hamburg. &quot;Hochgerechnet auf die Spezifit\u00e4t entspricht das einer Durchseuchung von etwa 1,9 Prozent.&quot; Hoffnungen, dass viele Menschen das Virus bereits symptomfrei \u00fcberwunden haben, werden damit entkr\u00e4ftet.<\/p>\n<p>Seit knapp drei Wochen f\u00fchrt das Privatlabor als eines der ersten in Deutschland Antik\u00f6rpertests durch, rund 1300 Blutproben wurden bisher ausgewertet. &quot;Allerdings sind wir eigentlich auch noch zu fr\u00fch dran, um wirklich aussagekr\u00e4ftige Ergebnisse zu haben&quot;, sagt Fenner. Denn gerade auf die sogenannten IgG-Antik\u00f6rper, die lange und in ausreichender Menge im Blut vorhanden sind, k\u00f6nne man fr\u00fchestens drei Wochen nach Beginn der Symptome testen. &quot;In Europa ist die Epidemie ja erst im Februar ausgebrochen&quot;, so Fenner. &quot;Wir m\u00fcssen also noch ein bisschen Geduld haben, bis alle Erkrankten ausreichend und damit messbar Antik\u00f6rper gebildet haben.&quot;<\/p>\n<h3>Geduld ist gefragt<\/h3>\n<p>Antik\u00f6rpertests weisen nicht den Erreger selbst nach, sondern Antik\u00f6rper - auch Immunglobuline genannt -, die der K\u00f6rper im Laufe der Infektion bildet, um das Virus abzuwehren. Die Tests k\u00f6nnen deshalb die akute Infektion, insbesondere im fr\u00fchen Stadium, nicht nachweisen: Denn das Immunsystem bildet Antik\u00f6rper erst nach einiger Zeit. Daf\u00fcr schlagen die Tests aber an, wenn die Infektion bereits abgeklungen ist. Deshalb l\u00e4sst sich mit ihrer Hilfe ermitteln, wie viele Menschen bereits eine Coronavirus-Infektion hatten.<\/p>\n<p>&quot;Jetzt die gesamte Bev\u00f6lkerung auf Antik\u00f6rper durchzutesten, macht keinen Sinn&quot;, sagt Fenner. &quot;Wer bereits einen positiven PCR-Test hat, braucht zum Beispiel keinen Antik\u00f6rpertest mehr.&quot; Zudem seien die Lieferkapazit\u00e4ten der Hersteller derzeit noch zu klein - es gebe gar nicht genug Testmaterialien. Sein Labor k\u00f6nne theoretisch bis zu 1400 Antik\u00f6rpertests pro Tag durchf\u00fchren, aber die Reagenzien reichten maximal f\u00fcr die H\u00e4lfte.<\/p>\n<p>Das Labor Fenner arbeitet mit Testkits der L\u00fcbecker Firma Euroimmun. Eine Sprecherin antwortete auf die Frage nach Lieferengp\u00e4ssen ausweichend: &quot;Wir bem\u00fchen uns, so viele Bestellungen wie m\u00f6glich zu bedienen, sodass die Labore mit den Testungen beginnen k\u00f6nnen. Um dem hohen Bedarf gerecht zu werden, werden die Produktionskapazit\u00e4ten derzeit weiterhin erh\u00f6ht.&quot;<\/p>\n<p>Um den Lieferengp\u00e4ssen auszuweichen, will Fenner nun noch bei einem zweiten Diagnostik-Hersteller bestellen: Diasorin, einer italienischen Firma. &quot;Da hat man dann nat\u00fcrlich das Problem, dass die beiden Testverfahren unter Umst\u00e4nden unterschiedlich zuverl\u00e4ssig sind&quot;, so Fenner. &quot;Deshalb werden wir erst einmal hundert definierte Blutproben mit beiden Tests pr\u00fcfen und schauen, inwiefern die Ergebnisse \u00fcbereinstimmen und zum selben Ergebnis kommen.&quot;<\/p>\n<h3>Tests nicht perfekt<\/h3>\n<p>Denn neben den mangelnden Testmaterialien gibt es bei den Antik\u00f6rpertests noch ein weiteres Problem: Sie sind nicht perfekt. Wie bei jedem medizinischen Testverfahren gibt es auch hier m\u00f6gliche Fehler.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Die <strong>Spezifit\u00e4t<\/strong> eines Testverfahrens gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass tats\u00e4chlich <strong>Gesunde<\/strong> im Test als gesund erkannt werden. Denn es kommt auch vor, dass jemand ein positives Ergebnis erh\u00e4lt, der gar keine Infektion hatte (&quot;falsch-positiv&quot;).