{"id":202409,"date":"2020-04-11T18:02:06","date_gmt":"2020-04-11T18:02:06","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-evakuierung-von-geschaftsreisenden-wir-holen-die-leute-da-raus\/"},"modified":"2020-04-11T18:02:06","modified_gmt":"2020-04-11T18:02:06","slug":"corona-evakuierung-von-geschaftsreisenden-wir-holen-die-leute-da-raus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/corona-evakuierung-von-geschaftsreisenden-wir-holen-die-leute-da-raus\/","title":{"rendered":"Corona-Evakuierung von Gesch\u00e4ftsreisenden: &#171;Wir holen die Leute da raus&#187;"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Gestrandete Urlauber holt das Ausw\u00e4rtige Amt zur\u00fcck, Ingenieure und Manager wenden sich an private Sicherheitsfirmen. Wie man Evakuierungen aus den entlegensten Gebieten der Welt organisiert, erkl\u00e4rt Sicherheitsexperte Christoph Eichel.  <\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Herr Eichel, wie hat sich Ihre Arbeit durch die Covid-19-Pandemie ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p><strong>Eichel:<\/strong> Eigentlich beraten wir haupts\u00e4chlich pr\u00e4ventiv. Wir unterst\u00fctzen multinationale Unternehmen und exponierte Einzelpersonen beim Risiko- und Krisenmanagement. Wir bieten zum Beispiel Sicherheitstrainings f\u00fcr Arbeitskr\u00e4fte, die ins Ausland entsandt werden. Wir analysieren die Sicherheitslage in bestimmten L\u00e4ndern, managen die Sicherheit bei Infrastrukturgro\u00dfprojekten und helfen beim Objekt- und Personenschutz. Doch seit dem Ausbruch der Pandemie wollen die Unternehmen ihre Leute evakuieren, und wir holen sie da raus \u2013 zu Lande, zu Wasser und in der Luft.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Herr Eichel, war eine Pandemie Teil Ihrer Risikoanalyse?<\/p>\n<p><strong>Eichel:<\/strong> Der Schwerpunkt unserer Beratung liegt beim Schutz gegen kriminelle Angriffe. Wir helfen zum Beispiel Unternehmen, wenn sie in einem Schwellenland eine Gro\u00dfbaustelle absichern wollen. Oder wir beraten Ingenieure, wie sie sicher durch Konfliktgebiete reisen. Unser Hauptgesch\u00e4ft sind Bedrohungen, Erpressungen, willk\u00fcrliche Festnahmen oder Entf\u00fchrungen. Wir haben auch Erfahrungen im Umgang mit Naturkatastrophen. Sp\u00e4testens seit dem ersten Sars-Ausbruch 2002\/2003 oder der Ebolakrise 2014\/2015 sind Pandemien fester Bestandteil von Krisenmanagementpl\u00e4nen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Haben Sie Mitarbeiter mit medizinischer Expertise?<\/p>\n<p><strong>Eichel: <\/strong>Meine Leute haben meist einen milit\u00e4rischen oder polizeilichen Hintergrund. Ich war zum Beispiel Offizier bei der Bundeswehr und habe dann einige Jahre als Diplomat gearbeitet, unter anderem an der Au\u00dfenstelle der Deutschen Botschaft in Kunduz, Afghanistan. Medizinische Expertise holen wir uns von au\u00dfen. \u00dcber Kooperationen bieten wir Gesch\u00e4ftsreisenden auch Schutz f\u00fcr ihre Gesundheit, und wir haben weltweit Zugang zu international anerkannten \u00c4rzten und Krankenh\u00e4usern.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Warum kann sich nicht das Ausw\u00e4rtige Amt um die R\u00fcckf\u00fchrung von Repr\u00e4sentanten multinationaler Konzerne k\u00fcmmern?<\/p>\n<p><strong>Eichel: <\/strong>Das Ausw\u00e4rtige Amt hat genug damit zu tun, die rund 200.000 Urlauber aus dem Ausland zur\u00fcckzuholen. Au\u00dferdem ist es nur f\u00fcr deutsche Staatsb\u00fcrger zust\u00e4ndig. Wir k\u00fcmmern uns um Entsandte multinationaler Unternehmen. Das sind Einzelpersonen nicht nur deutscher Nationalit\u00e4t, die teilweise in sehr entlegenen Gebieten feststecken. Die Betreuung und Evakuierung ist sehr aufwendig. Diese Leute gehen ja schon ein gewisses Risiko ein, wenn sie ins Ausland gehen. Dieses Risiko sichert nicht der Staat ab, daf\u00fcr wenden sich die Unternehmen an uns.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>K\u00f6nnen Sie Beispiele nennen?<\/p>\n<p><strong>Eichel: <\/strong>Ich kenne mich zum Beispiel sehr gut in Kolumbien aus. Die Bundesregierung organisiert Fl\u00fcge aus der Hauptstadt Bogot\u00e1. Aber unsere Kunden sitzen oft in schwer zug\u00e4nglichen Gebieten, zum Beispiel im Kaffeedreieck an den Westausl\u00e4ufern der Anden, im Amazonasgebiet oder an der Karibikk\u00fcste. Der Transport in die Hauptstadt ist sehr schwierig. Es gibt keine Inlandsfl\u00fcge mehr, auch Busse fahren nicht, das Milit\u00e4r hat Checkpoints errichtet. Die medizinische Versorgung entspricht nicht dem westlichen Standard. Dies gilt f\u00fcr viele weitere L\u00e4nder in Lateinamerika oder auch Afrika. Viele Menschen m\u00f6chten allein schon aus Angst vor Versorgungsengp\u00e4ssen das Land verlassen. Auch k\u00f6nnen Europ\u00e4er im Ausland Opfer von Anfeindungen werden, da sie wom\u00f6glich als \u00dcberbringer des Virus gesehen werden.