{"id":203126,"date":"2020-04-16T02:43:54","date_gmt":"2020-04-16T02:43:54","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/die-who-china-und-die-attacke-von-donald-trump\/"},"modified":"2020-04-16T02:43:54","modified_gmt":"2020-04-16T02:43:54","slug":"die-who-china-und-die-attacke-von-donald-trump","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/die-who-china-und-die-attacke-von-donald-trump\/","title":{"rendered":"Die WHO, China und die Attacke von Donald Trump"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">US-Pr\u00e4sident Trump k\u00f6nnte mit seiner Attacke gegen die Weltgesundheitsorganisation einen richtigen Punkt haben: Der WHO mangelt es an Distanz zu Peking.  <\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich die globalen Corona-Erkrankungen unaufhaltsam der Zwei-Millionen-Marke n\u00e4herten, hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag dieser Woche endlich wieder eine gute Nachricht zu verk\u00fcnden.<\/p>\n<p>In der \u00e4thiopischen Hauptstadt Addis Abeba stehe ein Flugzeug bereit, um Schutzkleidung, Thermometer und Beatmungsger\u00e4te auf dem afrikanischen Kontinent zu verteilen.<\/p>\n<p>WHO-Generalsekret\u00e4r Tedros Adhanom Ghebreyesus, allgemein Tedros genannt, freute sich \u00fcber diesen ersten &quot;Solidarit\u00e4tsflug&quot;. Die Lieferung sei &quot;Teil einer gr\u00f6\u00dferen Bem\u00fchung, lebensrettendes medizinisches Material in 95 L\u00e4nder zu schaffen&quot;, sagte er.<\/p>\n<h3>Trump attackiert WHO - und damit China<\/h3>\n<p>Wenige Stunden sp\u00e4ter musste Tedros allerdings einen schweren Schlag einstecken. US-Pr\u00e4sident Donald Trump erkl\u00e4rte, er werde bis auf weiteres kein Geld mehr an die WHO \u00fcberweisen. Die Vereinigten Staaten sind der gr\u00f6\u00dfte Beitragszahler, die mehr als 400 Millionen Dollar aus Washington deckten 2019 rund 15 Prozent des Budgets ab.<\/p>\n<p>Trump, der die WHO schon fr\u00fcher attackiert hatte, warf ihr schwere Fehler bei der Bek\u00e4mpfung der Corona-Pandemie vor. Die unter dem Dach der Uno arbeitende Organisation habe &quot;bei ihrer zentralen Aufgabe versagt&quot;.<\/p>\n<p>Vor allem ihr Verh\u00e4ltnis zu China sei ein ernstes Problem: Die WHO habe chinesische &quot;Falschinformationen&quot; propagiert und dadurch die Ausbreitung des Virus gef\u00f6rdert. Seine Regierung, so Trump, werde die Fehler der WHO in den n\u00e4chsten zwei bis drei Monaten gr\u00fcndlich untersuchen.<\/p>\n<p>Ein geschicktes PR-Man\u00f6ver ist Trumps Vorsto\u00df auf jeden Fall. F\u00fcr ihn und seine Anh\u00e4nger ist die WHO in Verbindung mit China der ideale S\u00fcndenbock. Auf einen Schlag trifft der US-Pr\u00e4sident gleich zwei seiner liebsten Feindbilder: eine internationale Organisation und den geopolitischen Konkurrenten Nummer eins.<\/p>\n<h3>&quot;China hat sehr hart daran gearbeitet, das Coronavirus einzud\u00e4mmen&quot;<\/h3>\n<p>Gr\u00fcnde, von eigenen Fehlern abzulenken, hat er reichlich. Wochenlang hatte Trump das Virus untersch\u00e4tzt und verharmlost, ehe die Krankheitswelle sein Land brutal \u00fcberrollte.<\/p>\n<p>Als im Januar der erste Covid-19 Fall in den USA bekannt wurde, sagte er unger\u00fchrt: &quot;Wir haben es v\u00f6llig unter Kontrolle.&quot; Noch Mitte M\u00e4rz \u00e4u\u00dferte er sich \u00e4hnlich. Mehrfach lobte er den chinesischen Pr\u00e4sidenten Xi Jinping: &quot;China hat sehr hart daran gearbeitet, das Coronavirus einzud\u00e4mmen&quot;, schrieb er in einem Tweet. Und f\u00fcgte hinzu, im Namen der Amerikaner wolle er Xi danken.