{"id":202669,"date":"2020-04-13T10:13:00","date_gmt":"2020-04-13T10:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-krise-daniel-domscheit-berg-produziert-gesichtsvisiere-im-3d-drucker\/"},"modified":"2020-04-13T10:13:00","modified_gmt":"2020-04-13T10:13:00","slug":"corona-krise-daniel-domscheit-berg-produziert-gesichtsvisiere-im-3d-drucker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-krise-daniel-domscheit-berg-produziert-gesichtsvisiere-im-3d-drucker\/","title":{"rendered":"Corona-Krise: Daniel Domscheit-Berg produziert Gesichtsvisiere im 3D-Drucker"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">In ihrer offenen Werkstatt in Brandeburg produzieren Daniel und Anke Domscheit-Berg Gesichtsvisiere f\u00fcr medizinisches Personal. Der Bedarf ist riesig, sagt der ehemalige WikiLeaks-Sprecher.  <\/p>\n<p><em>Apple produziert sie bereits <\/em><em>millionenfach<\/em><em>, Volkswagen <\/em><em>druckt zumindest Teile<\/em><em>: Wiederverwendbare Gesichtsvisiere erg\u00e4nzen die Schutzausr\u00fcstung von \u00c4rztinnen, Pflegern und anderen, die mit Sars-CoV-2-Infizierten in Ber\u00fchrung kommen. Sie bestehen aus einer stabilen, mit g\u00e4ngigen Mitteln desinfizierbaren Folie, die am Kopf befestigt wird, sind undurchl\u00e4ssig f\u00fcr Tr\u00f6pfchen und verhindern zudem das Ber\u00fchren des Gesichts mit den H\u00e4nden.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Nachfrage ist riesig, wie Daniel Domscheit-Berg wei\u00df. Der ehemalige WikiLeaks-Sprecher hat zusammen mit seiner Frau, der Bundestagsabgeordneten Anke Domscheit-Berg und einigen anderen im brandenburgischen F\u00fcrstenberg den Verein havel:lab gegr\u00fcndet und <\/em><em>den Verstehbahnhof aufgebaut<\/em><em>, eine Werkstatt mit 3D-Druckern und Lasercutter. Dort fertigen sie nun selbst Gesichtsvisiere. In Kooperation mit mehreren anderen solcher Makerspaces sind es bis zum Osterwochenende 12.000 f\u00fcr Abnehmer in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin geworden.<\/em><\/p>\n<p><em>Am Telefon erkl\u00e4rt er, wie es dazu kam und was man eigentlich dazu braucht.<\/em><\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Herr Domscheit-Berg, warum stellen Sie jetzt Gesichtsvisiere im Verstehbahnhof her?<\/p>\n<p><strong>Daniel Domscheit-Berg<\/strong>: Mitte M\u00e4rz hat der 3D-Drucker-Hersteller Prusa eine Open-Source-Bauanleitung ver\u00f6ffentlicht. Der wurde dann mit Schwarmintelligenz auf verschiedenen Internetseiten weiterentwickelt: Wie wird das Ganze stabiler, wie kann man es schneller produzieren? Wir haben das mitbekommen und weil wir im Verstehbahnhof gerade eh nicht viel machen k\u00f6nnen, haben wir halt angefangen zu drucken.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: F\u00fcr wen denn \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p><strong>Domscheit-Berg<\/strong>: Als wir die erste Charge fertig hatten - die bestand noch aus Laminierfolie, weil die das einzige war, was wir auf die Schnelle organisieren konnten - habe ich meinen Zahnarzt gefragt, ob er so etwas gebrauchen kann. Und der war total aus dem H\u00e4uschen. Also haben wir beschlossen, alle zu versorgen, die sich bei uns melden. Die Lokalzeitung berichtete dar\u00fcber, und innerhalb von zw\u00f6lf Stunden haben rund zwei Dutzend Pflegeheime, Arztpraxen und Krankenh\u00e4user angefragt, zum Teil h\u00e4tten sie gerne mehrere Hundert Visiere gehabt.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Was braucht man, um ein Gesichtsvisier zu bauen?<\/p>\n<p><strong>Domscheit-Berg<\/strong>: Es sind drei Teile: eine Halterung aus Kunststoff, ein Band, mit dem man sie am Kopf befestigt, und ein Visier aus Folie. Das Band kann aus Gummi sein, wir haben mit Silikon experimentiert, und unser Optiker in der Stadt hat uns 500 Neopren-B\u00e4nder aus seinem Lager vorbeigebracht.