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Wie bringen Sie die Leute au\u00dfer Landes?<\/p>\n<p><strong>Eichel:<\/strong> Wir haben in den L\u00e4ndern qualifizierte Vertragspartner mit \u00e4hnlichem Sicherheitsbackground wie wir, au\u00dferdem mit profunden Orts- und Sprachkenntnissen, und vor allem: mit guten Verbindungen zu Beh\u00f6rden und Regierungen. Die k\u00fcmmern sich um Sondergenehmigungen. Wir haben das gerade in Argentinien erfolgreich gemacht: Eine Person sa\u00df in Cordoba fest, der Flieger nach Europa ging aber aus der Hauptstadt Buenos Aires. Aber manchmal dauert der Landtransport so lange, dass die Ausreise schwierig wird, es gibt ja kaum noch kommerzielle Fl\u00fcge.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Wie l\u00f6sen Sie dieses Problem?<\/p>\n<p><strong>Eichel:<\/strong> Wenn viel Wasser dazwischen ist, gibt es zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder wir chartern ein Flugzeug, aber das ist extrem teuer. Oder wir versuchen, \u00fcber den Seeweg zu evakuieren. Daf\u00fcr reden wir mit uns bekannten Reedereien, ob die ein Schiff haben, das demn\u00e4chst dort vorbeikommt, wo unser Kunde abgeholt werden kann. Da ist dann die Frage, ob die in der derzeitigen Pandemiesituation \u00fcberhaupt einen Fremden auf dem Schiff haben wollen. Und so eine Schiffsfahrt \u00fcber den Atlantik ist ein Abenteuer.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Gibt es auch F\u00e4lle, wo eine Evakuierung nicht m\u00f6glich ist?<\/p>\n<p><strong>Eichel: <\/strong>Es kann passieren, dass unsere Kunden gar nicht mehr rauskommen. Die Situation haben wir zum Beispiel aktuell in Nigeria. Dort wurde eine komplette Ausgangssperre verh\u00e4ngt und die dortigen Sicherheitskr\u00e4fte verhalten sich teilweise sehr robust.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Das hei\u00dft, sie haben den Finger schnell am Abzug?<\/p>\n<p><strong>Eichel: <\/strong>Auf jeden Fall will man nicht, dass sich dort eine Person oder eine Gruppe bewegt. In solch einem Fall ist es das Beste, wenn sich die betroffene Person einigelt. Wir k\u00fcmmern uns dann mit unseren Partnern um die Versorgung und die Sicherheit.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Steigt in solch einer Situation das Risiko einer Entf\u00fchrung?<\/p>\n<p><strong>Eichel:<\/strong> In Nigeria sind Sie latent einem Entf\u00fchrungsrisiko ausgesetzt. Wir sind uns dessen sehr bewusst und ber\u00fccksichtigen das bei unseren Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Arbeiten Sie mit den deutschen Auslandsvertretungen zusammen, wenn es zum Beispiel um Passierscheine geht?<\/p>\n<p><strong>Eichel: <\/strong>Die Botschaften und Konsulate sind derzeit sehr stark in Beschlag, wir versuchen es grunds\u00e4tzlich \u00fcber unsere eigenen Partner. Das funktioniert meistens z\u00fcgiger \u00fcber den kurzen Dienstweg. Wo immer es sinnvoll ist, fragen wir aber die jeweiligen Botschaften ab oder bieten auch unsererseits Mitfahrgelegenheiten an.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Wie viele Personen haben Sie seit dem Corona-Ausbruch bereits zur\u00fcckgebracht?<\/p>\n<p><strong>Eichel:<\/strong> Bislang haben wir gut zwei Dutzend Personen individuell helfen k\u00f6nnen. Wir sind derzeit stark in Lateinamerika und Afrika eingebunden. Darunter sind Argentinien, Kolumbien, Uganda und Nigeria. Aufgrund der Restriktionen in anderen L\u00e4ndern m\u00f6chte ich diese nicht nennen, um nicht deren offizielle Haltung zu konterkarieren. Grunds\u00e4tzlich sind wir aber weltweit einsatzbereit.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Was kostet so eine R\u00fcckf\u00fchrung?<\/p>\n<p><strong>Eichel: <\/strong>Das h\u00e4ngt davon ab, was f\u00fcr einen Rahmenvertrag das Unternehmen mit uns abgeschlossen hat. In manchen Vertr\u00e4gen sind die Kosten f\u00fcr Evakuierungen enthalten, in manchen nicht. Man kann das Risiko, dass man in einer Krise evakuiert werden muss, auch versichern. So bietet zum Beispiel der Haftpflichtverband der Deutschen Industrie HDI eine Evakuierungsversicherung an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestrandete Urlauber holt das Ausw\u00e4rtige Amt zur\u00fcck, Ingenieure und Manager wenden sich an private Sicherheitsfirmen. 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