{"id":202698,"date":"2020-04-13T14:32:49","date_gmt":"2020-04-13T14:32:49","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-krise-warum-vorhersagen-zu-wirtschaft-und-borse-kaum-moglich-sind\/"},"modified":"2020-04-13T14:32:49","modified_gmt":"2020-04-13T14:32:49","slug":"corona-krise-warum-vorhersagen-zu-wirtschaft-und-borse-kaum-moglich-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-krise-warum-vorhersagen-zu-wirtschaft-und-borse-kaum-moglich-sind\/","title":{"rendered":"Corona-Krise: Warum Vorhersagen zu Wirtschaft und B\u00f6rse kaum m\u00f6glich sind"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Die Halbwertzeit von \u00f6konomischen Prognosen ist in der Coronakrise so kurz wie nie. Belastbare Vorhersagen zum Wirtschaftswachstum oder den B\u00f6rsenkursen sind kaum m\u00f6glich.  <\/p>\n<p>Der beste Kommentar zu den neuen US-Arbeitslosenzahlen kommt von einem kleinen M\u00e4dchen mit Wuschelhaar im babyrosa Sweatshirt: Das Kind sitzt auf dem Teppich und knabbert an einem zerkn\u00fcllten Blatt Papier, das mit Zahlenreihen bedruckt ist. &quot;(Das Softwareprogramm, Anm. d. Red.) STATA intern verarbeitet Deine \u00f6konomische Prognose&quot;, schreibt der Arbeitsmarktexperte Mark Price zu dem von ihm getwitterten Foto, das wohl seine Tochter bei der Arbeit im Home Office zeigt. Ein Scherz, aber ziemlich passend. <\/p>\n<p>Viele Vorhersagen zur Konjunktur enden derzeit zerkn\u00fcllt im Papierkorb. Auch diese Woche lagen die \u00d6konomen bei den Daten zum Arbeitsmarkt wieder falsch: Mit f\u00fcnf Millionen neuen Antr\u00e4gen auf staatliche Unterst\u00fctzung hatten sie gerechnet, tats\u00e4chlich meldeten sich weitere 6,6 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner arbeitslos. Gleichzeitig musste die Regierung ihre Zahlen f\u00fcr die Vorwoche nach oben korrigieren, so dass nun klar sind: Binnen drei Wochen haben mehr als 16 Millionen Menschen ihren Job verloren. <\/p>\n<h3>Immer schlimmere Szenarien<\/h3>\n<p>Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen - wohl nie zuvor beschrieb das gefl\u00fcgelte Wort die Lage der professionellen Wirtschaftsauguren besser. Die Erstellung von Vorhersagen beruhe zu einem erheblichen Teil auf &quot;Geschichte&quot;, sagt Torsten Slok, Chef\u00f6konom von Deutsche Bank Securities in New York. So l\u00e4sst sich am Verlauf der Depression der Drei\u00dfigerjahre oder der Finanzkrise 2008 studieren, wie sich eine Rezession allm\u00e4hlich durch die Wirtschaft frisst. Das j\u00fcngste Job-Massaker in der Coronavirus-Krise aber hat keine Vorbilder. &quot;Einen derartigen Jobverlust in so kurzer Zeit haben wir noch nie in der j\u00fcngeren Geschichte gesehen&quot;, erkl\u00e4rt Slok die Fehlprognosen der Zunft. &quot;Wir hatten einfach keine Fr\u00fchindikatoren, mit denen wir arbeiten konnten.&quot; <\/p>\n<p>Die Pandemie hat die meisten \u00d6konomen genauso kalt erwischt wie die Regierungen und B\u00f6rsianer. Viele, die noch vor zwei Monaten glaubten, dass Covid-19 allenfalls eine Delle im l\u00e4ngsten Aufschwung der US-Geschichte verursachen w\u00fcrde, sind inzwischen mit Schreckensszenarien unterwegs. Und in immer k\u00fcrzeren Abst\u00e4nden werden die Prognosen immer d\u00fcsterer. Noch Mitte M\u00e4rz rechnete der US-Chef\u00f6konom von JP Morgan Chase, Michael Feroli, mit einem R\u00fcckgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal von 14 Prozent. Ende des Monats war Feroli dann schon bei minus 25 Prozent. Sein Chef, CEO Jamie Dimon, setzte noch einen drauf und unkte in seinem j\u00e4hrlichen Aktion\u00e4rsbrief von einem 35-prozentigen Absturz. Derweil geht das &quot;Nowcast&quot;-Statistikmodell der Federal Reserve Bank von New York von einem minimalen Minus im Quartal von 0,4 Prozent aus. <\/p>\n<p>Wie ist eine solche Bandbreite m\u00f6glich? Normalerweise w\u00fcrden alle Experten mit dem etwa gleichen statistischen Modell arbeiten, sagt Slok: &quot;Auf der linken Seite steht, was wir vorhersagen wollen, auf der rechten Seite stehen die Variablen.