{"id":202986,"date":"2020-04-15T07:51:50","date_gmt":"2020-04-15T07:51:50","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-welche-zahlen-fur-eine-lockerung-sprechen-und-welche-dagegen\/"},"modified":"2020-04-15T07:51:50","modified_gmt":"2020-04-15T07:51:50","slug":"corona-welche-zahlen-fur-eine-lockerung-sprechen-und-welche-dagegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-welche-zahlen-fur-eine-lockerung-sprechen-und-welche-dagegen\/","title":{"rendered":"Corona: Welche Zahlen f\u00fcr eine Lockerung sprechen &#8212; und welche dagegen"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Politiker und Wissenschaftler haben mehrere Kennziffern angef\u00fchrt, die \u00fcber eine Lockerung des Shutdowns mitentscheiden. Welche Ziele erf\u00fcllt sind - und welche Pl\u00e4ne Wissenschaftler f\u00fcr den Ausstieg haben.  <\/p>\n<p>Nun sagt, wie habt ihr es mit dem Corona-Lockdown? Wie Faust im Goethe-Klassiker stand die Politik in den vergangenen Wochen vor einer wichtigen Frage - rang jedoch mit der Antwort: &quot;Nach Ostern wissen wir mehr.&quot; Zu detaillierteren Aussagen lie\u00dfen sich die meisten nicht hinrei\u00dfen. Nach Ostern, diesem Moment fiebert die \u00f6ffentliche Erwartung seitdem entgegen. Nun ist es so weit: Am Mittwoch beraten Bund und L\u00e4nder \u00fcber die Zukunft der aktuell geltenden Regeln gegen die Ausbreitung des Coronavirus.<\/p>\n<p>Der Zeitpunkt f\u00fcr erste Antworten auf die Gretchenfrage scheint damit gekommen. Und anders als Faust hofft die Politik nicht, dass sich die Bev\u00f6lkerung die Antwort selbst zusammenreimt. Es m\u00fcssen Entscheidungen her.<\/p>\n<h3>Ein Gradmesser allein entscheidet nicht \u00fcber eine Lockerung<\/h3>\n<p>Doch unter welchen Bedingungen w\u00e4re der schrittweise Ausstieg \u00fcberhaupt zu verantworten? Um konkrete Antworten dr\u00fcckten sich Politiker und Wissenschaftler lange herum. Sie nannten verschiedene Kennzahlen.<\/p>\n<p>Besonders h\u00e4ufig wurde in den vergangenen Wochen die <strong>Verdopplungszeit<\/strong> zitiert. Sie gibt an, wie viel Zeit vergeht, bis sich die Anzahl der positiv auf das Coronavirus Getesteten verdoppelt hat. &quot;Wir m\u00fcssen es schaffen, dass die Zahlen sich nur alle zehn Tage verdoppeln, besser l\u00e4nger&quot;, sagte beispielsweise NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann Ende M\u00e4rz. Sp\u00e4ter sprach der CDU-Politiker von zw\u00f6lf oder noch besser 16 Tagen.<\/p>\n<p>Wie kam es zu der Steigerung? \u00c4ltere Patienten sind l\u00e4nger auf Beatmung angewiesen als anfangs gedacht, erkl\u00e4rte Angela Merkel vergangene Woche in einer Pressekonferenz. Der Grund: In Deutschland waren anfangs im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern j\u00fcngere Patienten erkrankt, die nicht so lange intensivmedizinisch behandelt werden mussten. Mittlerweile ist der Anteil \u00e4lterer Patienten allerdings gestiegen.<\/p>\n<p>Das Problem: Es gibt nicht <em>die <\/em>eine Verdopplungszeit. Je nach Datengrundlage und Rechenweg k\u00f6nnen sehr unterschiedliche Ergebnisse herauskommen. F\u00fcr Deutschland kursierten zuletzt Werte von deutlich \u00fcber 20 Tagen - die Forderung von Politikern w\u00e4re mehr als erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Allerdings werden in solche \u00dcbersichten teilweise auch Patienten mitgez\u00e4hlt, die mittlerweile wieder gesund sind oder tot. Sie verzerren damit die aktuelle Entwicklung. Und: Die Verdopplungszeit ist vor allem in der Phase der Pandemie aussagekr\u00e4ftig, in der sich ein Erreger exponentiell ausbreitet. In Deutschland hat sich das Wachstum aber mittlerweile wieder abgeflacht. (Mehr dazu lesen Sie hier.)