{"id":202394,"date":"2020-04-11T15:52:15","date_gmt":"2020-04-11T15:52:15","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/zwolf-kinder-als-chefsache\/"},"modified":"2020-04-11T15:52:15","modified_gmt":"2020-04-11T15:52:15","slug":"zwolf-kinder-als-chefsache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/zwolf-kinder-als-chefsache\/","title":{"rendered":"Zw\u00f6lf Kinder als Chefsache"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Luxemburgs Au\u00dfenminister Jean Asselborn schlug vor, unbegleitete Jugendliche aus griechischen Lagern in Europa zu verteilen. Nun kommen die ersten Kinder in seinem Land an - Deutschland k\u00f6nnten seine Erfahrungen nutzen.  <\/p>\n<p>Am 13. M\u00e4rz hatte Jean Asselborn eine Idee. Wie w\u00e4re es, sagte Luxemburgs Au\u00dfenminister, der auch f\u00fcr Migration zust\u00e4ndig ist, wenn jedes EU-Mitgliedsland <br \/>unbegleitete Fl\u00fcchtlingskinder aus den Lagern auf den griechischen Inseln aufnehmen w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Die Berichte \u00fcber die verheerenden Lebensumst\u00e4nde in den griechischen Camps waren bekannt. Und nun, da die Gefahr durch das Coronavirus langsam in den Regierungszentralen verstanden wurde, kam die Gefahr einer Ausbreitung des Virus in den Lagern dazu. Dort leben Tausende Fl\u00fcchtlinge auf engstem Raum.<\/p>\n<p>Sogar eine kleine Formel hatte Asselborn f\u00fcr seine Kollegen in der EU dabei. Zehn Kinder pro halbe Million Einwohner, das war seine Idee. Auf Luxemburg k\u00e4men so zehn Jugendliche, so Asselborn, Deutschland m\u00fcsste 1600 Kinder aufnehmen, Frankreich 1200 \u2013 und so weiter.<\/p>\n<h3>&quot;Jean, mach du, was du machen kannst.&quot;<\/h3>\n<p>An der Gr\u00f6\u00dfe der Kontingente gab es Kritik - vielen erschienen sie fast l\u00e4cherlich gering (lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema). Und Asselborns Idee z\u00fcndete erst mal nicht richtig. Das lag auch daran, dass die EU-Kommission keinen Vorschlag vorgelegt hatte, \u00fcber den man h\u00e4tte abstimmen k\u00f6nnen. Innenkommissarin Ylva Johansson verk\u00fcndete nach der Sitzung zwar, eine Koalition der Willigen sei bereit, Kinder aufzunehmen. Konkretere Pl\u00e4ne aber hatte ihre Beh\u00f6rde offenbar nicht (lesen Sie hier ein Interview mit Johansson). Stattdessen bat sie Asselborn hinter verschlossenen T\u00fcren: &quot;Jean, mach du, was du machen kannst.&quot;<\/p>\n<p>Asselborn machte. Es folgte eine Odyssee durch griechische Beh\u00f6rden, die Verwaltung der Camps, das Fl\u00fcchtlingshilfswerk der Uno (UNHCR). Die einsetzende Panik vor dem Coronavirus, neue Grenzkontrollen und sp\u00e4rlich besetzte Verwaltungen verkomplizierten die Sache. Doch am kommenden Mittwoch um Punkt 12.15 Uhr werden die Jugendlichen nun mit einer Sondermaschine von Aegean Airlines in Luxemburg erwartet.<\/p>\n<p>Auch die deutsche Debatte bleibt davon offenbar nicht unber\u00fchrt. Einen Tag, nachdem Asselborn seinen Deal \u00fcber Twitter \u00f6ffentlich gemacht hatte, beschloss das Bundeskabinett, auch Deutschland wolle m\u00f6glichst rasch die ersten 50 Jugendlichen aus Griechenland aufnehmen. Wie kam es dazu?<\/p>\n<p>&quot;Es geht nicht auf dem normalen Weg&quot;, sagt Asselborn. Es ist vergangenen Dienstag kurz nach 9 Uhr, der Minister ist auf dem Sprung ins B\u00fcro. Eine Stunde sp\u00e4ter wird er mit Georgios Koumoutsakos telefonieren, der in der griechischen Regierung f\u00fcr Migration zust\u00e4ndig ist, danach stehen die letzten Details.<\/p>\n<p>Auf dem normalen Weg w\u00fcrde man Diplomaten in Gang setzen, die Sache an einen Vertrauten delegieren, die Botschaft in Athen alarmieren. Der normale Weg, das musste Asselborn rasch einsehen, war in Zeiten von Corona versperrt. Auch sein Botschafter in Athen konnte nur per Telefon helfen.<\/p>\n<p>Asselborn will zeigen, dass man den Kindern helfen kann, wenn man sich anstrengt. Eine einfache Sache aber ist es eben nicht \u2013 zumal in Zeiten, in denen die Coronakrise traditionelle Wege der Diplomatie extrem erschwert. &quot;Wenn wir in Luxemburg das hinkriegen, dann k\u00f6nnen es auch andere EU-L\u00e4nder hinkriegen&quot;, sagt er. &quot;Jedes europ\u00e4ische Land, das ein Qu\u00e4ntchen Mitgef\u00fchl hat, sollte jetzt mit anpacken.&quot;<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich hatten sich zehn EU-L\u00e4nder bereit erkl\u00e4rt, Fl\u00fcchtlingskinder aufzunehmen. Au\u00dfer Deutschland und Luxemburg machen alle den Zeitpunkt der Aufnahme nun von der Entwicklung der Coronakrise abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Asselborn, 70 und gestandener Sozialdemokrat. In der Fl\u00fcchtlingskrise wurde er zum Gegenspieler von Ungarns Regierungschef Viktor Orb\u00e1n und dem \u00f6sterreichischen Kanzler Sebastian Kurz. W\u00e4hrend sie die Grenzen schlossen, focht er f\u00fcr mehr Solidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Asselborn war es auch, der im September 2015 bei den EU-Innenministern den umstrittenen Beschluss zur Abstimmung stellte, wonach alle EU-L\u00e4nder verpflichtet waren, eine bestimmte Anzahl von Fl\u00fcchtlingen aufzunehmen. L\u00e4nder wie Ungarn weigerten sich, das Gesetz umzusetzen, die Debatte \u00fcber verpflichtende Quoten f\u00fchrte zu einer tiefen Spaltung Europas. Erst vor wenigen Tagen urteilte der Europ\u00e4ische Gerichtshof, dass Ungarn und andere L\u00e4nder verpflichtet gewesen w\u00e4ren, den EU-Beschluss zu befolgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Luxemburgs Au\u00dfenminister Jean Asselborn schlug vor, unbegleitete Jugendliche aus griechischen Lagern in Europa zu verteilen. 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