{"id":202215,"date":"2020-04-10T15:12:03","date_gmt":"2020-04-10T15:12:03","guid":{"rendered":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/coronavirus-kritik-an-heinsberg-studie-schliest-lockerung-des-shutdowns-nicht-aus\/"},"modified":"2020-04-10T15:12:03","modified_gmt":"2020-04-10T15:12:03","slug":"coronavirus-kritik-an-heinsberg-studie-schliest-lockerung-des-shutdowns-nicht-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freeonlinetranslators.net\/news\/germany\/coronavirus-kritik-an-heinsberg-studie-schliest-lockerung-des-shutdowns-nicht-aus\/","title":{"rendered":"Coronavirus: Kritik an Heinsberg-Studie schlie\u00dft Lockerung des Shutdowns nicht aus"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Sie liefert Argumente f\u00fcr eine allm\u00e4hliche Lockerung des Shutdowns, nun w\u00e4chst Kritik an der Corona-Studie aus Heinsberg. Doch auch andere Analysen halten den schrittweisen Ausstieg f\u00fcr m\u00f6glich.  <\/p>\n<p>&quot;Es wird so viel wie m\u00f6glich von unseren Freiheiten wieder entstehen - in neuer R\u00fccksichtnahme, Verantwortung und Distanz&quot;, sagte NRW-Ministerpr\u00e4sident Armin Laschet am Donnerstag, als er den Landtag \u00fcber erste Zwischenergebnisse einer Studie zum Coronavirus in Heinsberg unterrichtete. Damit weckte er Hoffnungen auf eine Lockerung des Corona-Shutdowns nach Ostern. Das Fundament der Entscheidung, betonte Laschet, m\u00fcssten wissenschaftliche Expertise und interdisziplin\u00e4rer Austausch sein.<\/p>\n<p>Doch ausgerechnet an der Aussagekraft der von der Regierung Laschet finanzierten Studie, deren Zwischenergebnisse als Argument f\u00fcr eine Lockerung herangezogen werden, regt sich nun Kritik.<\/p>\n<p>Am Donnerstag hatte Laschet gemeinsam mit Forschern um Studienleiter Hendrik Streeck \u00fcber die ersten Erkenntnisse aus den Untersuchungen im Kreis Heinsberg informiert. Die Region gilt als Corona-Testbatterie, denn dort hatte sich das Virus nach einer Karnevalssitzung Mitte Februar rasant ausgebreitet.<\/p>\n<p>Seit Wochen untersuchen Streeck und Kollegen den Infektionsverlauf. Sie nehmen Abstriche aus dem Rachen von Bewohnern, testen deren Blut auf Antik\u00f6rper, fragen nach, mit wem sie Kontakt hatten.<\/p>\n<p>Den ersten Zwischenergebnissen zufolge ist das Virus offenbar weniger t\u00f6dlich als gedacht. Die Mortalit\u00e4tsrate in Heinsberg lag bei 0,37 Prozent und damit f\u00fcnfmal niedriger als im Rest Deutschlands. Und: Bei 15 Prozent der Probanden fanden sich Antik\u00f6rper gegen das Virus. Diese Personen k\u00f6nnen sich zumindest f\u00fcr einige Monate, so erste Sch\u00e4tzungen von Forschern, nicht mehr anstecken. Virologen gehen davon aus, dass die Epidemie von selbst endet, sobald etwa 60 Prozent der Bev\u00f6lkerung immun sind.<\/p>\n<p>Die Forscher betonten in der Pressekonferenz wiederholt, dass die Ergebnisse nicht auf ganz Deutschland \u00fcbertragbar seien. Auch der SPIEGEL hatte dar\u00fcber berichtet. Weil die meisten Menschen beim Lockdown &quot;so aktiv und diszipliniert&quot; mitmachten, sei es jetzt m\u00f6glich, in eine &quot;Phase 2&quot; einzutreten, sagte Streeck.<\/p>\n<p>Doch geben die Ergebnisse das \u00fcberhaupt her? <strong>Fragen und Kritik im \u00dcberblick.