<\/p>\n<p>Auch der Regierung sind diese Unsicherheiten bekannt. Sie hat zudem in der Vergangenheit mehrfach betont, die Verdopplungszeit sei nicht das einzige Kriterium, das f\u00fcr eine Entscheidung \u00fcber Lockerungen herangezogen werde.<\/p>\n<p>Wegen der Unsicherheiten hat sich der SPIEGEL entschieden, nicht mehr die Verdopplungszeit abzubilden, sondern den <strong>Trend bei den Neuinfektionen<\/strong>. Der Wert zeigt auf einen Blick, ob die t\u00e4glich neu nachgewiesenen F\u00e4lle zuletzt im Vergleich zur Vorwoche mehr oder weniger wurden. Demnach ist in Deutschland die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen gegen\u00fcber den sieben Tagen davor um rund ein Drittel gesunken.<\/p>\n<p>Allerdings hat sich die <strong>Zahl der Neuinfektionen<\/strong> auf einem hohen Niveau eingependelt, erkl\u00e4rte der Pr\u00e4sident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Und es gebe noch keinen eindeutigen Trend, dass die Zahlen zur\u00fcckgingen. Um die Epidemie einzud\u00e4mmen, d\u00fcrfte die Anzahl der neuen Corona-F\u00e4lle pro Tag \u00fcber mindestens eine Woche hinweg einen gewissen Wert nicht \u00fcberschreiten. Wie hoch dieser ist, sagte Wieler allerdings nicht.<\/p>\n<p>Als einen entscheidenden Faktor hatte der RKI-Chef zudem immer wieder die <strong>Reproduktionszahl<\/strong> ins Spiel gebracht. Sie beschreibt, wie viele Menschen ein Corona-Patient ansteckt. Sind es mehr als einer, breitet sich der Erreger aus, sind es weniger, geht die Zahl der Infektionen zur\u00fcck. &quot;Wir m\u00fcssen die Reproduktionsrate unter 1 dr\u00fccken&quot;, sagte Wieler. Anfang M\u00e4rz lag der Faktor noch bei drei, mittlerweile hat er sich bei einem Wert um 1 stabilisiert. Laut den zuletzt ver\u00f6ffentlichten Zahlen ist er bundesweit jedoch noch nicht unter 1 gesunken.  <\/p>\n<p>Kanzlerin Merkel hatte in einer Pressekonferenz auch <strong>das Verh\u00e4ltnis von Genesenen und Erkrankten<\/strong> als m\u00f6gliche Ma\u00dfzahl der Pandemie ins Spiel gebracht, also ob an einem Tag mehr Menschen an dem Coronavirus erkranken oder sich davon erholen.<\/p>\n<p>In Deutschland ist die Zahl der Genesenen jedoch nicht meldepflichtig. Manche Gesundheits\u00e4mter weisen sie aus, andere nicht. Das RKI ver\u00f6ffentlicht inzwischen eine Sch\u00e4tzung der Genesenen. Sie beruht auf der Annahme, dass jemand, bei dem das Coronavirus nachgewiesen wird, die Krankheit innerhalb von zwei Wochen \u00fcberstanden hat, wenn kein schwerer Verlauf bekannt wird. In den vergangenen Tagen zeigte sich ein erster Trend in positiver Richtung: Die Zahl der t\u00e4glich (sch\u00e4tzungsweise!) neu Genesenen lag meist h\u00f6her als die Zahl der best\u00e4tigt Neuinfizierten. Allerdings ist dieser Trend noch nicht kontinuierlich und mit Unsicherheiten behaftet. Sowohl das Sch\u00e4tzverfahren bei den Genesenen als auch \u00fcber die Ostertage wom\u00f6glich versp\u00e4tet gemeldete Neuinfizierte k\u00f6nnen die Werte beeinflussen.<\/p>\n<h3><strong>Was folgt aus all dem?<\/strong><\/h3>\n<p>Die strikten Ma\u00dfnahmen zeigen also durchaus Wirkung. Die Zahl der Infektionen ist in den vergangenen Wochen zur\u00fcckgegangen. So viel steht fest. Zudem haben einige Kennziffern wie die Verdopplungszeit inzwischen Werte erreicht, die Politiker zuvor als Gradmesser ins Spiel gebracht hatten. Allerdings ist gerade dieser Wert nicht besonders zuverl\u00e4ssig und: Andere Werte, insbesondere die Reproduktionszahl, hinken den Zielen hinterher.