{"id":202350,"date":"2020-04-11T10:12:11","date_gmt":"2020-04-11T10:12:11","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/tourismus-krise-in-sudostasien-ich-bin-auf-mich-allein-gestellt\/"},"modified":"2020-04-11T10:12:11","modified_gmt":"2020-04-11T10:12:11","slug":"tourismus-krise-in-sudostasien-ich-bin-auf-mich-allein-gestellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/tourismus-krise-in-sudostasien-ich-bin-auf-mich-allein-gestellt\/","title":{"rendered":"Tourismus-Krise in S\u00fcdostasien: &#171;Ich bin auf mich allein gestellt&#187;"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Keine Touristen, kein Einkommen: Laut Weltbank k\u00f6nnten 11 Millionen Menschen in S\u00fcdostasien zur\u00fcck in die Armut fallen. Drei Betroffene, die durch die Coronakrise bereits ihre Jobs verloren haben, berichten.  <\/p>\n<p>Die Ruinen des Tempels Angkor Wat, eine teils intakte Unterwasserwelt, buddhistische Tempel, jede Menge Party und nat\u00fcrlich Streetfood: F\u00fcr viele Urlauber war S\u00fcdostasien ein sch\u00f6nes und zudem einfach zu bereisendes Paradies.Rund 30 Millionen Besucher allein aus China kamen im Jahr 2019 nach S\u00fcdostasien. Sie machten rund 22 Prozent der insgesamt 133 Millionen Touristen aus.<\/p>\n<p>Doch seit der Coronakrise hat sich auch hier viel ver\u00e4ndert: Der Region, die vom Tourismus abh\u00e4ngig ist, wie wenige andere, droht inzwischen eine starke Rezession.<\/p>\n<p>Der Tourismussektor, der etwa in Thailand als so stabil galt, dass das Land den Spitznamen &quot;Teflon Thailand&quot; bekam, befindet sich im freien Fall. Die Weltbank geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in dem Staat, der im vergangenen Jahr insgesamt rund 39 Millionen Touristen empfing, in diesem Jahr um drei bis f\u00fcnf Prozent schrumpfen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Auch in Kambodscha und auf den Philippinen bedroht der Tourismus-Stopp die Existenz etlicher Arbeiterinnen und Arbeiter. Die Weltbank sieht elf Millionen Menschen in S\u00fcdostasien zur\u00fcck in die Armut fallen. Etliche davon sind in der Reisebranche besch\u00e4ftigt: als Fahrer, Touristenf\u00fchrer, Zimmerm\u00e4dchen, Parkw\u00e4chter, Barfrauen. Hier berichten drei Betroffene \u00fcber die Folgen:<\/p>\n<h3>Anafel del Rosario, 28, Touranbieterin auf Boracay, Philippinen<\/h3>\n<p>&quot;Ich bin auf Boracay aufgewachsen. Meine Mutter h\u00fctete ein Hotelresort eines Amerikaners. Meine fr\u00fchesten Erinnerungen an diese Insel sind magisch. Jeden Abend sahen wir spektakul\u00e4re Sonnenunterg\u00e4nge und Flederm\u00e4use, die zu Scharen an die K\u00fcste kamen. Damals gab es kaum Touristen auf Boracay. Genau wie jetzt. Seit dem 26. Januar kommen keine Fl\u00fcge aus China mehr an. Wir haben jetzt gar keine G\u00e4ste mehr. Die Reiseagenturen sagten uns, das w\u00fcrde mindestens sechs Monate so bleiben. Auch wir sind im Lockdown, weil es auf unserer Insel Corona gibt.<\/p>\n<p>Meine Familie und ichbetreiben ein Picknickhaus, in dem Touristen beim Inselhopping anhalten, um mittags zu essen. Wir starteten unser Gesch\u00e4ft im Jahr 2000, als die ersten Pauschaltouristen die Backpacker abl\u00f6sten. Seit 2016 haben wir in unserem Picknickhaus bis zu 200 Touristen am Tag bewirtet. Bis vor Kurzem boomten der chinesische und koreanische Markt. Die chinesischen G\u00e4ste sagten, unsere Insel sei gut, um sch\u00f6ne Fotos zu machen.