<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Wie zuverl\u00e4ssig sind Antik\u00f6rpertests?<\/strong><\/h3>\n<p>Um eine Immunit\u00e4t festzustellen, sp\u00fcren Tests im Blut der Probanden Antik\u00f6rper gegen den Erreger auf. Das Problem: Die Hersteller k\u00f6nnen diese derzeit selbst zertifizieren, um sie auf den Markt zu bringen. Eine unabh\u00e4ngige \u00dcberpr\u00fcfung ist nicht vorgeschrieben. Deshalb ist unklar, wie zuverl\u00e4ssig die Tests sind. Einige haben sich bereits als F\u00e4lschungen entpuppt.<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr die Zuverl\u00e4ssigkeit ist, ob ein Test nur Antik\u00f6rper gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 erkennt oder auch gegen andere Coronaviren, die jedes Jahr zirkulieren.<\/p>\n<p>In Heinsberg wurden Antik\u00f6rpertests von Euroimmun benutzt, teilte Streeck &quot;Zeit Online&quot; mit. Die Firma aus L\u00fcbeck hat ihre Produkte nach eigenen Angaben an 1600 Blutproben getestet. Demnach wird nur ein Prozent der F\u00e4lle positiv getestet, obwohl die Betroffenen das neuartige Coronavirus \u00fcberhaupt nicht in sich tragen. Bei einer Studie mit Prototypen der Tests hatten diese teilweise jedoch auch auf andere Coronaviren reagiert. Ob die Verfahren seitdem ver\u00e4ndert wurden, ist unklar. &quot;Diese Labortests haben eine hohe Rate an falsch positiven Signalen, rein technisch&quot;, sagte Virologe Christian Drosten im Interview mit dem &quot;heute Journal&quot;.<\/p>\n<p>Zuvor hatte Drosten in einem Pressebriefing des Science Media Center erkl\u00e4rt, den Antik\u00f6rpertest von Euroimmun gebe es in zwei Versionen: f\u00fcr Antik\u00f6rper vom Typ IgG und IgA. Welcher von beiden in Heinsberg benutzt worden ist, sei nicht klar. &quot;Ich hoffe, es ist nicht das IgA dabei, denn dann w\u00e4ren das praktisch alles falsch Positive&quot;, sagte Drosten. Das hei\u00dft, der Test w\u00e4re positiv ausgefallen, obwohl die Probanden nicht immun gegen das Coronavirus sind. Zudem sei nicht klar, ob weitere Tests im Labor gemacht worden seien, die die Ergebnisse best\u00e4tigen. Man br\u00e4uchte schnell ein Manuskript, sagte Drosten weiter.<\/p>\n<p>Auf Anfrage des SPIEGEL teilte Studienleiter Streeck mit: &quot;Ich sage noch mal deutlich: Wir haben ein Zwischenergebnis pr\u00e4sentiert. Ich kann mich derzeit nicht zu weiteren Ergebnissen \u00e4u\u00dfern. Wir arbeiten daran, das Endergebnis so schnell, aber selbstverst\u00e4ndlich auch so verl\u00e4sslich wie m\u00f6glich zu pr\u00e4sentieren. Eines gilt f\u00fcr mich als Wissenschaftler immer, auch in Zeiten wie diesen: Gr\u00fcndlichkeit vor Schnelligkeit.&quot; Die Forscher h\u00e4tten sich viel mit Antik\u00f6rpern besch\u00e4ftigt und auch antik\u00f6rperbasierte Schnelltests evaluiert. &quot;Auch dieses Wissen wird in das Endergebnis einflie\u00dfen.&quot;<\/p>\n<h3><strong>Wie viel PR steckt in der Studie?<\/strong><\/h3>\n<p>Kritik gegen die Heinsberg-Studie richtet sich auch gegen die opulente Begleitung in sozialen Medien. Unter der \u00dcberschrift &quot;Heinsberg-Protokoll&quot; dokumentieren zehn Mitarbeiter der PR-Firma Storymachine, die von Ex-&quot;Bild&quot;-Chefredakteur Kai Diekmann mitgegr\u00fcndet wurde, die Arbeit der Wissenschaftler im Kreis Heinsberg.