<\/p>\n<p>Wissenschaftler haben daher erste Ideen f\u00fcr Exit-Strategien entwickelt. Hier eine \u00dcbersicht \u00fcber die j\u00fcngsten Pl\u00e4ne:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Die Nationale Akademie der Wissenschaften, die Leopoldina, hatte am Montag ihre dritte sogenannte Ad-hoc-Stellungnahme zur Pandemie vorgelegt. Die Forscher aus verschiedenen Disziplinen schlagen beispielsweise vor, Schulen schrittweise zu \u00f6ffnen, Kinderg\u00e4rten sollten dagegen f\u00fcr den Regelbetrieb noch bis zum Anfang der Sommerferien geschlossen bleiben. Zudem sprechen sie sich f\u00fcr Schutzmasken und Corona-Apps aus. Allerdings fehlt es laut den Forschern an validen Daten zum Infektions- und Immunit\u00e4tsstatus der Bev\u00f6lkerung. Ein Fahrplan f\u00fcr eine rasche Lockerung der Corona-Ma\u00dfnahmen ist die Stellungnahme damit nicht.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Ein weiteres Papier f\u00fcr die politischen Entscheidungstr\u00e4ger kommt von der Helmholtz-Gemeinschaft. &quot;Wenn wir - nach jetzigem Stand - f\u00fcr weitere drei Wochen strikte Ma\u00dfnahmen ergreifen, k\u00f6nnen wir die Zahl der Neuinfektionen hoffentlich soweit senken, dass sich dann einzelne F\u00e4lle wieder nachverfolgen lassen&quot;, sagte Michael Meyer-Hermann dem SPIEGEL. Der Physiker ist einer von 17 Verfassern der Analyse. Also: Weiter Durchhalten, um eine kontrollierte Vorbereitung f\u00fcr den Ausstieg zu erm\u00f6glichen. Um die Infektionszahl bestm\u00f6glich zu senken, schlagen die Forscher <strong>sogar noch striktere Ma\u00dfnahmen vor<\/strong>.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Auch die Wirtschaftsforscher des gewerkschaftsnahen Instituts f\u00fcr Makro\u00f6konomie und Konjunkturforschung (IMK) in D\u00fcsseldorf haben sich in einem Statement <strong>gegen einen schnellen Ausstieg ausgesprochen<\/strong>. Wenn es wegen eines vorschnellen Endes zu einer erneuten Welle von Corona-Infektionen k\u00e4me, w\u00fcrden neben den gesundheitlichen auch die wirtschaftlichen Risiken steigen, so ihr Fazit. In einem solchen Szenario sei die Gesamtdauer der Umsatzausf\u00e4lle und Betriebsschlie\u00dfungen am Ende gr\u00f6\u00dfer, ebenso die Ausf\u00e4lle beim Bruttoinlandsprodukt (BIP). Zudem verursachten die Kontaktbeschr\u00e4nkungen &quot;deutlich weniger als die H\u00e4lfte&quot; des Wirtschaftseinbruchs in Deutschland. Ein gr\u00f6\u00dferer Teil resultiere aus den Produktions- und Absatzschwierigkeiten des verarbeitenden Gewerbes, zum einen wegen unterbrochener Lieferketten, zum anderen wegen geschw\u00e4chter Nachfrage im In- und Ausland.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>All diese Pl\u00e4ne haben jedoch ein Problem: Ein entscheidender Wert f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung der Lage fehlt noch. Es geht darum, wie viele Menschen sich mittlerweile mit dem Coronavirus angesteckt haben, ohne dass ein Test die Infektion nachgewiesen hat. Im Kreis Heinsberg lag dieser Wert bei 15 Prozent, zeigten erste Zwischenergebnisse einer Studie um den Virologen Hendrick Streeck. Die Werte sind jedoch umstritten und nicht repr\u00e4sentativ f\u00fcr Deutschland. Das Robert Koch-Institut hat Studien angek\u00fcndigt, die die Immunit\u00e4t in der Bev\u00f6lkerung zeigen sollen. Im Mai wird mit ersten Ergebnissen gerechnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politiker und Wissenschaftler haben mehrere Kennziffern angef\u00fchrt, die \u00fcber eine Lockerung des Shutdowns mitentscheiden. Welche Ziele erf\u00fcllt sind - und welche Pl\u00e4ne Wissenschaftler f\u00fcr den Ausstieg haben. 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