{"id":202678,"date":"2020-04-13T11:22:00","date_gmt":"2020-04-13T11:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/leopoldina-forscher-legen-konkreten-fahrplan-fur-ende-der-kontaktsperren-vor\/"},"modified":"2020-04-13T11:22:00","modified_gmt":"2020-04-13T11:22:00","slug":"leopoldina-forscher-legen-konkreten-fahrplan-fur-ende-der-kontaktsperren-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/leopoldina-forscher-legen-konkreten-fahrplan-fur-ende-der-kontaktsperren-vor\/","title":{"rendered":"Leopoldina-Forscher legen konkreten Fahrplan f\u00fcr Ende der Kontaktsperren vor"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Die Nationalakademie Leopoldina empfiehlt eine baldige R\u00fcckkehr zur Schule. Auch Gesch\u00e4fte und Beh\u00f6rden sollen schrittweise er\u00f6ffnen und Reisen erlaubt werden \u2013 aber unter Bedingungen, so ein Papier, das dem SPIEGEL vorliegt.  <\/p>\n<p>In ihrem bislang letzten \u00f6ffentlichen Auftritt kurz vor Ostern hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel klar formuliert, von welchem wissenschaftlichen Rat sie sich bei ihrem weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie leiten lassen will. &quot;F\u00fcr mich wird eine sehr wichtige Studie die der Nationalen Akademie der Wissenschaften, der Leopoldina sein&quot;, erkl\u00e4rte Merkel auf einer Pressekonferenz vergangenen Donnerstag. Es ginge darum, f\u00fcr die anstehenden Entscheidungen &quot;auf festem Grund&quot; zu stehen. Nur so k\u00f6nnten die vielen drastischen Einschr\u00e4nkungen des \u00f6ffentlichen Lebens wieder aufgehoben werden, so Merkel.<\/p>\n<p>Jetzt ist die Arbeit erschienen, und die Forschungsgemeinschaft mit Sitz in Halle ist ihren Erwartungen gerecht geworden. Auf 19 Seiten hat sie nicht nur medizinisch, \u00f6konomisch, verfassungsrechtlich und psychologisch abgewogen, sondern pr\u00e4zise Handlungsempfehlungen gegeben. Es gelte, &quot;\u00fcber die akuten Einschr\u00e4nkungen zentraler Grundrechte wie die Bewegungsfreiheit hinaus Kriterien und Strategien zur allm\u00e4hlichen R\u00fcckkehr in die Normalit\u00e4t zu entwickeln&quot;, schreiben die Forscher der &quot;Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina&quot; in ihrer Ad-hoc-Stellungnahme, die dem SPIEGEL vorab vorlag.<\/p>\n<p>26 Gelehrte hatten \u00fcber die Ostertage in einem stundenlangen Diskussionsverfahren einen Konsens hergestellt, welche Empfehlungen sie der Regierung geben. Namhafte Wissenschaftler wie der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen Lars Feld, die Ethikerin Claudia Wiesemann, der Rechtsphilosoph Reinhard Merkel oder der Soziologe Armin Nassehi stimmten sich daf\u00fcr in Telefonkonferenzen ab und entwickelten klare Ma\u00dfst\u00e4be, wie die neuen Freiheiten den B\u00fcrgern gegeben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Leopoldina-Pr\u00e4sident Gerald Haug sagte dem SPIEGEL: &quot;Wir wollten in der aufgeregten politischen Debatte eine ruhige und abgewogene Grundhaltung einnehmen, den B\u00fcrgern aber eine optimistische Perspektive aufzeigen.&quot; Oberstes Gebot sei &quot;der Schutz jedes einzelnen Menschen&quot; vor der Ansteckung mit dem Coronavirus. &quot;Eine zweite Infektionswelle m\u00fcssen wir um jeden Preis vermeiden&quot;, so Haug. &quot;Grundregel muss auch weiterhin bleiben, die gelernten Abstands- und Hygienema\u00dfnahmen weiter einzuhalten.&quot; Doch daraus lie\u00dfen sich nun durchaus Lockerungen ableiten, gem\u00e4\u00df der Ma\u00dfgabe: Zwei Meter Abstand, und wenn dies nicht m\u00f6glich ist, dann Schutzmasken auf.