<\/p>\n<p>Das Gesch\u00e4ft lief gro\u00dfartig - auch wenn die chinesischen G\u00e4ste sich dauernd beschwerten, weil ihnen etwas nicht passte. Wir hatten 30 Leute angestellt, gingen fr\u00fch morgens zum Markt und bereiteten frische Krabben zu. Pro Monat machten wir umgerechnet rund 4000 US-Dollar Umsatz.<\/p>\n<h3>&quot;Es ist totenstill auf Boracay&quot;<\/h3>\n<p>In Wahrheit litt Boracay jedoch. Die Insel war total kommerzialisiert, man konnte sich schon seit Jahren w\u00e4hrend des Sonnenuntergangs nicht mehr an den Strand setzen. \u00dcberall waren Leute. Im April 2018 machte die Regierung die Insel dicht. Die Natur sollte sich erholen. Als die Insel wieder \u00f6ffnete, waren aber \u00fcberall chinesische Restaurants aufgebaut worden. Der Trubel ging weiter.<\/p>\n<p>Seit der Coronakrise ist es auf Boracay totenstill. Wir sitzen in unserer H\u00fctte und warten. Alle Transportwege sind abgeschnitten. Keine Boote kommen mehr rein, um Nahrung zu bringen. Boracay ist voller Hotels, wir haben daher noch nicht einmal Reisfelder hier. Jeder, der auf Boracay geboren ist, kann aber fischen. Das tun wir jetzt, um zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Ersparnisse haben wir nicht, daf\u00fcr ist unser Einkommen immer zu niedrig gewesen. Ich habe gro\u00dfe Angst vor dem Virus, denn ich brauche ein gutes Immunsystem, um in Zukunft weiter in der Sonne und mit den Touristen zu arbeiten. Ich hoffe, dass sie wieder kommen.&quot;<\/p>\n<h3><strong>Supattarapon Kasikam, &quot;Dearis Doll&quot;, 32, Dragqueen aus Bangkok, Thailand<\/strong><\/h3>\n<p>&quot;Vor der Krise arbeitete ich in der &#039;Maggie Choo&#039;-Bar im Distrikt Silom. Die Bar liegt im Vergn\u00fcgungsviertel von Bangkok, sie ist im Shanghai-Stil der Zwanzigerjahre dekoriert. Drumherum gibt es Massagesalons, Bars und Souvenirgesch\u00e4fte. Dort performte ich seit zwei Jahren jeden Sonntagabend eine Drag-Show.<\/p>\n<p>Nachts quoll Silom \u00fcber vor Touristen, sowohl Thais als auch Ausl\u00e4nder kamen. M\u00e4dchen boten Ping-Pong-Shows an und zogen die Kunden f\u00fcr einen Drink in ihre Bar. Weil meine G\u00e4ste meist Ausl\u00e4nder waren, sang ich bei meiner Show englischsprachige Songs synchron - &#039;Crazy in Love&#039; von Beyonc\u00e9 zum Beispiel. Eigentlich singe ich lieber mit meiner eigenen Stimme. Aber ich akzeptierte die Auflagen und versuchte, es als Erfahrung zu sehen.<\/p>\n<p>Der Eintritt zu meiner Show kostete neun US-Dollar. Ich selbst verdiente 60 US-Dollar pro Nacht, und wenn ich Gl\u00fcck hatte mit Trinkgeld das Doppelte. Mein Outfit musste ich selbst bezahlen. Um \u00fcberleben zu k\u00f6nnen, trat ich auch bei Hochzeiten auf.<\/p>\n<p>Ende Januar bemerkte ich zum ersten Mal, dass weniger Touristen kamen. Weil ich viel auf Facebook unterwegs bin, wusste ich, was los war. Schon damals, als das Virus in China ausbrach, hielt ich mich aus Vorsicht w\u00e4hrend meiner Show nur noch auf der B\u00fchne auf. Wegen der vielen Touristen war Silom eine Hochrisikozone.