{"id":203338,"date":"2020-04-17T08:11:52","date_gmt":"2020-04-17T08:11:52","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-in-hungerstaaten-so-will-die-uno-helfen\/"},"modified":"2020-04-17T08:11:52","modified_gmt":"2020-04-17T08:11:52","slug":"corona-in-hungerstaaten-so-will-die-uno-helfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-in-hungerstaaten-so-will-die-uno-helfen\/","title":{"rendered":"Corona in Hungerstaaten: So will die UNO helfen"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Was tun, wenn das Coronavirus auf Armut trifft? Arif Husain, der Chef\u00f6konom des World Food Programme, \u00fcber Luftbr\u00fccken und die Schwierigkeiten, hungernde Menschen vor Infektionen zu sch\u00fctzen.  <\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Wer arm ist, stirbt eher an einer Infektionskrankheit. Warum?<\/p>\n<p><strong>Husain:<\/strong> Es gibt einen ganz direkten Zusammenhang. Je \u00e4rmer Sie sind, desto schw\u00e4cher ist meist Ihr Immunsystem und desto gr\u00f6\u00dfer ist das Risiko zu erkranken. Wenn Sie keinen Zugang zu Seife und sauberem Wasser haben, wie waschen Sie sich dann die H\u00e4nde? Das ist Realit\u00e4t f\u00fcr rund 750 Millionen Menschen. Sie k\u00f6nnen sich nicht gut ern\u00e4hren, obwohl sie 70 Prozent ihres Einkommens f\u00fcr Essen ausgeben. Besonders kritisch ist es in den Fl\u00fcchtlingslagern.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Sie meinen die gro\u00dfen Lager, die das WFP versorgt - etwa das in Bangladesch mit fast einer Million geflohener Rohingya oder die Lager im S\u00fcden Sudans oder in Kenia an der Grenze zu Somalia. <\/p>\n<p><strong>Husain:<\/strong> Genau. 30 Millionen Menschen leiden weltweit unter extremem Hunger und viele von ihnen leben in solchen Lagern. Um sie machen wir uns die gr\u00f6\u00dften Sorgen. Wir sind sozusagen ihre Lebensversicherung \u2013 ohne uns werden sie diese Krise nicht \u00fcberleben. Wie aber sollen Hunderttausende Geflohene auf so begrenztem Raum &quot;Social Distancing&quot; machen? Das ist unm\u00f6glich. Es gab dort bisher auch keine Hygiene-Kits oder Schutzmasken. <\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Wie kann man in diesen Lagern \u00fcberhaupt auf Corona-Infektionen reagieren?<\/p>\n<p><strong>Husain:<\/strong> Es ist schwierig. Wir nutzen unsere Erfahrungen mit der Ebola-Epidemie 2014\/15 in Westafrika. Unsere oberste Priorit\u00e4t ist die Gesundheit und Sicherheit der Geflohenen und unseres Personals. Um das Infektionsrisiko zu begrenzen, verteilen wir Nahrungsmittel dann nur nach bestimmten medizinischen Sicherheitsverfahren, die von der WHO und den lokalen Gesundheitsbeh\u00f6rden empfohlen werden. Wir haben auch Gesundheitsuntersuchungen, Handwaschstationen und die Aufkl\u00e4rung der Bev\u00f6lkerung \u00fcber Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> K\u00f6nnen Sie rasch genug reagieren?<\/p>\n<p><strong>Husain:<\/strong> Wir versuchen, unsere Expertise bei der Lebensmittelverteilung jetzt f\u00fcr die Gesundheitspr\u00e4vention zu nutzen. Unsere St\u00e4rke ist die Schnelligkeit, mit der Lebensmittel dorthin geliefert werden, wo man sie ben\u00f6tigt. Wir haben an wichtigen Krisenorten wie dem S\u00fcd-Sudan schon jetzt Nahrungsmittelreserven f\u00fcr die n\u00e4chsten schwierigen Monate deponiert. Zudem unterhalten wir etwa in Ghana, Malaysia oder Panama humanit\u00e4re Hilfsdepots, von wo aus wir jetzt Schutzanz\u00fcge, Masken und Notstromaggregate  in die Krisengebiete schicken. Wir sind au\u00dferdem gerade dabei, internationale Koordinationspunkte an wichtigen Orten wie Guangzhou, Li\u00e8ge und Dubai einzurichten, die in der N\u00e4he von Fabriken f\u00fcr medizinische G\u00fcter liegen, die dann ausgeflogen werden. Das Verteilernetz wird also gr\u00f6\u00dfer. Allerdings brauchen wir daf\u00fcr etwa 350 Millionen Dollar \u2013 und davon haben wir bisher nur etwa 25 Prozent erhalten. <\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Die Krisenregionen werden wachsen. WFP-Chef David Beasley sch\u00e4tzte k\u00fcrzlich, dass die Zahl der aktuell Hungernden von 95 Millionen auf \u00fcber 120 Millionen steigen wird.