{"id":203006,"date":"2020-04-15T10:01:54","date_gmt":"2020-04-15T10:01:54","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/wie-homeoffice-die-coronavirus-verbreitung-bremst\/"},"modified":"2020-04-15T10:01:54","modified_gmt":"2020-04-15T10:01:54","slug":"wie-homeoffice-die-coronavirus-verbreitung-bremst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/wie-homeoffice-die-coronavirus-verbreitung-bremst\/","title":{"rendered":"Wie Homeoffice die Coronavirus-Verbreitung bremst"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Deutschland sehnt sich nach der R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t, doch die wird nur schrittweise kommen. \u00d6konomen zeigen, wo man mit Lockerungen anfangen sollte - und welche Rolle dabei das Homeoffice spielt.  <\/p>\n<p>Zu Beginn der Coronakrise gab es in Deutschland viel Kritik an der Politik: Zu gro\u00df seien die Unterschiede zwischen Bundesl\u00e4ndern, St\u00e4dten und Landkreisen, zu wenig einheitlich seien die Krisenma\u00dfnahmen gewesen.<\/p>\n<p>In der Debatte \u00fcber m\u00f6gliche Lockerungen des Lockdowns pl\u00e4dieren Wirtschaftswissenschaftler der Universit\u00e4t Mannheim nun aber f\u00fcr genau das: die Ber\u00fccksichtigung regionaler Unterschiede sowie der besonderen Gegebenheiten in unterschiedlichen Wirtschaftsbranchen. <\/p>\n<p>Der Vorteil liegt auf der Hand: Statt abzuwarten, bis allerorten die Voraussetzungen f\u00fcr das Hochfahren des Wirtschaftslebens gleicherma\u00dfen erf\u00fcllt sein werden, k\u00f6nnten manche Landstriche und Sektoren bereits fr\u00fcher wieder mit der R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t beginnen - sofern ihre Wirtschaftsstruktur die Verbreitung des Virus weniger stark beg\u00fcnstigt.<\/p>\n<p>Die Mannheimer \u00d6konomen Harald Fadinger und Jan Schymik haben einige Zusammenh\u00e4nge zwischen der Entwicklung der Pandemie und der Arbeitsorganisation untersucht. Ihnen ist etwa aufgefallen, dass die Zahl der Covid-19-Infektionen strukturell niedriger ausf\u00e4llt in Regionen, in denen der Anteil Homeoffice-f\u00e4higer Jobs h\u00f6her ist. <\/p>\n<p>Bundesweit liegt der Schnitt bei etwa 42 Prozent aller Arbeitspl\u00e4tze, bei denen ein erheblicher Teil der anfallenden Aufgaben auch aus der Ferne zu erledigen ist.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es starke regionale Unterschiede: In vielen stark durch traditionelle Industrien gepr\u00e4gten Gebieten in S\u00fcddeutschland etwa liegt der WFH-Anteil (<em>working from home<\/em>) unter 40 Prozent. In St\u00e4dten wie Hamburg, Berlin und K\u00f6ln hingegen ist er mit 44 oder 45 Prozent besonders hoch. <\/p>\n<p>Diese Unterschiede haben offenbar auch bei der bisherigen Verbreitung des Virus eine Rolle gespielt. Regionen mit vielen Homeoffice-f\u00e4higen Jobs jedenfalls haben in den vergangenen Wochen niedrigere Infektionszahlen gemeldet. Eine um einen Prozentpunkt h\u00f6here Homeoffice-Quote geht - gerechnet auf je 100.000 Einwohner - mit &quot;20 Infektionen weniger und 0,9 Todesf\u00e4llen weniger einher&quot;, sagt Forscher Fadinger. Der Zusammenhang sei statistisch signifikant.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: In Bayern ist der Regierungsbezirk Niederbayern stark von der Pandemie betroffen. Die WFH-Rate in Niederbayern liegt bei 38 Prozent, verglichen mit 45 Prozent in Berlin. L\u00e4ge die Homeoffice-Quote in der Hauptstadt allerdings genauso niedrig wie in Niederbayern, w\u00e4ren dort statt bisher rund 5000 mehr als 9000 F\u00e4lle zu erwarten und statt etwa 50 Toten mehr als 200.<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler leiten aus ihren Beobachtungen eine eindeutige Empfehlung an Politik und Arbeitgeber ab: Das Homeoffice-Gebot sollte &quot;so lange wie m\u00f6glich aufrechterhalten werden, auch in der Phase der Reaktivierung der Wirtschaft&quot;. Grund daf\u00fcr sei die deutlich h\u00f6here Zahl an Kontakten auf dem Weg zur Arbeit und im B\u00fcro selbst.