<\/p>\n<p>&quot;Optimaler Gesundheitsschutz und die alsbaldige Wiederaufnahme des gegenw\u00e4rtig weitgehend stillgelegten gesellschaftlichen Lebens stehen nicht prinzipiell in Spannung zueinander, sondern bedingen einander wechselseitig&quot;, schreiben die Akademiker. Die drastischen Ma\u00dfnahmen seien in der hektischen Anfangsphase der Pandemie gerechtfertigt gewesen, auch ohne ausreichende wissenschaftliche Datenlage.<\/p>\n<p>Doch nun m\u00fcsse diese drastisch verbessert werden. Mit Hilfe von geeigneten Stichproben m\u00fcsse &quot;der Infektions- und Immunit\u00e4tsstatus der Bev\u00f6lkerung&quot; erforscht werden, mithin also die Frage, wie viele Menschen infiziert und genesen sind. M\u00f6glichst in Echtzeit sollte das Seuchengeschehen beobachtet und Vorhersagen f\u00fcr die n\u00e4chsten ein bis zwei Wochen m\u00f6glich sein. Nur so k\u00f6nne bei einer Lockerung der Kontaktverbote beurteilt werden, ob die Infektionszahlen beherrschbar bleiben oder ob &quot;nachjustiert&quot; werden m\u00fcsste. Unterschwellig \u00e4u\u00dfern die Gelehrten dabei Kritik, dass dies nicht schon besser erhoben und auf nationalem Niveau digital verf\u00fcgbar ist.<\/p>\n<p>Die Leopoldina-Forscher fordern deshalb auch, auf Smartphone-Apps zur\u00fcckzugreifen. Genutzt werden sollten \u00e4hnlich wie in S\u00fcdkorea &quot;freiwillig bereitgestellte GPS-Daten in Kombination mit Contact-Tracing&quot;, also dem Austausch zwischen den Smartphones mit Hilfe der Bluetooth-Technik. Auf diese Weise k\u00f6nnte leichter nachvollzogen werden, mit wem ein Neuinfizierter Kontakt gehabt hatte. Diese Personen k\u00f6nnten dann wiederum in Quarant\u00e4ne gehen.<\/p>\n<p>Leopoldina-Pr\u00e4sident Haug ist sich bewusst, dass vor allem das Speichern von GPS-Daten rechtlich problematisch ist. &quot;Deshalb darf die Nutzung der Apps auch nur freiwillig geschehen, und die Daten m\u00fcssen nach vier Wochen wieder gel\u00f6scht werden&quot;, sagte er dem SPIEGEL. Den B\u00fcrgern m\u00fcsste die Sinnhaftigkeit der App klar gemacht werden, nur so lie\u00dfe sich Akzeptanz und Motivation erzeugen. &quot;Diese App ist entscheidend, um eine differenzierte Vorhersage des Pandemieverlaufs sicherzustellen&quot;, sagt Haug, der selber Direktor am Max-Planck-Institut f\u00fcr Chemie in Mainz ist.<\/p>\n<p>Eine entsprechende App bereiten Softwarefirmen bereits im Auftrag der Bundesregierung vor. Dies vorausgesetzt, empfehlen sie, wieder zur Normalit\u00e4t zur\u00fcckzukehren, und zwar &quot;m\u00f6glichst zeitnah&quot;. Sie konzentrieren sich dabei vor allem auf drei Bereiche: die Bildung, das \u00f6ffentliche Leben und die k\u00fcnftige Wirtschaftspolitik.<\/p>\n<h3><strong>Kitas, Schulen und Universit\u00e4ten<\/strong><\/h3>\n<p>Die Leopoldina-Forscher dr\u00e4ngen stark darauf, die Schulen &quot;sobald wie irgend m\u00f6glich&quot; wieder zu er\u00f6ffnen. Denn das Lernen daheim w\u00fcrde die ohnehin bereits stark ausgepr\u00e4gte soziale Ungleichheit in der Bildung weiter versch\u00e4rfen. Weil dies vor allem f\u00fcr die Grundschulen gelte, wo Lerninhalte in der Gemeinschaft vermittelt w\u00fcrden, sollen diese als erste \u00f6ffnen, und zwar zun\u00e4chst die oberen Jahrg\u00e4nge, in denen die Sch\u00fcler vor dem \u00dcbergang zu den weiterf\u00fchrenden Schulen st\u00fcnden. Die Kinder m\u00fcssten dabei &quot;Mund-Nasen-Schutz&quot; tragen, sie sollten zun\u00e4chst auch erst in den Grundf\u00e4chern Deutsch und Mathematik in einer &quot;Gruppengr\u00f6\u00dfe von maximal 15 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern&quot; unterrichtet werden. Je nach Lerngruppe sollten sie getrennt in die Pause gehen.