<\/p>\n<p><strong>Husain: <\/strong>Dies wird geschehen, weil wir wegen der Pandemie jetzt Menschen helfen m\u00fcssen, die wir vorher nicht unterst\u00fctzen mussten. Den Armen in den St\u00e4dten etwa und denen, die in Slums leben. Den Hunderttausenden Tagel\u00f6hnern in Asien, die aufgrund der Ausgangssperren \u00fcber Nacht ihre Arbeit verloren haben. In Afrika haben Menschen im Tourismus oder in der Gastronomie keine Arbeit mehr - oder die vielen Stra\u00dfenverk\u00e4ufer. Anders als in reichen L\u00e4ndern gibt es in diesen L\u00e4ndern keine funktionierenden Sozialversicherungssysteme. Wir werden in diesem Jahr wohl zw\u00f6lf Milliarden Dollar ben\u00f6tigen, um wirksam helfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Sie steuern die Hilfe aus Rom, dem Sitz des WFP. Wie muss man sich das vorstellen? <\/p>\n<p><strong>Husain: <\/strong>In normalen Zeiten arbeiten in unserer Zentrale fast 2000 Menschen, die unsere 83 L\u00e4nderb\u00fcros und sechs Regionalb\u00fcros unterst\u00fctzen. Gro\u00dfe Notf\u00e4lle leiten wir vom &quot;Kontrollraum&quot; aus. Hier kommen dann Spezialisten aus der Logistik-, Beschaffungs- und Haushaltsabteilung zusammen, um sich ein klares Bild davon zu machen, wie viele Menschen warum, wo, wie lange und mit welcher Art von Hilfe unterst\u00fctzt werden m\u00fcssen. Gegenw\u00e4rtig arbeiten wir alle von zu Hause. Aber auch dort sitzen unsere Eink\u00e4ufer dann vor ihren Bildschirmen und beobachten die Warenb\u00f6rsen, um im richtigen Zeitpunkt etwa Weizen oder Mais zu kaufen - wenn wir solche Lieferungen nicht aus regionalen Quellen erhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Es gab Kritik daran, dass das WFP haupts\u00e4chlich bei gro\u00dfen Rohstoffkonzernen wie Cargill oder Bunge kauft, weil die oft die g\u00fcnstigsten sind, statt auch lokale Farmer zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>Husain: <\/strong>Das ist nicht ganz richtig. Wir kaufen auf den lokalen M\u00e4rkten so viel ein, wie sie anbieten k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen aber darauf achten, dort nicht die Preise hochzutreiben oder Engp\u00e4sse zu schaffen. Sicher, wir brauchen gro\u00dfe Mengen und wir brauchen sie so billig wie m\u00f6glich. Im vergangenen Jahr haben wir zum Beispiel 1,6 Milliarden Dollar f\u00fcr den weltweiten Einkauf von Nahrungsmitteln wie Mais oder Weizen ausgegeben - aber wir haben auch eine Menge Grundnahrungsmittel in Afrika im Wert von 600 Millionen Dollar gekauft. Selbst wenn sie etwas teurer sind, spart der regionale Einkauf am Ende oft Geld durch die geringeren Transportkosten.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Es gibt in Rom auch die Recherche- und Analyse-Abteilung, die Sie leiten. Dort wird eine weltweite &quot;Hierarchie des Hungers&quot; erstellt, wie es der Schweizer Jean Ziegler k\u00fcrzlich beschrieb. Wo ist die Situation im Moment am schwierigsten?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was tun, wenn das Coronavirus auf Armut trifft? Arif Husain, der Chef\u00f6konom des World Food Programme, \u00fcber Luftbr\u00fccken und die Schwierigkeiten, hungernde Menschen vor Infektionen zu sch\u00fctzen. 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