<\/p>\n<p>Am 17. M\u00e4rz lie\u00df die Regierung alle Bars schlie\u00dfen. Seitdem bin ich mit meiner Familie zu Hause und versuche dort, gl\u00fccklich zu sein. Morgens gehe ich joggen. Danach poste ich Fotos von meinem Make-up auf Facebook. Ich lebe von meinen Ersparnissen, Geld gebe ich nur noch f\u00fcr Essen aus.<\/p>\n<p>Was das Virus angeht, bin ich ein panischer Typ. Ich gehe nirgendwo mehr ohne Desinfektionsmittel hin. Ich werde auch nicht mehr zu &#039;Maggie Choo&#039; zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen, sie haben meinen Auftritt am Sonntag gestrichen. Ich sch\u00e4tze, sie wollen k\u00fcnftig Kosten sparen. Ich hoffe sehr, dass ich etwas anderes finde.<\/p>\n<p>Dragqueens faszinieren mich, seit ich vor Jahren eine Dragqueen bei einer Party gesehen habe. Sie zog die Aufmerksamkeit aller M\u00e4nner auf sich. Ich lernte jede Menge \u00fcber Make-up, Verkleidung und Tanzstile. Die Talente von Dragqueens beeindrucken mich. Meine Mutter ermutigte mich vor Jahren an einem Talentwettbewerb teilzunehmen, bei dem ich mich beim Singen als Frau verkleiden musste. Ich war nerv\u00f6s, aber das Publikum liebte es.<\/p>\n<p>Seither habe ich meinen eigenen Charakter entwickelt. Die Krise gibt mir Zeit, aus meiner Komfortzone zu kommen. Ich darf mich selbst nicht nur als Dragqueen definieren, denn diese Karriere wird nur \u00fcberleben, wo es ein Nachtleben gibt. Darauf kann ich mich nicht mehr verlassen.<\/p>\n<p>Die Regierung hat Hilfe f\u00fcr Arbeiter wie mich in Aussicht gestellt, aber auch darauf z\u00e4hle ich nicht. Wirtschaftlich ist jeder betroffen: mein Boss, der Sicherheitsmann, der Parkw\u00e4chter, die Barkeeperin. Selbst die Schneiderin, bei der ich keine Kost\u00fcme mehr bestelle.&quot;<\/p>\n<h3><strong>Sokhom Somrith, 50, Reisef\u00fchrer aus Siem Reap, Kambodscha<\/strong><\/h3>\n<p>&quot;Ich habe seit 20 Jahren als Tourguide in Siem Reap gearbeitet. Hier steht die ber\u00fchmte Tempelanlage Angkor Wat. Normalerweise dauerte meine Arbeit von acht Uhr morgens bis etwa 21 Uhr am Abend, wenn die Kunden sich langsam entspannen. Wenn ich als Freelancer arbeitete, f\u00fchrte ich manchmal zwei bis drei Touristen am Tag durch die Ruinen. Wenn ein Touranbieter mich buchte, waren es teilweise 30 oder 40 Klienten. Die meisten kamen aus China und wussten nicht viel \u00fcber Kambodscha. Viele bekamen das Land von ihren Freunden empfohlen, die schon einmal als Besucher hier waren.<\/p>\n<p>Ich erz\u00e4hlte ihnen die Geschichte der Tempelanlage, wir verbrachten viel Zeit in Souvenirshops oder auf dem Nachtmarkt. Es gibt eine ber\u00fchmte Pub-Stra\u00dfe in Siem Reap, dort habe ich sie oft nach der Tour abgesetzt, damit sie allein herumlaufen konnten. Chinesisch haben mir meine Eltern beigebracht, mein Vater stammt aus China.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine Touristen, kein Einkommen: Laut Weltbank k\u00f6nnten 11 Millionen Menschen in S\u00fcdostasien zur\u00fcck in die Armut fallen. Drei Betroffene, die durch die Coronakrise bereits ihre Jobs verloren haben, berichten. 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