<\/p>\n<p>In der weiterf\u00fchrenden Schule sollten neben Deutsch und Mathe auch Fremdsprachen unterrichtet werden, auch hier sollte mit den Stufen begonnen werden, die vor dem Wechsel in den Beruf oder die Oberstufe stehen. In der gymnasialen Oberstufe hingegen solle vermehrt &quot;auf das selbstorganisierte Lernen auf Basis digitaler Medien&quot; gesetzt werden, generell gelte es aber &quot;die Pr\u00fcfungsm\u00f6glichkeiten auf allen Bildungsetappen aufrechtzuerhalten&quot;, das hei\u00dft, Klausuren und m\u00fcndliche Pr\u00fcfungen, auch Abiturpr\u00fcfungen, sollten wegen der Pandemie nicht geschliffen werden.<\/p>\n<p>Kindertagesst\u00e4tten sollten nach Leopoldina-Rat &quot;bis zu den Sommerferien&quot; nur einen Notbetrieb anbieten. Grund: Die Kleinsten k\u00f6nnten nicht mit Schutzmasken umgehen, die Gefahr, dass sich das Virus so auf Eltern und Gro\u00dfeltern ausbreite, sei zu gro\u00df. Auch an den Universit\u00e4ten sollte das Sommersemester &quot;weitgehend als online\/home-learning-Semester&quot; zu Ende gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<h3><strong>Das \u00f6ffentliche Leben<\/strong><\/h3>\n<p>Die Leopoldina-Wissenschaftler geben der Bundesregierung einen klaren Auftrag, eine Exitstrategie zu verfolgen, schon &quot;aus verfassungsrechtlichen Gr\u00fcnden&quot; sei dies geboten. Wenn die Zahl der Neuinfektionen stabil auf niedrigem Niveau verharre, sowohl Corona- als auch normale Patienten gesundheitlich versorgt werden k\u00f6nnten und die Menschen sich weiter an die Hygienema\u00dfnahmen hielten, st\u00fcnde der Normalisierung des \u00f6ffentlichen Lebens nichts im Wege. Einzelhandel und Gastst\u00e4tten k\u00f6nnten wiederer\u00f6ffnen, auch &quot;der allgemeine gesch\u00e4ftliche und beh\u00f6rdliche Publikumsverkehr&quot; wieder aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Auch hier gilt: Maskenpflicht. &quot;Jeder B\u00fcrger sollte so ein Ding k\u00fcnftig bei sich tragen und wo immer der Mindestabstand nicht eingehalten wird auch anziehen&quot;, sagt Haug. Das gelte im Supermarkt, wo man sich nahe kommt, auf dem Amt und auch in der Arbeit. Wo m\u00f6glich, sollte die Arbeit im Homeoffice fortgesetzt werden. Wenn das nicht m\u00f6glich ist, m\u00fcsse im Schichtbetrieb gearbeitet werden, immer in der gleichen personellen Zusammensetzung und mit gr\u00f6\u00dferem Abstand zwischen den Arbeitspl\u00e4tzen. Auch in der Kantine m\u00fcssten diese Arbeitsgruppen jeweils zusammen sitzen, sie d\u00fcrften sich nicht mischen.<\/p>\n<p>Unter diesen Pr\u00e4missen d\u00fcrfte auch wieder gereist werden, dienstlich wie auch privat. In der Bahn, im Flugzeug und in den Bussen m\u00fcssten die Menschen auf gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Distanz bleiben, sowie Mund- und Nasenschutz tragen. Haug legt nahe, dass die Bahn ein entsprechendes Reservierungssystem etabliert, damit bestimmte Sitzreihen zwischen den Passagieren frei blieben. Bei Freizeitveranstaltungen wie Konzerten oder Sportveranstaltungen gelte bei der Wiederaufnahme, wie stark die Menschen dabei in Kontakt miteinander kommen, beziehungsweise, wie gut sie voneinander distanziert werden k\u00f6nnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nationalakademie Leopoldina empfiehlt eine baldige R\u00fcckkehr zur Schule. 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