{"id":203098,"date":"2020-04-15T22:11:56","date_gmt":"2020-04-15T22:11:56","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/coronavirus-auswirkungen-des-corona-lockdowns-auf-die-psyche\/"},"modified":"2020-04-15T22:11:56","modified_gmt":"2020-04-15T22:11:56","slug":"coronavirus-auswirkungen-des-corona-lockdowns-auf-die-psyche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/coronavirus-auswirkungen-des-corona-lockdowns-auf-die-psyche\/","title":{"rendered":"Coronavirus: Auswirkungen des Corona-Lockdowns auf die Psyche"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Wie wirkt sich der Corona-Lockdown auf die psychische Gesundheit einer ganzen Gesellschaft aus? Studien belegen einen Anstieg von Depressionen und Angstzust\u00e4nden in bestimmten Gruppen. Aber es gibt auch Chancen.  <\/p>\n<p>Menschen, die sich um diese Jahreszeit normalerweise mit Freunden und Familie im Park, am Strand oder im Lieblingscaf\u00e9 treffen w\u00fcrden, stehen jetzt brav vor dem Supermarkt Schlange und halten dabei mithilfe der provisorisch auf den Boden geklebten Striche Abstand voneinander. Nach dem Einkauf geht es, Passanten weitr\u00e4umig ausweichend, auf direktem Weg zur\u00fcck in die eigenen vier W\u00e4nde. Nicht immer wartet dort jemand.<\/p>\n<p>Alles ist anders dieser Tage. Und auch, wenn der Pr\u00e4sident des Robert Koch-Instituts die Bev\u00f6lkerung daf\u00fcr lobt, sich vorbildlich an die auferlegten Ma\u00dfnahmen zu halten, kann einem schon etwas mulmig werden beim Gedanken daran, dass nicht einmal Lothar Wieler genau sagen kann, wie lange die Social-Distancing-Auflagen noch andauern werden.<\/p>\n<h3>Soziale Isolation triggert \u00c4ngste<\/h3>\n<p>Nicht jeder empfindet diese Zeit gerade als entschleunigend. F\u00fcr Menschen, die unter psychischen Krankheiten leiden, stellt die soziale Isolation eine besondere Herausforderung dar, sie triggert \u00c4ngste oder Depressionen. Je l\u00e4nger die Ma\u00dfnahmen andauern, desto h\u00f6her wird das Risiko, dass sich die mentale Belastung des Lockdowns auch auf psychisch gesunde Menschen auswirkt - oder sogar auf die gesamte Gesellschaft.<\/p>\n<p>Durch die Pandemie droht eine erhebliche Zunahme von Depressionen und Angstzust\u00e4nden, von Substanzmissbrauch, Einsamkeit und h\u00e4uslicher Gewalt, schreiben internationale Forscher in einem Beitrag, der vergangene Woche im Fachjournal &quot;Jama&quot; ver\u00f6ffentlicht wurde. Bereits fr\u00fchere Katastrophen gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00dfes - wie etwa der Anschlag auf das World Trade Center in New York oder Naturkatastrophen wie Hurrikane - waren den Wissenschaftlern zufolge immer begleitet von einem Anstieg an Depressionen, posttraumatischen Belastungsst\u00f6rungen und anderen psychischen Krankheiten in der Gesellschaft.<\/p>\n<p>&quot;Auch die Coronakrise k\u00f6nnte zu einer psychischen Gesundheitskrise werden&quot;, sagt Raffael Kalisch vom Leibniz-Institut f\u00fcr Resilienzforschung (RIL) in Mainz. Zusammen mit der Charit\u00e9 Berlin und einem Konsortium von rund 70 anderen Resilienzforschern hat Kalisch eine weltweite Studie gestartet, die untersucht, welche Faktoren die Psyche in der Coronakrise sch\u00fctzen. &quot;Wir haben es mit einer unbekannten Bedrohung zu tun: Auf einmal vermengen sich wirtschaftliche und medizinische Faktoren&quot;, sagt Kalisch. &quot;Nach dem Lockdown wird es Menschen geben, die durch die Krise materiell und psychisch schwer gesch\u00e4digt sein werden.&quot;<\/p>\n<p>Bereits in fr\u00fcheren Studien zum Einfluss von Quarant\u00e4nema\u00dfnahmen auf die Psyche wurde herausgefunden, dass besonders die Angst um die eigene Gesundheit und die der Angeh\u00f6rigen, eine fehlende Alltagsroutine, fehlender sozialer und k\u00f6rperlicher Kontakt, Langeweile und der Mangel an Vorr\u00e4ten und medizinischer Versorgung sich negativ auf die mentale Gesundheit auswirken k\u00f6nnen. Die Belastung nimmt demnach mit der Dauer der Quarant\u00e4ne zu.