<\/p>\n<p>Doch ist seine Kritik an der Weltgesundheitsorganisation deshalb unbegr\u00fcndet? Es k\u00f6nnte beides richtig sein: Dass Trump sich aus einer von ihm mitverschuldeten Krise herauswinden will. Und dass die wichtigste globale Instanz f\u00fcr Gesundheitsfragen Fehler begangen hat.<\/p>\n<h3>Es gibt Indizien f\u00fcr Vers\u00e4umnisse der WHO<\/h3>\n<p>Kaum ein Zweifel besteht, dass China in den ersten Wochen versucht hat, die aufkommende Epidemie zu vertuschen. Wie weit sich die WHO daran beteiligt hat, bedarf allerdings weiterer Aufkl\u00e4rung. Indizien f\u00fcr m\u00f6gliche Vers\u00e4umnisse liegen vor: besch\u00f6nigende \u00c4u\u00dferungen, z\u00f6gerliches Handeln. Aus einer Chronik der Ereignisse l\u00e4sst sich das gut ablesen:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p><strong>31. Dezember 2019:<\/strong> Die Gesundheitsbeh\u00f6rde in Wuhan gibt bekannt, dass sich 27 Personen mit einem neuartigen Virus angesteckt haben. Zuvor waren \u00c4rzte, die auf die unbekannte Erkrankung hinwiesen, mundtot gemacht worden. Am selben Tag erl\u00e4sst Taiwan Schutzma\u00dfnahmen gegen die Verbreitung des Erregers. Der demokratische Inselstaat, aus Sicht Chinas eine &quot;abtr\u00fcnnige Provinz&quot;, geh\u00f6rt auf Betreiben Pekings nicht der WHO an.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>1. Januar 2020:<\/strong> Die WHO gibt an ihrem Genfer Hauptsitz eine Erkl\u00e4rung heraus: &quot;Alle Indizien deuten darauf hin, dass der Ausbruch in Verbindung zu Ansteckungen auf einem Fischmarkt in Wuhan steht.&quot; Es gebe keine klaren Hinweise auf eine \u00dcbertragung von Mensch zu Mensch.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>4. Januar:<\/strong> Der Virologe Yuen Kwok-yung von der Universit\u00e4t Hongkong dr\u00e4ngt darauf, dass die teilweise autonome Stadt ihre Grenzen zu China schlie\u00dft. Zum Verdruss Pekings ruft Hongkong den Notfall aus.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>10. Januar:<\/strong> Ein Team um Yuen entdeckt, dass sich eine Familie aus Shenzen mit dem Coronavirus infiziert hat \u2013 ein deutlicher Hinweis auf eine menschliche Ansteckungskette.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>\n<p><strong>14. Januar:<\/strong> Die WHO sendet \u00fcber Twitter eine beruhigende Nachricht in die Welt: &quot;Vorl\u00e4ufige Untersuchungen der chinesischen Beh\u00f6rden haben keinen klaren Beweis daf\u00fcr ergeben, dass sich das neue #coronavirus durch Mensch-zu-Mensch-\u00dcbertragung verbreitet.&quot; Die Chinesen selbst \u00e4u\u00dfern sich in einem Bulletin vorsichtiger: &quot;Die M\u00f6glichkeit einer begrenzten Mensch-zu-Mensch-\u00dcbertragung kann nicht ausgeschlossen werden.&quot;<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>\n<p><strong>20. Januar:<\/strong> Erstmals best\u00e4tigt China \u00f6ffentlich, dass sich Sars-CoV-2 von Mensch zu Mensch ausbreitet. Die Abriegelung von Wuhan beginnt. Bei einem China-Besuch lobt WHO-Chef Tedros das Land, es setze &quot;einen neuen Standard f\u00fcr die Reaktion auf einen Krankheitsausbruch&quot;.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>30. Januar:<\/strong> Die WHO erkl\u00e4rt, dass nach ihren Kriterien eine &quot;gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite vorliege&quot;.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>31. Januar:<\/strong> Gauden Galea, WHO-Vertreter in Peking, informiert eine Runde internationaler Diplomaten in einer Videokonferenz \u00fcber die Lage. Vehement vertritt er nach einem Bericht der kanadischen Zeitung &quot;The Globe and Mail&quot; die WHO-Linie, alle Grenzen offen zu halten. Dies deckt sich mit dem Interesse Chinas. Eine Sprecherin des Au\u00dfenministeriums in Peking verurteilt Staaten, die entgegen der WHO-Empfehlung ihre Grenzen schlie\u00dfen: Sie w\u00fcrden &quot;Panik in der \u00d6ffentlichkeit verbreiten&quot;.