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Wie kommt man so auf 12.000 St\u00fcck?<\/p>\n<p><strong>Domscheit-Berg<\/strong>: Es kamen immer mehr Anfragen, das Deutsche Rote Kreuz in der Mecklenburgischen Seenplatte zum Beispiel wollte 700 St\u00fcck. Die Zahlen wurden zu gro\u00df, diese Erkenntnis ist fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wohl bei allen Werkst\u00e4tten und Makerspaces in Deutschland angekommen. Wir in Brandenburg organisieren uns \u00fcber civilize.it, dort haben wir gemeinsam \u00fcber Spritzguss als alternative Produktionsweise nachgedacht. Dabei stellte sich heraus, dass es in Sachsen eine Initiative der Werkstatt &quot;Kunststoffschmiede&quot; gibt, die das 3D-Drucker-Design in ein Spritzguss-Design \u00fcberf\u00fchrt hat. Die Firma 1st Mould Rapid Tools hat dann in absurd kurzer Zeit das passende Werkzeug hergestellt, einen Prototyp gespritzt - und dann 12.000 Halterungen f\u00fcr uns hergestellt.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Woher bekommen Sie das Material?<\/p>\n<p><strong>Domscheit-Berg<\/strong>: Gummi und Folien sind absolute Mangelware. Bisher haben wir in 25-Meter-Rollen gedacht, davon habe ich vergangene Woche noch vier St\u00fcck gefunden. Wir \u00fcberlegen jetzt, ob wir in ein F\u00fcnf-Kilometer-Gummiband investieren, das w\u00fcrde f\u00fcr 15.000 Schilde reichen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Und die Folien?<\/p>\n<p><strong>Domscheit-Berg<\/strong>: Manche versuchen es mit Fensterglasfolie aus dem Baumarkt, mit Overheadfolie aus Acetat, Laminierfolien oder alle Arten von Klarsichtfolien. Das haben wir auch ein paar Tage lang probiert. Ich habe dann im Internet nach Firmen gesucht, die Visierfolien herstellen, und eine in M\u00f6nchengladbach und eine bei Stuttgart gefunden, Bleher hei\u00dft die. Die habe ich an einem Donnerstag angerufen und ihnen erkl\u00e4rt, was wir machen. Die fanden das gut, und am Montag darauf stand eine Palette bei uns vor der T\u00fcr. Das war ph\u00e4nomenal. Daraus machen wir mit unserem 17 Jahre alten Lasercutter jetzt die Visierfolien.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Wie schnell geht das?<\/p>\n<p><strong>Domscheit-Berg<\/strong>: Inklusive Folienwechsel brauchen wir eine Minute und 20 Sekunden f\u00fcr drei Visiere. Das ist eigentlich total ineffizient. Deshalb k\u00fcmmern sich jetzt die Leute von der machBar in Potsdam darum, jemanden zu finden, der die Folien stanzen kann. Und ich habe einen industriellen Locher gekauft, in der Hoffnung, dass wir die Zeit einsparen k\u00f6nnen, die der Lasercutter braucht, um die L\u00f6cher zu schneiden.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Sie bekommen daf\u00fcr kein Geld vom Staat - warum eigentlich nicht?<\/p>\n<p><strong>Domscheit-Berg<\/strong>: Ich glaube nicht, dass es b\u00f6ser Wille ist. Sondern einfach komplette Unkenntnis dar\u00fcber, wie die Realit\u00e4t aussieht, mit wie viel Enthusiasmus und in welchen Dimensionen die Zivilgesellschaft gerade helfen kann. In Brandenburg gibt es zum Beispiel ein Landesf\u00f6rderprogramm, das auch f\u00fcr Vereine gilt \u2013 aber nur f\u00fcr Vereine mit wirtschaftlichem Betrieb. Den haben wir als gemeinn\u00fctziger Verein aber nicht. Kaum eine offene Werkstatt hat so etwas, deshalb sind wir alle auf Spenden angewiesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In ihrer offenen Werkstatt in Brandeburg produzieren Daniel und Anke Domscheit-Berg Gesichtsvisiere f\u00fcr medizinisches Personal. Der Bedarf ist riesig, sagt der ehemalige WikiLeaks-Sprecher. 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