<\/p>\n<p>Und auch nach dem Lockdown drohen Stressfaktoren wie finanzielle Probleme durch Arbeitsausfall und finanzielle Abh\u00e4ngigkeit von Angeh\u00f6rigen, insbesondere bei Geringverdienern.<\/p>\n<p>Die Dynacore-Studie (Dynamische Modellierung der Corona-Resilienz) soll nun Aufschluss dar\u00fcber geben, welche Menschen mit dem durch die aktuelle Krise ausgel\u00f6sten Stress besser umgehen k\u00f6nnen - und warum. &quot;Wenn wir die Resilienzfaktoren kennen, k\u00f6nnen wir Handlungsempfehlungen ableiten&quot;, sagt Resilienzforscher Kalisch. Resilienz bezeichnet die F\u00e4higkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende psychische Beeintr\u00e4chtigung zu \u00fcberstehen. Diese psychische Widerstandsf\u00e4higkeit sei nicht angeboren, sondern das Ergebnis eines Anpassungsprozesses, der w\u00e4hrend einer Krise stattfindet, so Kalisch: &quot;Solche F\u00e4higkeiten kann man trainieren.&quot;<\/p>\n<p>Das Gehirn sei erst einmal so gepolt, dass es Informationen dar\u00fcber sammele, was die Zukunft bringen k\u00f6nnte. &quot;Da erhalten wir gerade keine guten Infos, also fangen wir an zu gr\u00fcbeln&quot;, erkl\u00e4rt Kalisch. &quot;Das ist besonders f\u00fcr diejenigen schwierig, die anf\u00e4llig sind f\u00fcr stressbedingte Erkrankungen oder Depressionen.&quot; Wichtig sei es daher, nicht nur die Informationsaufnahme zu kontrollieren, sondern sich auch mit positiven Menschen zu umgeben und produktiv und prosozial mit der Situation umzugehen.<\/p>\n<p>Die ersten Zwischenergebnisse der Onlinebefragung von rund 5000 Teilnehmern aus Europa liegen bereits vor. &quot;Wir k\u00f6nnen beobachten, dass die psychische Gesundheit der Menschen stark davon abh\u00e4ngt, wie sie Bedrohungen generell und die Bedrohung durch Corona im Besonderen f\u00fcr sich pers\u00f6nlich bewerten&quot;, sagt Kalisch. &quot;Wer dazu neigt, die positiven Aspekte zu sehen und zu akzeptieren, was man nicht \u00e4ndern kann, scheint besser mit der Krise klarzukommen.&quot; Optimisten zeigten eine gr\u00f6\u00dfere Resilienz. Dabei gehe es nicht darum, die Gefahr zu verharmlosen, sondern sie realistisch einzusch\u00e4tzen: &quot;Blinder Optimismus hilft auch nicht - man sollte einfach nicht \u00fcberreagieren.&quot;<\/p>\n<p>Die Forscher seien bereits dabei, eine App zu entwickeln, die Menschen helfen soll, positive Denkmuster zu entwickeln. &quot;Wer etwa daran denkt, wem es gerade sehr viel schlechter geht, bewertet seine eigene Situation automatisch als nicht so schlimm&quot;, sagt Kalisch. &quot;Man kann auch dar\u00fcber nachdenken, ob man andere unterst\u00fctzen k\u00f6nnte oder sich auf seine St\u00e4rken besinnen.&quot;<\/p>\n<p>Daten aus China weisen darauf hin, dass die Rate an Depressionen, Angst und Schlafproblemen seit dem Corona-Ausbruch in dem Land gestiegen ist. Vor allem junge Menschen und Mitarbeiter des Gesundheitswesens scheinen demnach einem erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr psychische Erkrankungen ausgesetzt zu sein.<\/p>\n<h3>Gew\u00f6hnung an die Krise setzt ein<\/h3>\n<p>In Deutschland beobachtet das Projekt &quot;Cosmo&quot; die psychologische Lage der Bev\u00f6lkerung. Aus den w\u00f6chentlichen Umfragen, die federf\u00fchrend von der Universit\u00e4t Erfurt durchgef\u00fchrt und unter anderem vom RKI und der Bundeszentrale f\u00fcr gesundheitliche Aufkl\u00e4rung unterst\u00fctzt werden, geht ebenfalls hervor, dass es vor allem die jungen Menschen sind, die die Corona-Lage als belastend einsch\u00e4tzen. Sie zeigen demnach mehr Langeweile, Einsamkeit, Niedergeschlagenheit, Nervosit\u00e4t und Angst als \u00e4ltere.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wirkt sich der Corona-Lockdown auf die psychische Gesundheit einer ganzen Gesellschaft aus? 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