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>\n<p><strong>7. Februar:<\/strong> In Wuhan stirbt der Augenarzt Li Wenglian an den Folgen einer Coronavirus-Infektion. Li geh\u00f6rte im Dezember zu den ersten chinesischen \u00c4rzten, die auf die Gefahr durch den neuen Erreger aufmerksam machten. Von den Beh\u00f6rden wurde er deshalb gema\u00dfregelt. \u00d6ffentliche Kritik der WHO an dieser Zensur gab es nicht. Michael Ryan, einer der WHO-Exekutivdirektoren, sagt nach Lis Tod besch\u00f6nigend: &quot;Es gibt eine nachvollziehbare Verwirrung, die zu Beginn einer Epidemie auftritt.&quot; Es sei wichtig, &quot;Missverst\u00e4ndnisse und Fehlinformationen begrifflich zu unterscheiden&quot;.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>16.-24. Februar: <\/strong>Ein 25-k\u00f6pfiges WHO-Team informiert sich in China. Im anschlie\u00dfenden Report hei\u00dft es: &quot;Chinas mutiges Vorgehen (...) hat den Verlauf einer schnell eskalierenden und t\u00f6dlichen Epidemie ver\u00e4ndert.&quot; Kein Wort der Kritik. Bruce Aylward, einer der Delegationsleiter, lobt China f\u00fcr den &quot;wahrscheinlich ambitioniertesten und meiner Meinung nach entschlossensten und flexibelsten Versuch einer Krankheitseind\u00e4mmung in der Geschichte&quot;. Sollte er an Covid-19 erkranken, so der Kanadier, &quot;dann m\u00f6chte ich in China behandelt werden&quot;.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>11. M\u00e4rz:<\/strong> Die WHO erkl\u00e4rt die globale Coronavirus-Verbreitung zur Pandemie \u2013 zweieinhalb Monate, nachdem die Organisation erstmals aus China \u00fcber die neuartige Krankheit informiert wurde.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Bei Sars trat die WHO h\u00e4rter gegen Peking auf<\/h3>\n<p>Aufschlussreich ist der Unterschied zur Sars-Epidemie. Unter der damaligen WHO-Chefin Gro Harlem Brundtland verhielt sich die WHO gegen\u00fcber China deutlich entschiedener. Als im November 2002 erste Sars-F\u00e4lle in China auftraten, erstatteten die Beh\u00f6rden keine Meldung an die WHO. Die Organisation bekam dennoch Wind davon und setzte China unter Druck, Informationen zu herauszugeben.<\/p>\n<p>Brundlandt kritisierte die Chinesen \u00f6ffentlich: Der Ausbruch h\u00e4tte einged\u00e4mmt werden k\u00f6nnen, sagte die Norwegerin, &quot;wenn die WHO in der Lage gewesen w\u00e4re, in einem fr\u00fcheren Stadium zu helfen&quot;.<\/p>\n<p>Der heutige Amtsinhaber hat sich als \u00e4thiopischer Gesundheitsminister von 2005 bis 2012 dadurch einen Namen gemacht, dass er energisch gegen schwere Krankheiten wie Malaria, Aids und Tuberkulose vorging und die Zahl der Toten deutlich gesenkt hat.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend war er vier Jahre Au\u00dfenminister seines Landes. Lawrence Gostin, Professor f\u00fcr Globales Gesundheitsrecht an der Georgetown University Law School in der US-Hauptstadt Washington, sagt \u00fcber Tedros: &quot;Er ist sehr politisch, keine Frage. Und manchmal ist er zu politisch.&quot;<\/p>\n<h3>Die Europ\u00e4er halten sich aus guten Gr\u00fcnden zur\u00fcck<\/h3>\n<p>Wie weit ist die WHO unter seiner F\u00fchrung mitverantwortlich f\u00fcr die Ausbreitung? Das muss n\u00e4her untersucht werden. Ob die Trump-Regierung einen objektiven Bericht abliefert, wird sich herausstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>US-Pr\u00e4sident Trump k\u00f6nnte mit seiner Attacke gegen die Weltgesundheitsorganisation einen richtigen Punkt haben: Der WHO mangelt es an Distanz zu Peking. 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