{"id":202453,"date":"2020-04-12T00:22:21","date_gmt":"2020-04-12T00:22:21","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-krise-und-prostitutionsverbot-auf-kosten-der-frauen\/"},"modified":"2020-04-12T00:22:21","modified_gmt":"2020-04-12T00:22:21","slug":"corona-krise-und-prostitutionsverbot-auf-kosten-der-frauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-krise-und-prostitutionsverbot-auf-kosten-der-frauen\/","title":{"rendered":"Corona-Krise und Prostitutionsverbot: Auf Kosten der Frauen"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Wegen des Corona-Kontaktverbots ist Prostitution verboten. Damit Sexarbeitende nicht auf der Stra\u00dfe landen, hat der Bund \u00dcbernachtungen in Bordellen erlaubt. F\u00fcr viele war das zu sp\u00e4t.  <\/p>\n<p>Die 54 Zimmer des Pink Palace an der Hamburger Reeperbahn stehen leer. Wegen der Coronakrise d\u00fcrfen die Prostituierten nicht arbeiten. Alle k\u00f6rpernahen, nicht medizinisch notwendigen Dienstleistungen sind untersagt.<\/p>\n<p>Wo sollen die betroffenen Frauen hin? Das Prostitutionsschutzgesetz verbietet seit 2017 Sexarbeitenden, an ihrem Arbeitsplatz zu schlafen. Durch das Kontaktverbot w\u00e4hrend der Corona-Pandemie wird deutlich, wie viele es dennoch tun. Als die Beh\u00f6rden neben Restaurants und Gastst\u00e4tten auch Bordelle schlossen, verloren viele Betroffene ihre Bleibe.<\/p>\n<p>Berufsverb\u00e4nde und die Frauenministerinnen der L\u00e4nder verlangten eine Sonderregelung, die der Bund kurz darauf erteilte. Doch die Erlaubnis, im Bordell \u00fcbernachten zu d\u00fcrfen, kam f\u00fcr viele zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>Als Bordellbesitzer Thorsten Eitner davon erfuhr, hatte er die Sexarbeiterinnen schon aus dem Pink Palace weggeschickt. Normalerweise vermietet er die Zimmer an die Prostituierten. &quot;Die Frauen h\u00e4tten gern bei mir wohnen k\u00f6nnen, gratis&quot;, sagt Eitner. Aber nun wisse er nicht, wo sie seien. Vielleicht in ihrer Heimat. Vielleicht bei Freunden. Vielleicht auf der Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Die Ausnahmeregelung des Bundes kam nicht nur zu sp\u00e4t. Sie verpflichtet die Bordellbetreiber auch nicht, Zimmer gratis f\u00fcr die Sexarbeiterinnen zur Verf\u00fcgung zu stellen. Oft zahlen sie im Bordell eine Zimmermiete von mehr als hundert Euro pro Nacht. Ohne Einkommen k\u00f6nnen sich das viele nicht leisten.<\/p>\n<p>So verfestigt sich in der Branche eine Zweiklassengesellschaft, die auch das Prostitutionsschutzgesetz nicht aufbrechen konnte. Es gibt einerseits selbstbestimmte Prostituierte, die ihr Gewerbe angemeldet haben. Sie k\u00f6nnen als Soloselbstst\u00e4ndige Hilfe w\u00e4hrend der Coronakrise beantragen. Doch von den gesch\u00e4tzten 200.000 Sexarbeitenden in Deutschland umfasst diese Gruppe nur 32.800 Menschen - so viele hatten sich Ende 2019 angemeldet.<\/p>\n<p>Besonders hart trifft die Coronakrise deshalb die andere, viel gr\u00f6\u00dfere Gruppe: Frauen, die nicht angemeldet sind. Sie werden nun im Verborgenen weiterarbeiten. Um zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Anna Waxweiler arbeitet in der Beratungsstelle &quot;Sperrgebiet&quot; der Diakonie Hamburg. Zurzeit ber\u00e4t sie Sexarbeiterinnen vor allem via Telefon und E-Mail. In der Beratungsstelle im Hamburger Stadtteil St. Georg werden Lebensmittel und Hygieneartikel ausgegeben. Zudem werden vor Ort Frauen beraten, die keinen Zugang zu Internet oder Telefon haben.<\/p>\n<h3>&quot;Wie komme ich in mein Heimatland zur\u00fcck?