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite zeigen die Zahlen auch: Noch vor 10 oder 15 Jahren h\u00e4tte eine \u00e4hnliche Pandemie die deutsche Wirtschaft vermutlich noch deutlich st\u00e4rker in Mitleidenschaft gezogen - weil die Infrastruktur f\u00fcr massenhaftes Arbeiten von zu Hause damals noch viel weniger ausgebaut war.<\/p>\n<h3>Warum nicht alle Regionen gleichzeitig zur Normalit\u00e4t zur\u00fcckkehren sollten<\/h3>\n<p>Die starken regionalen Unterschiede von Homeoffice-M\u00f6glichkeiten sind eine Folge der unterschiedlichen Wirtschaftsstruktur in verschiedenen Landesteilen Deutschlands. Die \u00d6konomen pl\u00e4dieren daf\u00fcr, dass auch eine Exit-Strategie der Politik dem Rechnung tragen m\u00fcsse.<\/p>\n<p>In Betracht gezogen werden m\u00fcsse beispielsweise, dass eine zus\u00e4tzliche Woche Lockdown je nach geografischer Lage und betroffener Branche sehr unterschiedliche Folgen habe. Jede weitere Woche Ausgangssperre koste die deutsche Wirtschaft <em>insgesamt <\/em>etwa 1,6 Prozent des j\u00e4hrlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP).<\/p>\n<p>Dies ist allerdings ein bundesweiter Mittelwert, die regionalen Abweichungen sind erheblich. Besonders stark leidet die Wirtschaftskraft demnach in T\u00fcbingen (minus 1,77 Prozent), Stuttgart (1,76 Prozent) und der Oberpfalz (1,73 Prozent). Deutlich glimpflicher hingegen fallen die Folgen einer Woche Lockdown in Berlin und Hamburg aus (minus 1,36 und minus 1,43 Prozent aus).<\/p>\n<p>Diese Daten sind Sch\u00e4tzwerte. Die Forscher haben f\u00fcr ihre Berechnungen mehrere Vereinfachungen vorgenommen. So treffen sie die Annahme, dass im Lockdown jeder voll arbeitet, der die M\u00f6glichkeit zu Homeoffice hat - alle anderen aber gar nicht. Dieses Szenario entspricht allerdings nicht der aktuellen Lage, in Deutschland arbeiten noch immer viele Menschen in Fabriken und B\u00fcros. Anderseits sind viele Menschen im Homeoffice vermutlich nicht voll einsatzf\u00e4hig, etwa, wenn sie Kinder betreuen m\u00fcssen. Die Kosten im Szenario geben deshalb nur n\u00e4herungsweise den tats\u00e4chlichen Effekt auf die Wirtschaft wieder.<\/p>\n<p>Neben regionalen Unterschieden kommen Abweichungen je nach Wirtschaftsbranche hinzu. In einigen Sektoren f\u00e4llt der positive Nutzen einer (fr\u00fchen) R\u00fcckkehr zur Arbeit deutlich h\u00f6her aus, als in anderen. Sofern aus Gr\u00fcnden der Seucheneind\u00e4mmung zun\u00e4chst nur Teile des Wirtschaftslebens wieder hochgefahren werden, sollten nach Ansicht der \u00d6konomen dabei Bereiche mit einem &quot;hohen BIP-Multiplikator&quot; Vorrang haben. Mit dieser Formulierung beschreiben Volkswirte Branchen, in denen jede zus\u00e4tzliche Arbeitskraft einen \u00fcberproportional gro\u00dfen Beitrag zur Wirtschaftsleistung leistet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland sehnt sich nach der R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t, doch die wird nur schrittweise kommen. \u00d6konomen zeigen, wo man mit Lockerungen anfangen sollte - und welche Rolle dabei das Homeoffice spielt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":203007,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-203006","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-germany"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/203006","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=203006"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/203006\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/203007"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=203006"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=203006"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=203006"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}