<\/p>\n<p>Normalerweise schweigt sich Storymachine \u00fcber ihre Kunden aus, im Fall Heinsberg machen sie nun eine Ausnahme. &quot;Es handelt sich um eine Eigeninitiative von Storymachine - ein Teil der Kosten wird von Partnern dankenswerterweise \u00fcbernommen&quot;, sagte Agenturchef Philipp Jessen dem Medienportal &quot;Meedia&quot;. Weder der Staat noch die Universit\u00e4t Bonn, an der Streeck arbeitet, w\u00fcrden das Projekt mitfinanzieren.<\/p>\n<p>Die SPD im NRW-Landtag hatte eine Kleine Anfrage gestellt, wie die Zusammenarbeit zustande gekommen ist und wer f\u00fcr die Dokumentation bezahlt. In der Antwort hei\u00dft es, die Landesregierung unterst\u00fctze die Studie mit 65.315 Euro. Mit dem Geld w\u00fcrden Tests und die studentischen Hilfskr\u00e4fte bezahlt. Wer Storymachine den Auftrag f\u00fcr die Dokumentation gegeben habe, k\u00f6nne die Landesregierung nicht sagen. Auch Ministerpr\u00e4sident Laschet betonte, dass Nordrhein-Westfalen kein Geld f\u00fcr PR-Ma\u00dfnahmen gezahlt habe.<\/p>\n<h3>Doch kein Anlass f\u00fcr Lockerungen des Shutdowns?<\/h3>\n<p>Die Diskussion \u00fcber die Aussagekraft der Heinsberg-Studie wirft die Frage auf, ob eine Lockerung des Lockdowns nach Ostern nun aus wissenschaftlicher Sicht unverantwortlich w\u00e4re. Allerdings sind die Forscher um Streeck l\u00e4ngst nicht die einzigen, die schrittweise und kontrollierte Lockerungen f\u00fcr m\u00f6glich halten.<\/p>\n<p>Laut einer Analyse G\u00f6ttinger Forscher waren die Kontaktsperren, die am 22. M\u00e4rz beschlossen wurden, offenbar entscheidend, um das exponentielle Wachstum des Virus zu stoppen. Die Schlie\u00dfung von Schulen, Gesch\u00e4ften und die Absage von Gro\u00dfveranstaltungen allein h\u00e4tten daf\u00fcr sehr wahrscheinlich nicht ausgereicht. Wenn die Kontaktsperren noch etwa zwei Wochen eingehalten werden, halten die Wissenschaftler eine allm\u00e4hliche Lockerung f\u00fcr m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob er die Auffassung teile, dass die Ergebnisse aus Heinsberg keinen Anlass f\u00fcr Lockerungen lieferten, teilte Streeck mit: &quot;Das muss nat\u00fcrlich schlussendlich die Politik entscheiden. Wir liefern Daten und Fakten. Sicher ist: Wir haben gelernt, wie wir uns hygienisch richtig verhalten. Das ist eine wichtige Voraussetzung, die es erm\u00f6glichen kann, in Phase 2 einzutreten, n\u00e4mlich einer beginnenden R\u00fccknahme der Quarant\u00e4nisierung bei gleichzeitiger Sicherung der hygienischen Rahmenbedingungen und Verhaltensweisen.&quot; Zudem habe es zu keinem Zeitpunkt politische Einflussnahme auf die Studie gegeben.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich stammt das Szenario f\u00fcr einen m\u00f6glichen Ausstieg aus dem Lockdown, der bei der Pr\u00e4sentation der Heinsberg-Zwischenergebnisse im Gespr\u00e4ch war, nicht von Virologe Streeck, wie er auch selbst gesagt hatte. Es wurde schon vor gut eineinhalb Wochen von Hygieneexperten vorgeschlagen, darunter auch der Hygieneprofessor Martin Exner, der bei der Pressekonferenz zu Heinsberg ebenfalls dabei war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie liefert Argumente f\u00fcr eine allm\u00e4hliche Lockerung des Shutdowns, nun w\u00e4chst Kritik an der Corona-Studie aus Heinsberg. 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