<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Die <strong>Sensitivit\u00e4t<\/strong> gibt an, bei welchem Prozentsatz <strong>erkrankter Patienten<\/strong> der Test tats\u00e4chlich positiv ist. In Einzelf\u00e4llen zeigt der Test ein negatives Ergebnis bei jemandem an, der infiziert war (&quot;falsch-negativ&quot;).<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Falsch-positive Ergebnisse k\u00f6nnen zum Beispiel entstehen, wenn jemand k\u00fcrzlich eine andere Coronavirus-Infektion durchgemacht hat. Mehrere Coronaviren zirkulieren schon lange als Erk\u00e4ltungserreger, gerade am Ende der Erk\u00e4ltungssaison w\u00e4ren also h\u00e4ufiger falsch-positive Ergebnisse zu erwarten. Virologe Christian Drosten von der Berliner Charit\u00e9 sagte in seinem Podcast im NDR, die Rate liege bei ihm im Labor bei drei bis vier Prozent. Allerdings mache man bei einem positiven Ergebnis weitere Tests, um es zu best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Wie treffsicher die verschiedenen Corona-Antik\u00f6rpertests auf dem Markt sind, l\u00e4sst sich nicht genau beantworten. Euroimmun etwa gibt an, dass seine Tests beim Nachweis der Langzeit-Antik\u00f6rper <strong>IgG, <\/strong>die erst einige Wochen nach der Infektion gebildet werden, eine Spezifit\u00e4t von 99 Prozent erreichen. Was im Umkehrschluss hei\u00dft, dass ein Prozent die Information erh\u00e4lt, sie h\u00e4tten schon eine Sars-CoV-2-Infektion hinter sich, obwohl das nicht der Fall ist. Bei einem positiven Antik\u00f6rpertest ist es allerdings m\u00f6glich, die Diagnose durch weitere Testverfahren zu best\u00e4tigen oder als Fehlalarm zu erkennen, wie es auch Drosten schildert.<\/p>\n<p>Die Sensitivit\u00e4t des Euroimmun-Tests betr\u00e4gt nach Herstellerangaben ab Tag 20 nach Symptombeginn 100 Prozent. Davor liegt sie allerdings nur bei 87,5 Prozent.<\/p>\n<p>In dem ver\u00f6ffentlichten \u00dcberblick zur Studie in Heinsberg hei\u00dft es etwa, der verwendete Test habe eine Sensitivit\u00e4t von mehr als 99 Prozent, was bedeutet, dass er bei weniger als einem von hundert Infizierten ein f\u00e4lschlicherweise negatives Ergebnis liefert.<\/p>\n<p>Der Test von Euroimmun kann auch sogenannte IgA-Antik\u00f6rper nachweisen, die bereits nach etwa einer Woche vom K\u00f6rper gebildet werden. Die Spezifit\u00e4t des Tests liegt laut Herstellerangabe bei 90,4 Prozent, die Sensitivit\u00e4t ab Tag 11 nach Symptombeginn bei 100 Prozent. &quot;Bereits in diesem fr\u00fchen Stadium zu testen, macht aber keinen Sinn&quot;, sagt Fenner. &quot;Denn f\u00fcr akute Infektionen haben wir ja die PCR-Tests. Mit den Antik\u00f6rpertests wollen wir aber wissen, wer die Infektion bereits hinter sich hat.&quot; Die Bluttests seien daher vor allem f\u00fcr medizinisches Personal oder etwa Pflegekr\u00e4fte in Altenheimen wichtig, da diese mit Risikogruppen zusammenarbeiten und selbst ein erh\u00f6htes Infektionsrisiko haben.<\/p>\n<p>Zurzeit empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Antik\u00f6rpertests nur im Rahmen von Studien einzusetzen. Die Tests sind aus Sicht der WHO wichtig, um zu verstehen, wie weit sich das Virus in der Bev\u00f6lkerung verbreitet hat. Daraus folgend l\u00e4sst sich unter anderem besser ermitteln, wie hoch die Todesrate durch Sars-CoV-2-Infektionen ist. In der medizinischen Behandlung von Patienten sei der Nutzen der Antik\u00f6rpertests dagegen sehr begrenzt, weil die Tests eine akute Infektion nicht schnell nachweisen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Durchseuchung der Bev\u00f6lkerung w\u00fcrde die Covid-19-Pandemie beenden. Doch davon ist Deutschland noch weit entfernt, das zeigen auch erste Antik\u00f6rpertests. Wann d\u00fcrfen wir endlich wieder unbeschwert raus? 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