&quot; Ver\u00e4ndert sich eine Variable - wenn zum Beispiel der Auftragseingang der Unternehmen sinkt - \u00e4ndert sich auch die Prognose. Doch der Schock der Coronakrise schlug f\u00fcr dieses Verfahren zu pl\u00f6tzlich und umfassend durch. &quot;Wir haben nichts, was wir in unseren Modellen quantifizierbar auf der rechten Seite eintragen k\u00f6nnen&quot;, sagt Slok. <\/p>\n<h3>Daten aus Flugh\u00e4fen, Einkaufszentren, Restaurants<\/h3>\n<p>Vielen Experten ist klar, dass ihre Vorhersagen derzeit wenig belastbar sind. Auch der JP-Morgan-Experte Feroli versah seine Zahlen mit dem Warnhinweis, dass man derzeit das Ph\u00e4nomen der &quot;Knightschen Unsicherheit&quot; erlebe, ein Umfeld, in dem die Zukunft so offen ist, dass sich Risiken nicht mehr quantifizieren lassen. Die Notenbank Fed hat die Konsequenz gezogen und bei ihrer letzten Sitzung auf den \u00fcblichen viertelj\u00e4hrigen Ausblick ganz verzichtet. Die wirtschaftliche Zukunft h\u00e4nge davon ab, wie sich das Virus ausbreite, was dagegen unternommen werde und wie lange die Seuche dauern werde, begr\u00fcndete Fed-Chef Jerome Powell den Schritt: &quot;Das ist nichts, was man wissen kann.&quot; <\/p>\n<p>Anders als die Fed fordern die Beobachter der Konjunktur und der B\u00f6rsen das Prognoseschicksal trotzdem heraus. Nicht nur, weil sie es so gelernt haben, sondern auch weil ihre Klientel es verlangt. Die \u00d6ffentlichkeit will wissen, wie schlimm es wird. Die Politik braucht eine Grundlage, um Milliarden-Hilfspakete kalkulieren und beschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Um weiterhin liefern zu k\u00f6nnen, setzen \u00d6konomen auf unorthodoxe Analysemethoden. Slok zum Beispiel hat sich angesehen, wie viel Passagiere an einem Tag im M\u00e4rz an den Sicherheitsschleusen der amerikanischen Flugh\u00e4fen den Pass vorzeigten (normalerweise rund zwei Millionen, pl\u00f6tzlich nur ein Zehntel so viel). Er durchforstete Zahlen zum Publikumsverkehr in Einkaufszentren und Restaurantbuchungen auf dem Reservierungsportal Open Table (minus 100 Prozent). Seine Kollegen betrachten Satellitenbilder zum Verkehrsaufkommen oder verfolgen Staus auf dem Tomtom-Navigationssystem. Andere werden zu Amateur-Epidemiologen und studieren den Verlauf der Spanischen Grippe 2018 im Detail. Aus solchen Puzzlesteinen setzen sie ein Bild der Konjunkturlage zusammen. Aber: &quot;Wir haben einen begrenzten Instrumentenkasten&quot;, r\u00e4umt Slok ein. <\/p>\n<h3>Schlimm, schlimmer - oder am schlimmsten<\/h3>\n<p>Als noch kniffeliger erweisen sich die Kursprognosen f\u00fcr die B\u00f6rsen, die seit Ausbruch der Krise wild schwanken. Ist das \u00c4rgste vorbei? &quot;Die Vorhersagen gehen querbeet&quot;, sagte Michael Antonelli, Strategist bei der Investmentbank Baird, dem Finanznachrichtendienst Bloomberg. Letztlich sei es wie &quot;beim Werfen eines Dartpfeils&quot;. Jeder, der behaupte, eine Prognose zu haben, die f\u00fcr Investitionsentscheidungen tauge, sei &quot;schlicht nicht glaubw\u00fcrdig&quot;, warnt auch Albert Cheung, Forschungschef von Bloombergs Energiesparte BNEF. Cheung ist dazu \u00fcbergangen, nur noch Szenarien zu entwerfen, die davon abh\u00e4ngen, wie sich die Pandemie entwickelt. Also: schlimm, schlimmer oder am schlimmsten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Halbwertzeit von \u00f6konomischen Prognosen ist in der Coronakrise so kurz wie nie. Belastbare Vorhersagen zum Wirtschaftswachstum oder den B\u00f6rsenkursen sind kaum m\u00f6glich. 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