&quot;<\/h3>\n<p>Seit die Corona-Pandemie Deutschland erreicht hat, melden sich bei Waxweiler mehr Frauen als vorher. Sie arbeiteten vor der Krise ohne Probleme und stehen jetzt vor einer existenziellen Krise. Sie wollen von Waxweiler wissen: &quot;Wo kann ich schlafen, wo kriege ich Essen, wie komme ich in mein Heimatland zur\u00fcck?&quot;<\/p>\n<p>Weil die Grenzen dicht sind, ist das nicht mehr so einfach. Wer nicht bereits in den ersten Wochen nach Hause gefahren ist, kann sich einen der wenigen teuren Heimfl\u00fcge kaum leisten. Waxweiler verweist die Frauen deshalb an die Organisation &quot;plata&quot;, die R\u00fcckfl\u00fcge in die Heimat organisieren und auch bezahlen kann.<\/p>\n<p>Die anderen h\u00e4lt Waxweiler an, zu Hause zu bleiben. &quot;Wir raten Frauen nat\u00fcrlich davon abzuarbeiten. Weil sie ihre eigene Gesundheit und die der Kunden gef\u00e4hrden. Aber viele machen es trotzdem&quot;, sagt Waxweiler. W\u00e4hrend einige Bordelle nun Zimmer mit Sexcams anbieten, um das Gesch\u00e4ft ins Internet zu verlagern, droht das Gesch\u00e4ft anderswo abzurutschen. Die Armutsprostitution verlagert sich jetzt noch weiter in unkontrollierbare Bereiche.<\/p>\n<h3>&quot;Diese Frauen sind ihren Freiern jetzt noch mehr ausgeliefert&quot;<\/h3>\n<p>Georg Sch\u00f6nborn unterst\u00fctzt im Verein &quot;Neustart&quot; Prostituierte, die auf der Berliner Kurf\u00fcrstenstra\u00dfe anschaffen gehen. Wenn der Sozialarbeiter aus seiner Beratungsstelle auf den Stra\u00dfenstrich schaut, sieht er nur noch wenige Frauen, die in Hauseing\u00e4ngen stehen und auf Kundschaft warten.<\/p>\n<p>&quot;Die sogenannten selbstbestimmten Sexarbeiterinnen, von denen es an der Stra\u00dfe eh kaum welche gibt, sind jetzt in ihren Wohnungen&quot;, sagt Sch\u00f6nborn. Zuh\u00e4lter h\u00e4tten ihre Prostituierten in die Heimatl\u00e4nder geschickt, wo sie entweder bei ihren Familien seien oder verdeckt arbeiteten. Nur die drogenabh\u00e4ngigen Frauen und die s\u00fcdosteurop\u00e4ischen Armutsprostituierten gingen weiter auf die Stra\u00dfe. Zu Dumpingpreisen. &quot;Diese Frauen sind den Freiern jetzt noch mehr ausgeliefert&quot;, sagt Sch\u00f6nborn.<\/p>\n<p>Der Staat k\u00f6nne ihnen helfen, &quot;indem er ihnen den Entzug finanziert und eine Perspektive bietet&quot;. Und indem er mehr Pl\u00e4tze f\u00fcr wohnungslose Frauen bereitstelle. Auch, wenn sie nicht angemeldet seien.<\/p>\n<p>Solange das nicht so ist, haben der Verein &quot;Neustart&quot; und der Berufsverband f\u00fcr erotische und sexuelle Dienstleistungen Spendenfonds eingerichtet. Der Berufsverband spricht sich au\u00dferdem gegen die Strafen aus, die die L\u00e4nder gegen Prostitution verh\u00e4ngt haben. In Hamburg drohen 5000 Euro Strafe - egal ob ein Bordell wieder \u00f6ffnet oder eine Prostituierte auf der Stra\u00dfe mit einem Freier mitgeht, schreibt der Verband in einer Pressemitteilung. Das sei zu viel. In Berlin wird laut Bu\u00dfgeldkatalog nur der Kontakt zwischen Prostituierter und Freier geahndet - mit Strafen ab 25 Euro.<\/p>\n<h3>Sexkaufverbot k\u00f6nnte neu diskutiert werden<\/h3>\n<p>Manche sehen in der Corona-bedingten Zwangspause f\u00fcr die Prostitution eine Chance: Nun, da die Prostitution in vielen L\u00e4ndern ganz verboten sei, k\u00f6nnte auch ein Sexkaufverbot neu diskutiert werden, twitterte SPD-Politikerin Leni Breymaier vor Kurzem erfreut: &quot;Stuttgart verbietet Prostitution wegen Corona. Geht doch. Man(n) kann ja schon mal \u00fcben&quot;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wegen des Corona-Kontaktverbots ist Prostitution verboten. Damit Sexarbeitende nicht auf der Stra\u00dfe landen, hat der Bund \u00dcbernachtungen in Bordellen erlaubt. F\u00fcr viele war das zu sp\u00e4t. 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